Die Pumpe

Kurzgeschichte zum Thema Suche

von  Quoth

„Bringt er die Post oder was bringt er?“, fragte Robert sich, der am Straßenrand stand. Der dunkle Radler war schon wieder vorbei, da fiel es Robert ein: Es war Renz, der schwermütige Renz, der nach dem Bobunfall nie wieder der alte geworden war. Und jetzt radelte er da vergnügt einher und hatte fast einen Platten! „Hallo Renz!“, rief Robert, „du brauchst dringend eine Pumpe! Sonst schlägt das Rad an der nächsten Kante durch, und der Schlauch hat ein Loch!“ Renz hielt an, wandte sich um: „Besorgst du mir eine?“ Robert nickte und begab sich auf die Suche. In dem hohen schmalen Haus am Steilufer fahndete er im Keller nach einer Pumpe, aber da standen keine Räder mehr, und Pumpen klemmen ja meist an Rädern. Aber sie riefen aus dem Bad: „Röbbi, komm rauf!“ Die gesamte Familie seiner Frau lag dort in der riesigen Badewanne. War ihr Wasser nicht mehr warm genug? Robert ließ welches nachlaufen, aber es sprudelte rostbraun aus dem Hahn hervor. Wird es sie vergiften? Er hatte ein ungutes Gefühl, sagte aber, das sei hier normal, sie sollten sich keine Sorgen machen. „Erstaunlich, er war kein bisschen verlegen, dabei sind wir doch alle nackt!“, wunderte sich seine Schwägerin, als er schon in der Tür stand. Die Pumpe musste noch gefunden werden! Renz war aber schon im Keller. Er hatte sein Rad auf den Sattel gestellt und reparierte den Schlauch des Hinterrads. Auch andere Kameraden reparierten hier ihre Fahrräder und sangen dabei aus voller Brust:

"Das Rad, das Rad,
das Rad, es hat
den Schlauch marod,
und die im Bad
sind alle tot!“



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Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (18.01.22, 14:20)
Etwas arg bizarr für meinen Geschmack.

 Graeculus meinte dazu am 18.01.22 um 14:47:
Für mich: ein Traum. Träume sind so.

(Noch im Traum hätte ich bei einem schlecht aufgepumpten Reifen angesichts einer Kante nicht an ein Loch, sondern an eine brechende Speiche gedacht. So träumt jeder auf seine Weise.)

 Quoth antwortete darauf am 18.01.22 um 18:03:
Man kann es nicht jedem recht machen, Dieter_Rotmund. Meine Texte werden gerne von Dir geschätzt - und "etwas arg bizarr" ist ja etwas anderes als Mist!

Ja, Graeculus - der Traum ist ja eine Realitätserfahrung eigener Art. Wer in ihm ist, ist in seiner Realität. Danke für Kommentar und Empfehlung! Quoth

 AlmaMarieSchneider (18.01.22, 17:26)
Mir kommt es eher etwas makaber vor. Da radelt der Renz vorbei auf halb platten Reifen .und ist vergnügt. In der großen Wanne sitzt die Familie der Frau, ich vermute mal auch vergnügt und Röbbi, mehr ein Beobachter wie Akteur versucht sein Bestes, es allen Recht zu machen.
Ohne Erfolg. Ein Kampf gegen Windmühlen?
Dann das Ende mit dem Lied setzt noch dem Ganzen die Krone auf.

Ich bin wieder einmal begeistert.

LG
Alma Marie

 Quoth schrieb daraufhin am 18.01.22 um 17:59:
Es freut mich, dass ich Dich erfreuen konnte! Bizarr und makaber - ich empfinde es als Gedankenstrudel, vor allem weil die Zeitebenen sich mischen. Danke für Kommentar und alles! Quoth

 Lluviagata (19.02.22, 06:54)
Hallo Quoth,

Träume sind Schäume, aber oft sind sie wichtig für die Vergangenheitsbewältigung - oder, dass man nie vergisst. Zum Handwerk muss ich nichts sagen, tatsächlich nie. 

Liebe Grüße

Llu ♥
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