Nicht müde werden

Predigt zum Thema Erschöpfung/ Müdigkeit

von  tulpenrot

1. Hilde Domin (1909 – 2006) und Paulus (ca. 10-60)

„Nicht müde werden

sondern dem Wunder

leise

wie einem Vogel

die Hand hinhalten.“

   Dieser recht bekannte Text von Hilde Domin fiel mir im Zusammenhang mit dem heutigen Predigttext spontan ein.

Nicht müde werden, nur keine Müdigkeit zulassen, keine Schwäche zeigen, die Spannung halten, nicht zusammensinken, nicht den Kopf hängen lassen. Wenn man nur die erste Zeile liest und darin nur die Aufforderung zum Durchhalten heraushört, könnte man mutlos werden. Man könnte aber auch bemerken, dass in den Worten etwas Besänftigendes liegt. Sie fordern den Leser auf, trotz der sich einschleichenden Müdigkeit dem Wunder erwartungsvoll die Hand hinzuhalten, also weiter daran zu glauben, dass Wunder geschehen können. Dass es eine Wende geben könnte, entgegen allem Augenschein.

  Ich kann mir vorstellen, dass das für manche kitschig klingt, zu einfach, zu einfältig. Man kann doch nicht immer Wunder erwarten! Aber manchmal eben doch, sagt Hilde Domin. Das bedeutet doch, dass sie in all den Stürmen um sie herum ganz ruhig, unspektakulär und zuversichtlich die Hoffnung weiter in sich beherbergt, dass es anders werden kann, sich zum Guten wendet, was aussichtslos erscheint. Die Vorstellung von der ausgestreckten Hand und dem Vogel, der sich ganz harmlos auf die Menschenhand niederlassen soll, trägt etwas Sanftes und Behutsames in sich. Wunder sind durchaus nicht immer spektakulär, kommen nicht als polterndes Etwas daher, sondern künden sich fast lautlos an, überrumpeln den Menschen nicht. Sie sind scheu wie ein Vogel, man muss sorgsam und wachsam damit umgehen. Wunder sind wie ein Vogel so leicht und wollen nicht gestört werden, wenn sie sich niederlassen. Dafür soll der Mensch bereit sein, mit ausgestreckter Hand warten. Und darin nicht müde werden! Sagt Hilde Domin mit ihrem Text.

   „Wir wollen nicht müde werden …“ schreibt auch Paulus vor etwa 2000 Jahren an die Gemeinden in Galatien (Gal 6, 9+10). Aber er hat etwas anderes zu sagen als Hilde Domin – er will, dass seine Leser nicht auf ein Wunder warten, sondern tätig werden und tätig bleiben. Dass sie nicht ermatten, sondern dranbleiben.

   „Wir wollen nicht müde werden (nicht darin nachlassen), das Gute (Geeignete, Taugliche, Angemessene) zu tun; denn zum besonderen, passenden Zeitpunkt werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten (verzagen). Also solange wir die Gelegenheit (den Kairos) dazu haben, wollen wir das Gute (Geeignete, Taugliche, Angemessene) gegenüber allen tun, vorzugsweise aber gegenüber unseren Hausgenossen des Glaubens (also gegenüber denen, die mit uns im selben Glauben zuhause sind). Lasst uns also nicht müde werden, Gutes (Geeignetes, Taugliches, Angemessenes) zu tun“. (Gal 6, 9+10, eigene Übersetzung)

   Mir ist an diesen Versen sympathisch, dass Paulus sich neben die Galater stellt, an ihre Seite, ihnen zur Seite steht, weil er „lasst uns“ und „wir wollen“ schreibt. Er stellt sich also nicht außerhalb seiner Leserschaft, den Gemeinden in Galatien, auch nicht darüber, sondern er ist mittendrin. Er stülpt den Lesern nicht irgendwelche Verhaltensmaßregeln über. Er fordert sie nicht einfach nur auf, nicht müde zu werden, er treibt sie nicht an „los, macht weiter“, wie ein unerbittlicher Kameltreiber, sondern schließt sich mit ein. Er ist ein Trainer, der selber beim Training mitmacht. „Wir alle wollen nicht müde werden und nachlassen … das Angemessene zu tun.“

   Es soll etwas getan werden, das angemessen, tauglich, geeignet ist. Es gibt viele Dinge, die man tun kann, sie sind aber oft überflüssig, sie bringen z.B. die Gemeinde nicht weiter. Dagegen gibt es anderes, das besser ist, das wirklich geeignet ist. Man muss abwägen können, was gerade jetzt das Richtige, das richtig Gute ist. Nicht einfach in Aktionismus verfallen, weil sich ja niemand nachsagen lassen will, dass er lahm, müde oder lustlos ist. Sondern Sinnvolles tun und das in der richtigen Dosierung.

