Sprachlos

Bild zum Thema Andere Welten

von  Isaban

und auch heute wieder zum ersten Mal malt der Schnee Jungfräuliches an die Stadt, bis ein Rettungswagen in Bild und Ton das Hymen sprengt. Unter der Puderlinde im Park eine Vielzahl wunderlicher Tanzspuren; wie ein gefallener Engel streckt eine Amsel auf dem Daunenweiß die unanständig dünnen Beine in die Luft: Luft, die beim Atmen wie uralte Sehnsucht brennt, Sehnsucht minus 12 Grad.

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Kommentare zu diesem Text


 franky (11.12.13)
Hi liebe Sabine,

Ist diese Amsel mit den unanständigen dünnen langen Beinen, tot von der Buderlinde gefallen?
Bin halt etwas neugierig;-)
Ein interessantes schönes Bild malst du an meine innere Bildwand.

Liebe Grüße

Franky:-)

 monalisa (11.12.13)
.
Es ist wohl nur ein oberflächlich-vordergründig schönes Bild, das du hier malst, liebe Sabine; nur so lange bis der Rettungswagen die Idylle unheilvoll durchbricht, die Jungfäulichkeit des ersten Schneefalls, das Hymen (tolles Bild für die unebrührte Schneehaut) zerreißt. Und nicht einmal das hält einer näheren Betrachtung stand - da ist doch schon vorher etwas Schlimmes passiert, das Sanitäter auf den Plan ruft - eine Karabolage bei Glatteis, ein Beinbruch ... ?
In der 'Puderlinde' (ein Vorgriff von idyllischer Linde im Park zu jenem zu Puder zermalenen Räucherzusatz um böse Geister zu verteiben?) treffen wieder zwei 'Welten' aufeinander. Und schließlich greifst du sprachlich in der Amsel, dem gefallenen Engel, erfroren - mit 'unanständig' dünnen hochgereckten Beinen, das anfängliche Bild der Jungräulichkeit - der zerstörten Unschuld wieder auf. Toll gemacht!

Ja sprachlos wird man angesichts dieser winterweißen Pracht - und der Kehrseite von Frost uns Eis. - Die erforene Amsel, ein gefallener Engel, eine Obdachlose ?

Macht nachdenklich und geht unter die Haut!

Liebe Grüße,
mona

 irakulani (12.12.13)
Das scheinbar unschuldige WEISS überdeckt so manches. Nicht nur Puderzuckeridylle, sondern darunter äußere und innere Kälte, Tod und Not - all das lässt sich nicht verdrängen, macht eben sprachlos.

L.G.
Ira
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