Einfach frei

Erzählung

von  Tafelwerk

Ein unbarmherziges Fiepsen reißt mich aus unruhigem Schlaf. Schmerzende Glieder als Zeugen einer unruhigen Nacht. Hastig verleibe ich mir ein Glas Wasser ein, in der Hoffnung meine brüllende Kehle, rau von nächtlichen Schreien, etwas zu besänftigen.
Schlaftrunken bahne ich mir den Weg ins Badezimmer und muss schmunzeln als mir ein Gedanke durch den Kopf schießt: „ same procedure every day James!“ also los.
Auf diese oder ähnliche Weise beginnt mein Tag zu wechselnden Uhrzeiten wie der jedes anderen,
schön normal, schön berechenbar und schön erstrebenswert.
Ein persönliches Zamonien, möge Walter Moers es mir an dieser Stelle nachsehen, das tägliche Leben und Streben auf der Moloch, auch Alltag genannt. Segel, Steuer sowie verheerende Gewitter-stürme zugleich, treib ich mein Leben an den Ort der Bestimmung, auf unbekanntem Kurs Richtung Ungewissheit...
Sobald der nicht mehr ganz so weiße aber nicht minder lästige Kittel übergestreift, der erste Kaffee kochend die Kehle hinab geflossen ist, stürze ich mich erneut in den Abgrund meiner Selbstbestimmung, wo das Empfangskomitee mich bereits erwartet, wie an jedem Montag. Zwei himmlische Tage konnte es erfolgreich vermieden werden Nachrichten aus ,um und in der Welt zu erfahren. „ Hast du schön gehört...?“ Knallt mir statt einer Begrüßung und Austausch von oberflächlichen Befindlichkeitsfragen an den Kopf. Hierfür liegen diverse Zertifikate, unbeachtet meinerseits, in seit langem ignorierten Ecken, Tag ein Tag aus sterbende Menschen vom Säugling bis zum Greis. Denn sterben werden sie alle, lediglich Ort und Zeit, für die Liebhaber auch Art des Todes, sind optional. Angst vor dem vergessen, die beliebteste Antwort auf die Frage:
„ Wovor fürchtest du dich?“. Viele haben die untrügliche, mit keinem Argument zum wanken zu bringende Metapher der „Spuren-im-Sand-Bewegung“ zu ihrem letzten Strohhalm auserkoren.
Welch Ironie denkt meinerseits der Zynismus. So einige könnten es sogar schaffen, wenngleich während sie ihrem quasi nicht existenten Leben hinterherlaufen, auf verzweifelter Suche nach einem Sinn ihres Leidens. Kann man überhaupt auf allen Vieren heroisch gen Horizont entschwinden?
„ Nein mein Fernseher ist irgendwie kaputt.“ eine nicht wohl durchdachte Lüge, es spielt allerdings keine Rolle was geantwortet wird, die Konsequenz ist immer die gleiche. Detaillierte Berichte mit wechselnden Themen, über Tote, Verletzte, Leidensgeschichten, Dramen oder witzige Katzenvideos.
Hier gehöre ich nicht hin. Geduldiges ausharren. Bald wird es wieder soweit sein. Ohne Plan mit ungewisser Zukunft im Gepäck, echte Probleme lösen und nicht bloß darüber im Fernsehen unterrichtet zu werden, „hat man ja gesehen wie wahrheitsgetreu diese Berichte sind“ erinnere ich mich. Das Knabbergebäck auf dem Schoß, gefolgt von 15 minütiger Empörung, wahlweise auch Anteilnahme, wenn es gut läuft, gipfelnd in einer, außer-der-Reihe-Kleiderspende an „wirklich“ arme Leute. Nein. Im Dreck, am Arsch der Welt, heiße Tränen echter Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit trocknen. Dort ist mein Platz in der Welt.Hingehen von wo alle anderen fliehen, heißt es so treffend auf einem Werbeplakat. Schmerzen ertragen, von Schultern nehmen für welche die Erde zu gering geraten wäre. Durch die kleinen und großen Höllen ein standhafter Pfad, in brennend heißer Glut der Perspektivlosigkeit. Seit Acht Jahren hat jeder von ihnen ein Stück meiner Seele mit sich genommen, ein Tropfen meines Herzblutes, eine Seite meiner eigenen Geschichte.
Warum? Die ubiquitärste aller Fragen. Weil ich das verdammt gut kann, nur so bin ich endlich frei.


Anmerkung von Tafelwerk:

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Kommentare zu diesem Text

Silvi_B (48)
(08.01.15)
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 Tafelwerk meinte dazu am 08.01.15:
Gemessen an meinem Alter sind Acht Jahre eine menge Zeit. Zynismus gehört zum nötigen Werkzeug in diesem Beruf.
Es freut mich das du es einordnen kannst.

 Dieter_Rotmund (12.01.15)
Viel zu viele Adjektive.

 Tafelwerk antwortete darauf am 15.01.15:
aber ich mag doch die Adjektive ^^

 Dieter_Rotmund schrieb daraufhin am 15.01.15:
Da fehlen auch Kommas und nach Satzpunkten gehört der besseren Lesbarkeit willen ein Leerzeichen.
Insgesamt ist es mir zu selbstmitleidig und unkonkret, ich hätte gerne mehr darüber erfahren, was die Protagonistin an ihrem Arbeitsplatz macht.

 Tafelwerk äußerte darauf am 16.01.15:
Satzzeichen waren tatsächlich nie meine Stärke mea culpa. Diese setzte ich eher intuitiv -.- was gerade bei den Kommata auffällt.

Das der Leser nicht viel über die eigentliche Arbeit erfährt war tatsächlich gewollt. Denn darum geht es ja schließlich nicht. :)
(Antwort korrigiert am 16.01.2015)

Um das unbefriedigte Interesse zu stillen:
mein derzeitiger Beruf schimpft sich Biomedizinischer Analytiker, will heißen ich arbeite grob gesagt im Labor. Vorrangegangen 5 Jahre Katastrophenschutz als Sani und Seelsorger. Deswegen ist der Text auch eher weniger aus Selbstmitleid entstanden. Ferner aus der Sehnsucht heraus in meine wahre Berufung zurück zu kehren. Was derzeit unmöglich ist. Für Liberia habe ich eine Absage erhalten aus gesundheitlichen Gründen. Lg Franzi
(Antwort korrigiert am 16.01.2015)
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