   „Lasst uns nicht müde werden …“. sage ich heute. Wir wollen ebenfalls nicht müde werden … Nein, das wollen wir nicht. Wir wollen keine lahmen Zuhörer sein, wir wollen keine müde Gemeinde sein, die vor sich hindämmert. Wir wollen unternehmenslustig, lebendig und agil sein. Wir haben Ideen, wir wollen etwas bewegen, uns nicht lustlos treiben lassen. Wir wollen uns nicht bequem zurücklehnen oder rumnörgeln, was alles nicht klappt. Stattdessen wollen wir ausfindig machen, was wir Gutes (Taugliches, Angemessenes) tun könnten, in unserem privaten Umfeld, an bestimmten Stellen in der Gemeinde oder hier im Ort an den hier lebenden Menschen.

   „Lasst uns nicht müde werden…“ Also da weitermachen, wo andere aufgehört haben; trotzdem weitermachen, obwohl andere aufgehört haben. Oder vielleicht ist das Geeignete gerade das, dass wir Neues beginnen sollen, oder dass wir immer wieder neu anfangen und nicht zu früh aufgeben sollen. Oder es ist dran, Liegengebliebenes aufzuarbeiten, das als unsere Aufgabe zu sehen und dann anzupacken. Überhaupt einen Lebensstil entwickeln und haben, der zupackend ist. Das wirkt ja auch für Außenstehende ansteckend, wenn es Menschen gibt, wenn es Gemeinden gibt, die etwas voranbringen.

   Aber das ist nach Paulus nicht genug, er hat weitergedacht. Er wollte, dass die Gemeinden in Galatien durch Gottes Geist am Leben bleiben und lebendig werden. Sie sollen nicht nur von Gottes Geist und über ihn reden können, sondern in ihm leben. Mit allen Konsequenzen. „Wenn wir im Geist leben wollen, wollen wir auch im Geist wandeln. Wir wollen nicht ruhmsüchtig werden, einander nicht reizen oder sich dem anderen versagen oder neidisch sein.“ (Gal. 5,25+ 26, eigene Übersetzung)

   „Im Geist wandeln“ – was bedeutet das? Ist das etwa so, wie wenn jemand das Geschäft seines Vaters in seinem Sinne weiterführt? Wenn er so wirtschaftet, wie der Vater gewirtschaftet hat? Wenn er also alles im Sinne seines Vaters handhabt? Ist das mit dem Hl. Geist so gemeint? Also das eigene Leben so führen, wie Gott es gemeint hat? In seinem Sinn das Leben führen? Wenn Paulus das sagen wollte, hätte er sich anders ausgedrückt. Paulus geht vielmehr von der Vorstellung aus, dass der Hl.Geist im Inneren eines Menschen wohnen kann. Einwohnung des Geistes nennt man das. Dann erlebt der Mensch den Hl. Geist als eine innere Kraft, die ihn verwandelt. Der Hl. Geist erfüllt ihn mit seinen Gaben, seiner Weisheit. Er ist der Statthalter an Christi statt, bis dieser wiederkommt. Er ist der Tröster, den Jesus Christus seinen Jüngern senden wird, um sie in Schwierigkeiten zu ermutigen, um ihr Fürsprecher zu sein, um sie zum Ziel zu bringen. Der Hl. Geist hilft den Menschen Gott zu erkennen, sein Wort zu verstehen und auch Jesu Leben und Sterben richtig einzuordnen. Er bewirkt, dass wir uns selbst erkennen in unserer Stärke und Schwachheit, und dass wir trotz allem Versagen die Hoffnung nicht aufgeben. (s. Joh.14,16; 14,26; 15,26; 16,7)

   Er befähigt die Jünger zum Dienst, macht sie mutig. Der Hl. Geist ist aber auch verletzlich, man kann ihn traurig machen (betrüben). Er redet zu den Menschen oder treibt sie an zu reden oder in eine bestimmte Richtung zu gehen oder er hindert Menschen daran, in die falsche Richtung zu gehen.

Menschen, Gemeinden, die „im Geist wandeln“, haben es also mit einer Fülle von Lebensbekundungen des Geistes zu tun.  Der Hl. Geist ist einesteils in seiner Kraft nicht zu übersehen oder zu überhören.  Wenn er andererseits sanft wie ein Windhauch daherkommt, braucht man ein feines Gespür für ihn.

