Miniaturen über das Rätsel der Fortbewegung

Skizze zum Thema Reisen

von  nadir

1.

Die Hauptsache ist es, von A nach B zu gelangen. Wohl aber ist es ratsam, zuallererst Von A nach C zu reisen und C bis Z nicht auszulassen, um dann, zurückschnellend auf A, endlich und erschöpft von der Reise, bei B anzukommen. Denn hat einer erst einmal den Zweizack von Y, den zornigen Z Blitz, oder gar die perfekte Symmetrie von E in die Augen fassen dürfen, so werden ihn die weiblichen Rundungen von B kaum mehr verführen. Am schönsten ist es aber, nach langer Reise, auf A zurückzufallen und eine neue Reise beginnen zu dürfen, vielleicht bliebe man diesmal bei K stehen, wer weiß. Und man verwürfe es überhaupt zu B zu gelangen. Und wer sagt uns denn zuletzt, dass B nicht ein Verführer ist und nur deshalb ein Ziel, dass wir erreichen wollen, weil es sich so nah an das A herangeschlichen hat? Es gibt sogar die Geschichte eines Dummkopfes, der sehr lange Beine hatte und von A aus, das Z in einem Schritt übersteigend, in die Leere hinter dem Z fiel. Er hatte auch keine Fragen, sagt Ihr? Ja! – Aber vielleicht hat er die Antwort …

2.

Er ging durch sehr krumme und unebene Straßen, Gassen und Winkel. Sein eigenes paar Augen hatte er lange verloren, deshalb stahl er die Blicke derer, die ihm entgegen kamen. So sah er sich stets von weitem und immer von vorne. Da es ihm so aber schwerfiel gerade zu laufen und die Schritte richtig zu koordinieren, stolperte er viel, fiel hin, raffte sich wieder auf und fiel erneut hin. „Hey“, rief einer ihm da zu, „du bist ja lächerlich, wie du so voran stolperst und fällst“ Da blieb er stehen, setzte sich und sah sich, kam einer an ihm vorbei, für den Rest seines Lebens sitzen.

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