Jenseits der Naturgesetze

Text zum Thema Apokalypse

von  BerndtB

Eines Tages kam die Flut länger als sonst. Sie glitt langsam herbei, eigentlich wie immer. Amöbenartig und unaufhaltsam schob sich das Wasser ans Ufer. Es war keine Springflut, dafür war es nicht die richtige Zeit, aber dennoch stieg das Wasser ständig höher. Bald war das Wattenmeer gefüllt, die Halligen gerieten unter Wasser, die Felsen, welche an manchen Küsten immer aus der Flut ragten, verschwanden allmählich. Das Wasser überstieg die Deiche Hollands und Norddeutschlands. Auf der anderen Seite der Erde wurden Pazifische Inseln überflutet. Bangladesch versank im Wasser.

Es dauerte etliche Minuten, bis die Warnbehörden und Wetterbeobachter reagierten. War es vielleicht eine Sturmflut wie 1962 an der Nordsee? Oder ein Tsunami nach einem Seebeben? Wohl nichts dergleichen. Das Wasser stieg einfach immer höher. Eine Erklärung gab es nicht. Bald kamen die ersten Warnmeldungen in den Medien. Auf den Straßen gab es Lautsprecherdurchsagen. Die Menschen sollten nach Möglichkeit höher gelegene Gebiete aufsuchen. Hier und da begannen die Sirenen zu heulen. Die Feuerwehrleute rückten aus, und die Kräfte aller Hilfswerke sammelten sich. Aber sie wussten nicht, was sie tun sollten. Die Polizei versuchte, endlose Schlangen mit Autos voller flüchtender Menschen zu leiten. Aber wohin?

Die Menschen kletterten auf Dächer und Bäume, liefen auf Hügel und fuhren, wo es denn ging, ins Bergland. Die Leute in den Bergdörfern und -städten fühlten sich sicher. Zumindest am Anfang.

Nach einigen Stunden waren die ersten tiefer gelegenen Dörfer und Städte überflutet. Erst gab es noch einige Dächer zu sehen, dann lediglich einen Wasserspiegel, auf dem einige, teils lebende, teils tote Wesen und Dinge schwammen, hier und da ein Boot. Und das Wasser stieg weiter. Es erreichte höher gelegene Ansiedlungen und das Hügelland.

Nicht nur die Menschen flüchteten nach oben, auch die freilaufenden Tiere versuchten, dem Wasser zu entkommen. Für Wasservögel war es kein Problem. Sie fanden sich aber in der neuen, riesigen Wasserumgebung nicht mehr gut zurecht, ebenso wie die Fische.

Auf der Erde gab es tausende von Booten, zivile und militärische. Aber sie hatten keinen Hafen zum Anlegen mehr. So schwammen sie ziellos herum, bis ihre Vorräte aufgebraucht waren.

Das Ganze währte einige Wochen. Oberhalb der Schneefallgrenze verwandelte sich das Wasser allmählich in Eis. Dann war das Festland auf der ganzen Erde verschwunden. Nur einige Spitzen der Himalayagipfel ragten aus der Eisfläche heraus.

Nach langer Zeit zog sich das Wasser wieder zurück. Die Fische hatten überlebt, einige Vögel und andere Pflanzen- und Tierformen. Menschen gab es keine mehr.  Die Astronauten der ständigen Weltraumfähren konnten nicht mehr zurück. Auch sie starben, nachdem ihre Vorräte aufgebraucht waren; denn sie hatten keinen Kontakt zur Erde mehr.

Das Ganze widersprach aller menschlichen Erfahrung und lag jenseits der Naturgesetze, wie sie die Wissenschaft verstand. Aber es war so geschehen. Nur interessierte das niemanden mehr.


„Das Meer ist eine zusammenhängende, reich gegliederte Wassermasse, die rund 71 % der Erdoberfläche bedeckt. 31,7 % des Weltmeeres sind 4000 – 5000 m tief. Insgesamt hat das Meer ein Volumen von 1,338 Milliarden km3 und damit einen Anteil von 96,5 % am Weltwasservorkommen.“

„Ebbe und Flut wechseln sich etwa alle sechs Stunden ab. Ursachen sind vor allem die Anziehungskräfte des Mondes und der Sonne. Der Meeresspiegel steigt und fällt dabei seit Urzeiten. Auf den Ozeanen beträgt der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser (Tidenhub) nicht einmal einen Meter. Erst an den Küsten können es zum Teil mehrere Meter sein. Das ist ein Naturgesetz.“

(Quelle: Wikipedia)

Kommentare zu diesem Text

pat (36)
(19.09.21)
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 BerndtB meinte dazu am 19.09.21:
Ich wollte in meinem Text grundsätzliche Fragen stellen. Einige davon wären: Gibt es eine Wahrheit oder Wirklichkeit? Gibt es Naturgesetze oder wurden diese erfunden? Können wir aus unseren Erfahrungen Gesetzmäßigkeiten herleiten? Können wir nicht alles in Zweifel ziehen? Können die Menschen ohne Glauben leben? Brauchen die Menschen einen Halt? Einen Halt in der Religion, in der Wissenschaft, in der Meditation, der Metaphysik, der Esoterik? Oder gar in politischen Überzeugungen? Wie wäre es, wenn wir versuchten, jedem seinen „Glauben“ zu lassen? Würde uns eine solche Toleranz weiterbringen? Oder führte sie zur Anarchie? Könnte die Menschheit in der Anarchie leben? Muss 1 + 1 „2“ sein? Was wäre, wenn es einmal „3“ wäre? Würde dann die Welt zusammenbrechen oder unser Glaube an die „Vernunft“? Kann es nicht auch andere Arten der „Vernunft“ geben?

Das sind alles längst durchdiskutierte philosophische Probleme. Wir müssen halt schauen, wie wir mit unserem Schicksal zurechtkommen, wo wir unseren Halt finden, wo unsere persönliche Grenze ist.

Aber bitte, lasst uns nicht an „eine“ Wahrheit oder Wirklichkeit glauben und auch nicht an deren Verkünder!

Danke für die Empfehlung!

LG Berndt

Antwort geändert am 19.09.2021 um 10:59 Uhr
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