Wer im Geist wandelt, wird über die natürliche Daseinsweise hinausgeführt. Nicht mehr Hinfälligkeit, Vergänglichkeit, Abhängigkeit, Wut, Angst, Völlerei oder Feigheit bestimmen das Leben, sondern Freiheit, Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (Gal.5) und vieles mehr.

   „Wenn ihr geisterfüllte Menschen sein wollt, dann lebt auch so“, schreibt Paulus. „Lasst Götzenanbetung und abergläubisches Vertrauen auf übersinnliche Kräfte, Feindseligkeit, Streit, Eifersucht, Wutausbrüche, hässliche Auseinandersetzungen, Uneinigkeit und Spaltungen, mit anderen Worten: das Fleischliche, nicht übermächtig werden, sondern werdet bestimmt vom Hl. Geist, der in euch wohnt.“ Er hat jetzt das Sagen.

Da setzt er eine hohe Messlatte an. Wenn man das so liest, könnte man schon gleich abwinken: Das schaffen wir doch nie! "Nicht müde werden", ist Paulus‘ Antwort.

 

2. Lasst uns nicht müde werden … wie der müde Elia

Müde werden – das ist menschlich. Überdruss empfinden auch. Lustlos sein, ausgelaugt sein … all das gehört zum Menschsein dazu. Müdigkeit kann das Zeichen dafür sein, dass nun etwas abgeschlossen sein soll. Man kann eine Aufgabe nun ruhen lassen, man hat sich genug damit abgemüht. Es kann aber auch sein, dass der Weg noch nicht zu Ende ist, dass man die Müdigkeit überwinden kann und soll.

   Wieder ist mir ein Text eingefallen, diesmal aus dem AT. Er ist sehr bekannt, die Geschichte von dem müden Propheten Elia. Ich finde: Eine sehr sympathische Geschichte. Ich lese aber nur einen kurzen Abschnitt daraus:

   „Er (Elia) aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginster (Wacholder). Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss … Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb“ (1.Könige 19, 4-7)

   Da liegt er also, Elia, der große und mächtig handelnde Prophet, ausgelaugt und müde unter dem Ginster (in anderen Übersetzungen: Wacholder). Er kann einfach nicht mehr, er fühlt sich schwach und ausgelaugt. Es reicht ihm.

   Wie gut, dass es diesen Engel gab, der ihn nicht anklagt oder schimpft deswegen, sondern er rührt Elia an. Er fährt ihn nicht an „ du Nichtsnutz, du fauler Sack“, sondern gibt ihm stattdessen zu essen und zu trinken. Er stärkt ihn, damit er seine Müdigkeit abschütteln kann.

   Wie gut, dass auch wir nicht immer für alles selber sorgen müssen, dass wir uns nicht immer selber antreiben müssen, sondern dass es Gott gibt, der Engel schickt. Dass es den Hl. Geist gibt, der Stärke ist für die Unvermögenden.

   „Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Knaben werden müde und matt, und junge Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jesaja 40:29-31 SCH 2000)

   Und wie gut, dass es Jesus gibt, der von sich sagt: „Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ (Matthäus 11:28)

Und Gott sagt von sich: „Denn ich will die müden Seelen erquicken und die bekümmerten Seelen sättigen.“ (Jeremia 31:25)

   Und wie gut, dass es Menschen gibt, die einem unter die Arme greifen, wenn eine Aufgabe zu groß und schwer geworden ist. Wie bei Mose.

   „Und wenn Mose seine Hand emporhielt, siegte Israel; wenn er aber seine Hand sinken ließ, siegte Amalek. Aber Mose wurden die Hände schwer; darum nahmen sie einen Stein und legten ihn hin, dass er sich daraufsetzte. Aaron aber und Hur stützten ihm die Hände, auf jeder Seite einer. So blieben seine Hände erhoben, bis die Sonne unterging. 2 Mose 17:11+12“

   Schwere und Müdigkeit haben ein Ende. Der Mensch kann mit Gottes Hilfe aus diesem Tal wieder herausfinden.

 

3. „Lasst uns nicht müde werden, Gutes zu tun …“ schreibt Paulus weiter. Gutes tun: Aber was ist jetzt im Moment gut? Seine Leser sollen nicht irgendetwas irgendwie tun, damit es getan ist, sondern damit es Qualität hat, damit es GUT ist. Ein Beispiel:

Man kann ja z.B. die Wohnung putzen oder aufräumen, irgendwie halt, den Dreck unter den Teppich kehren, Herumliegendes in Schubladen oder Schränke werfen, aber man kann es auch gut machen, sorgfältig, mit Überlegung. Etwas richtig gut machen.

   Die Aufforderung meint noch mehr. „Gutes tun“ bedeutet doch, anderen Menschen zu helfen, dass sie leben können. Dass sie ihr Auskommen haben. Paulus und seine Leser haben sicher den Vers von Jesaja gekannt:

  „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn …“ Jes. 58,7

   Gutes zu tun soll ja dazu dienen, dass den hilfsbedürftigen Menschen aus der ihrer Not herausgeholfen wird. Das macht doch jeder, auch wenn er kein Christ ist. Wohltätig zu sein, das schickt sich für jeden, der etwas auf sich hält. Damit kann man punkten in der Öffentlichkeit oder vor sich selber. Man fühlt sich gut, wenn man wohltätig ist, das Gewissen ist beruhigt. Aber das oberflächlich beruhigte Gewissen  soll nicht die Triebfeder für das „Gutes-Tun“ sein.

   Denn wohltätig zu sein bedeutet, von seinem Eigenen abzugeben. Doch das, was Christen besitzen, sehen sie letztlich nicht als ihr persönliches Eigentum, sondern sie verstehen sich nur als Verwalter der Güter, die sie benutzen. Sie sind Eigentum Gottes, für uns Menschen sind sie nur Leihgaben. Ihr Geld, ihr Haus, ihr Land/Acker, ihre Wohnung ... sind Leihgaben. Als Verwalter gehen sie pfleglich damit um. Sie verschwenden es nicht, haushalten damit und können auch davon abgeben, damit andere gesegnet werden. Es ist aber letztlich Gott, der die Menschen segnen will, und sie dürfen daran mitwirken.

   So also sieht das „Wandeln-im-Geist“ aus, zu dem Paulus die Christen in Galatien auffordert. Sie haben viel zu entdecken, was dieses neue Leben im Geist beinhaltet. Sie müssen ihr Leben danach ausrichten. Das Tun des Guten gehört dazu. Aber das fällt ihnen nicht einfach in den Schoß. Sie müssen sich anstrengen und bewähren.

 

4. „Wenn wir nicht aufgeben …“ (Gal 6,9)

„Um Himmels Willen, werdet nicht müde, ihr Gläubigen, die ihr zum Volk Gottes gehört! Gebt nicht auf.“ Und weil sich doch unversehens Müdigkeit einschleichen will, liegt die Gefahr auch nahe aufzugeben. Nicht mehr mitzumachen. Es gibt viele Stellen in der Bibel, wo die Leser zum entschlossenen Handeln gegen das Aufgebenwollen aufgerufen werden. Die Galater sind nicht die einzigen, die Gefahr laufen zu früh aufzugeben.

   - Der Schreiber des Hebräerbriefes ruft seine Leser zu einem Neubeginn auf:

„Darum heißt es: »Stärkt die kraftlosen (müden) Hände! Lasst die zitternden Knie wieder fest werden!« Bleibt auf dem geraden Weg, damit die Schwachen nicht fallen, sondern neuen Mut fassen und wieder gesund werden.“ HFA (Hebr. 12:12)

   - Die Thessalonicher haben wohl keine Lust mehr Gutes zu tun, denn Paulus muss sie ermahnen:

„Ihr aber, liebe Brüder, werdet nicht verdrossen, Gutes zu tun!“ 2Thess. 3:13

   - Jesaja ermutigt seine Zuhörer: (Jes 35,1-4 EU)

„Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes. Macht die erschlafften (müden) Hände wieder stark / und die wankenden Knie wieder fest! Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott!“

   - Aber auch Lob wird ausgesprochen: Am Ende des NT, in der Offenbarung, wird über die Gemeinde in Ephesus anerkennend gesagt:

„Ich kenne deine Werke und deine Mühsal und deine Geduld … du hast um meines Namens willen die Last getragen und bist nicht müde geworden“. LUT Offb 2:3

   Nicht müde oder lustlos zu werden ist also möglich.

 

5. „Es wird eine Zeit kommen, in der wir eine reiche Ernte einbringen.“ HFA Gal (6,9)

Das ist eine schöne Aussicht, das ist ein hoffnungsvolles Ende, das geht anders aus als beim müden Elia, der alles nur traurig sah, der nur vergebliches Tun vor Augen hatte. Er konnte sich nicht im Voraus auf eine Ernte freuen. Aber: Was könnte das sein in unserem Fall, was verbirgt sich hinter der „reichen Ernte“? „Wer (dagegen) auf den Boden von Gottes Geist sät, wird als Frucht des Geistes das ewige Leben ernten.“ HFA (Gal 6,8b)

Ewiges Leben als Frucht, als reiche Ernte. Dazu noch die weiteren Früchte: Freiheit, Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.

   Ewiges Leben bedeutet: Dauerhaft und ohne störende Zwischentöne mit Gott verbunden sein, ihn hören und verstehen, das eigene Leben nachträglich verstehen. Alle Ungereimtheiten haben ein Ende, alle großen weltbewegenden und alle kleinen Probleme sind gelöst. Erlösung. Ganz umfänglich.

   Das ist dann ein Wunder, das wir erwarten können, das sich trotz seiner Größe ganz leise auf unsere Hand setzt.

 

6. Schluss

Nur 2 Verse aus dem Galaterbrief, - „Lasst uns daher nicht müde werden, das zu tun, was gut und richtig ist. Denn wenn wir nicht aufgeben, werden wir zu der von Gott bestimmten Zeit die Ernte einbringen. Solange wir also noch Gelegenheit dazu haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun, ganz besonders denen, die wie wir durch den Glauben zur Familie Gottes gehören“ - und wir haben noch nicht einmal alles dazu gesagt, was man hätte sagen können. Und wenn wir sogar den ganzen Predigttext für den heutigen Sonntag bedenken wollten, hätten wir wochenlang zu tun. Damit der Predigttext aber wenigstens einmal laut gelesen wird, machen wir es jetzt gemeinsam:

 

Der ganze Predigttext (NGÜ)

Gal. 5, 25 Da wir also durch Gottes Geist ein neues Leben haben, wollen wir uns jetzt auch auf Schritt und Tritt von diesem Geist bestimmen lassen.

26 Wir wollen nicht überheblich auftreten, einander nicht provozieren und nicht neidisch aufeinander sein!

Gal. 6, 1 Geschwister, wenn sich jemand zu einem Fehltritt verleiten lässt, sollt ihr, die ihr euch von Gottes Geist führen lasst, ihm voll Nachsicht wieder zurechthelfen. Dabei muss aber jeder von euch auf sich selbst achtgeben, damit er nicht auch in Versuchung gerät.

2 Helft einander, eure Lasten zu tragen! Auf diese Weise werdet ihr das Gesetz erfüllen, das Christus uns gegeben hat.

3 Wer sich jedoch einbildet, er sei etwas Besonderes – obwohl er in Wirklichkeit nichts ist –, der belügt sich selbst. 4 Vielmehr soll jeder sein eigenes Tun überprüfen! Dann kann er sich mit dem rühmen, was er selbst tut, und muss sich nicht mit anderen vergleichen. 5 Jeder hat nämlich seine ganz persönliche Last zu tragen.

6 Wer in der Lehre des Evangeliums unterrichtet wird, soll mit allem, was er besitzt, zum Lebensunterhalt seines Lehrers beitragen.

7 Macht euch nichts vor! Gott lässt keinen Spott mit sich treiben. Was der Mensch sät, das wird er auch ernten. 8 Wer auf den Boden seiner selbstsüchtigen Natur sät, wird als Frucht seiner Selbstsucht das Verderben ernten. Wer dagegen auf den Boden von Gottes Geist sät, wird als Frucht des Geistes das ewige Leben ernten.

9 Lasst uns daher nicht müde werden, das zu tun, was gut und richtig ist. Denn wenn wir nicht aufgeben, werden wir zu der von Gott bestimmten Zeit die Ernte einbringen. 10 Solange wir also noch Gelegenheit dazu haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun, ganz besonders denen, die wie wir durch den Glauben zur Familie Gottes gehören.

 

Nicht müde werden, aber mit Gott über Mauern springen.

Amen.

 

(Predigt gehalten am 25.09.2022 in der emk Ammerbuch)



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Kommentare zu diesem Text

Dieter Wal (58)
(17.10.22, 12:50)
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 tulpenrot meinte dazu am 17.10.22 um 17:37:
Lieber Dieter, 

danke für deinen Kommentar. Zu einem einzelnen Vers kann man aber auch eine Menge sagen - man könnte ihn kombinieren mit zeitgenössischer Prosa, könnte mit Gegensätzen arbeiten, ihn mit anderen Trostworten kombinieren usw. Das Bild erläutern - warum gerade das geknickte Rohr eine Rolle spielt oder der glimmende Docht... Ob es vllt. antike Sprichworte gibt, die dazu passen usw.

Meine weitere ausführliche Antwort ist in deinem Postfach.

Viele Grüße
Angelika
edit: ein "i" eingefügt

Antwort geändert am 17.10.2022 um 19:36 Uhr
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