Gedenken

Distichon

von  Quoth

Früchte des Vogelbeerbaums! Wir kochten daraus Marmelade.
O Marina, wie gut hat sie dem Kriegskind geschmeckt!




Anmerkung von Quoth:

Marina Zwetajewa (1892-1941)

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 AlmaMarieSchneider (18.09.22, 15:14)
Es gibt leider immer weniger Vogelbeerbäume auch Eberesche genannt (nicht verwand mit der Esche). Marmelade daraus habe ich noch nie in einem Laden gesehen. Sie gibt es nur privat. Mir schmeckt sie auch.

Liebe Grüße
Alma Marie

 Quoth meinte dazu am 18.09.22 um 16:30:
Man muss Apfel dazutun, sonst ist sie zu herb und geliert nicht genug. Aus dem Kriegsküchenrezeptbuch! Vielen Dank für Empfehlung mit Kommentar!

 Graeculus (18.09.22, 15:26)
Ich hoffe, die Leser machen sich die Mühe, die Verbindung zwischen Marina Zwetajewa und dem Vogelbeerbaum herauszufinden.
Eine schöne Hommage.

 Quoth antwortete darauf am 18.09.22 um 16:48:
Ich bedaure, kein Russisch zu können und könnte auf die Idee kommen, es ihretwegen zu lernen! Danke für den Kommentar und das "schöne"!

 Graeculus schrieb daraufhin am 18.09.22 um 17:00:
Hier ist ein schönes Gedicht von ihr ("März"), freilich von düsterer Stimmung:

O Tränen in den Augen!
Weinen des Zornes und der Liebe!
O Tschechei in Tränen!
Spanien in Blut!
 
O schwarzer Berg,
der du die ganze Welt verdunkelt hast!
Es ist Zeit, es ist Zeit, es ist Zeit,
dem Schöpfer die Eintrittskarte zurückzugeben.
 
Ich weigere mich zu sein.
Im Tollhaus der Unmenschen
Weigere ich mich zu leben.
Mit den Wölfen der Plätze
 
weigere ich mich zu heulen.
Mit den Haifischen der Ebenen
Weigere ich mich zu schwimmen
Im Strom der Rücken hinab.
 
Ich brauche weder die Löcher
der Ohren noch die weisen Augen.
Auf deine wahnsinnige Welt
habe ich nur eine Antwort: Weigerung.

Kennst Du vielleicht. Nein, auch keine Russischkenntnisse meinerseits, leider.
Dies ist eine schärfere Übersetzung zweier Strophen:

Ich weigre mich zu leben
Im Tollhaus unter Vieh.
Ich weigre mich, ich heule
Mit den Wölfen nie.

Ablehn ich, was ich höre,
Ablehn ich, was ich seh.
In dieser Welt des Irrsinns
Gibt es nur eins: Ich geh.

Antwort geändert am 18.09.2022 um 21:51 Uhr

 AchterZwerg äußerte darauf am 18.09.22 um 18:35:
Wow,  Graec,
10 Punkte extra!
Obwohl ich nun morgen trotz des anhaltenden Scheißwetters wieder in die Buchhandlung zwergeln muss.
Und wer is schuld? Na? :angry:

 Graeculus ergänzte dazu am 18.09.22 um 21:55:
wer is schuld?

Marina, nicht ich.

 Graeculus meinte dazu am 18.09.22 um 22:58:
Das ist meines Wissens ihr letztes Gedicht gewesen, kurz vor ihrem Suizid entstanden.

 Quoth meinte dazu am 19.09.22 um 08:54:
Wohl noch in Frankreich entstanden, also vor ihrem fatalen Entschluss, in die Sowjetunion zurückzukehren, aber auf jeden Fall einer ihrer spätesten Texte.

 Graeculus meinte dazu am 19.09.22 um 09:29:
Wenn es wirklich im März entstanden ist (Titel), dann war das noch vor einem katastrophalen Ereignis: dem deutschen Angriff auf die UdSSR, während sie im Gedicht auf andere Ereignisse anspielt.

 Dieter Wal (18.09.22, 19:06)
Jetzt müsstest Du auf Wunsch selbstgekochte Apfel-Vogelbeerbaum-Marmelade mit einem passenden Marina Zwetajewa-Gedicht und Deinem Distichon gegen Aufwandsentschädigung postalisch versenden.

Unsere Tante Walo lernte bis zuletzt im Alter von 85 Russisch und viele weitere moderne Frendsprachen. Das schaffst Du auch.

 Quoth meinte dazu am 19.09.22 um 08:57:
Das fehlte noch! Vielen Dank für Empfehlung mit Kommentar!
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram