Herrenmenschen und Untermenschen

Predigt zum Thema Rache

von  Hoehlenkind


"Auge um Auge und die ganze Welt wird blind sein" kritisiert Gandhi den alttestamentarischen Spruch "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Doch derzeit ist mir klar geworden, dass er auch positiver gemeint sein könnte. Nicht als Rachegebot, sondern als Forderung zur Verhältnismäßigkeit, also als Gebot zur Begrenzung der Rachebedürfnisse.

Eben nicht "20 Augen um Auge, 20 Zähne um Zahn". Und eben auch nicht 30000 und mehr umzubringen als Vergeltung für 1200, wie es zur Zeit im Gazastreifen geschieht. Wäre es nicht genug gewesen, die Racheaktion zu beenden, als genau so viele Unschuldige der anderen Seite getötet waren? Es wären immer noch zu viele unschuldige Opfer, denn das Töten von anderen erweckt kein Opfer wieder zum Leben. Aber gegenüber dem Massenmord, wie er zur Zeit geschieht und bei dem kein Ende in Sicht ist, wäre es noch geradezu human.

Ein solches Missverhältnis zeigt klar die Ungleichheit in der Bewertung von Menschenleben, eine Geringschätzung des Lebens einer Gruppe von Menschen. Dass es auf der einen Seite Menschen gibt, die sich als Herrenmenschen aufspielen und die Menschen der anderen Seite als Untermenschen ansehen, deren Leben nichts wert ist und die man vernichten kann, wenn sie den eigenen Zielen im Weg stehen. Es ist Vernichtung, was derzeit im Gazastreifen geschieht, und längst keine Vergeltung mehr.

Solches Herrenmenschentum ist keine Spezialität Israels und schon gar nicht der Juden. Es tritt überall in der Weltgeschichte auf, wo expansionistische nationalistische Ziele mit überlegenen Waffen, Rassismus und aberzogenem Mitgefühl zusammentreffen. Und besonders deutlich war es im deutschen Nationalsozialismus, wobei es nicht nur Juden betraf, sondern alle Nichtdeutschen. So gab es vor gerade 80 Jahren eine "Vergeltungs"aktion zu einem gelungenen Anschlag italienischer Partisanen auf die SS, bei dem 33 SS- Mitglieder starben.

Von Kommandeur Kappler wurde angeordnet, für jeden getöteten Deutschen 10 Italiener zu ermorden. Damit sollte klargestellt werden, dass das Leben eines Deutschen 10 mal mehr wert ist als das Leben von Italienern. Ähnliche Aktionen gab es von Deutschen auch in anderen Ländern, am krassesten bei dem Anschlag in Tschechien auf Heydrich, der die Auslöschung von zwei Dörfern (Lidice und Lezaky) und ihrer Einwohner zur Folge hatte.

Seit Ende des 2. Weltkriegs hat Deutschland keine expansionistischen Bestrebungen mehr. Die Mentalität von Herrenmenschen ist damit aber keineswegs überwunden. Die Identifikation vieler Deutscher mit Israel, die bedingungslose Akzeptanz seiner Taten und Propaganda sowie das Fehlen jeglichen Mitgefühls mit den Palästinensern weisen darauf hin.




Anmerkung von Hoehlenkind:

Als Leserbrief geschrieben am 31.3.2024. Wurde abgelehnt angeblich wegen der Begriffe "Herrenmenschen" und "Untermenschen". Die Zahlen und Verhältnisse sind inzwischen gestiegen und steigen weiterhin.

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Kommentare zu diesem Text

Graeculus (76)
(01.12.24, 22:33)
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AndreasGüntherThieme (65) meinte dazu am 01.12.24 um 22:51:
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Graeculus (76) antwortete darauf am 01.12.24 um 23:08:
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Graeculus (76) schrieb daraufhin am 01.12.24 um 23:08:
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AndreasGüntherThieme (65) äußerte darauf am 01.12.24 um 23:21:
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AndreasGüntherThieme (65) meinte dazu am 01.12.24 um 23:46:
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Graeculus (76) meinte dazu am 02.12.24 um 00:18:
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 Hoehlenkind meinte dazu am 02.12.24 um 00:38:
Die Frage der Übersetzung ist nicht wesentlich für meinen Text.
Graeculus (76) meinte dazu am 02.12.24 um 00:42:
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AndreasGüntherThieme (65) meinte dazu am 02.12.24 um 00:50:
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Graeculus (76) meinte dazu am 02.12.24 um 01:59:
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AndreasGüntherThieme (65) meinte dazu am 02.12.24 um 14:09:
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Graeculus (76) meinte dazu am 02.12.24 um 14:25:
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 LotharAtzert meinte dazu am 02.12.24 um 14:48:
Das war: Akribies at work
Vorerst letzte Folge.
AndreasGüntherThieme (65) meinte dazu am 02.12.24 um 15:05:
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Klemm (64) meinte dazu am 02.12.24 um 15:31:
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Klemm (64) meinte dazu am 02.12.24 um 16:32:
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 Hoehlenkind meinte dazu am 02.12.24 um 18:11:
KLemm@Höhlenkind

Ins Auge fällt mir die Unterstellung, es würde sich um Rache handeln. Das ist schon ein bisschen seltsam angesichts der Tatsache, dass die Hamas nach wie vor unschuldige Zivilisten als Geiseln hält.

Es handelt sich um viel mehr als Rache oder Vergeltung, es handelt sich um Vernichtung oder auch Völkermord oder ethnische "Säuberung".

Und was sind schon 100 unschuldige Geiseln gegen zigtausende von unschuldigen Todesopfern?


Die israelischen Führer zeigen auch keinerlei Interesse an der Freilassung der Geiseln.

Antwort geändert am 02.12.2024 um 18:12 Uhr
Klemm (64) meinte dazu am 02.12.24 um 18:24:
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