Mein jüngerer Bruder Mike versuchte immer wieder etwas Neues anzugehen – sprühte vor Ideen. Es gelang ihm leider fast nie seine Vorstellungen zu einem befriedigenden Endzustand zu bringen. Das lag in erster Linie daran, dass vorzeitig schon wieder eine neue kreative Idee in seinem Kopf herumspukte bevor er die letzte konkret umgesetzt hatte. So blieben seine Projekte immer wieder in einem provisorischen Stadium stecken. Sie funktionierten auch manchmal, doch mehr so auf eine teils ungeplante Weise. Trotzdem habe ich ihn bewundert für seine Ideenvielfalt, denn ich war immer der ältere Bruder, der eher vorgefertigte Materialen zu einem Projekt nach Plan zusammenbaute – sei es ein Modellschiff oder ein Modellflugzeug. Sie sollten einfach gut funktionieren. Mir war es wichtig und ein Grund, die Schule nach der Mittleren Reife zu schmeißen und den Zweiten Bildungsweg zu beschreiten. Das Gymnasium war mir zu abstrakt und an drei Fremdsprachen orientiert (Latein, Englisch, Französisch), mit denen ich Probleme hatte. Es lag mir einfach nicht, sodass ich eine Lehre als Elektromechaniker absolvierte und dann ein Ingenieur- studium nach einer Aufnahmeprüfung dranhängte. Ich habe dann später noch einen Hochschul-Eignungstest gemacht und dann ein BWL- und ein Berufsschullehrer-Studium für die Handelsschulen absolviert. Nichts an meinem berufsorientierten Lebenslauf habe ich je bereut, auch wenn er lang war. Der zweite Bildungsweg war für mich als “Spätaufwacher“ genau das Richtige, hat mir viel Selbstvertrauen gegeben und mich zu einem engagierten Berufsschullehrer gemacht, später sogar eine Dozententätigkeit in der Lehrerfortbildung ermöglicht, weil ich sehr kreative Unterrichtseinheiten entwickelt hatte, und mir ein zentrierter Unterricht ausschließlich auf die Lehrkraft orientiert nicht sehr sinnvoll erschien. Das war die Zeit, in der die Computerentwicklung eine große Rolle spielte, vor allem in den Berufsschulen an Bedeutung gewann und damit einen Fortbildungsbedarf für LehrerInnen erforderte. Derzeit war ich als <EDV-Trainer> für fortbildungswillige KollegInnen immer noch fit, machte aber nicht jeden Firlefanz mit. Es erforderte in relativ kurzen Abständen immer wieder eine Fortbildung, weil neu entwickelte Computer mit höheren Speicher-kapazitäten und Geschwindigkeiten größere Aufgaben erledigen konnten – zum Beispiel die Stromversorgung Hamburgs überwachen, für die ich dann die notwendige Software für den Kraftwerkseinsatz und das Hoch-spannungsnetz in Maschinensprache mit Kollegen entwickelte. Diese Sprache benötigte weniger Platz und war schneller im Ablauf als die am Markt gängigen Sprachen wie z.B. ALGOL und FORTRAN in den damals noch relativ kleinen Speichern der Prozessrechner.
Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.