AUF DEN SPUREN EINES ÜBERAUS MERKWÜRDIGEN FAMILIENNAMENS

Text zum Thema Sprache/ Sprachen

von  harzgebirgler

Gestern Abend sah ich auf
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die 80minütige Doku

über das anrührende Schicksal des jungen polnischen Juden Léon Kacenelenbogen in den Weltkriegsjahren 1939 bis 1942:

Der junge Pole Léon Kacenelenbogen war mit seiner Familie nach Belgien emigriert, das später von Deutschland besetzt wurde. Von dort floh er weiter nach Frankreich. Im Sommer 1942 gelingt es ihm, heimlich die Demarkationslinie zu überqueren. Einen Monat später wird er bei einer Razzia im unbesetzten Teil Frankreichs verhaftet.

Wie viele andere Flüchtlinge hatte Léon kein anderes Verbrechen begangen, als "Angehöriger einer verfluchten und verdammten Rasse" zu sein, wie er in einem seiner Briefe an Marschall Pétain schrieb, den Chef des Vichy-Regimes. Nach Aufenthalten in den Lagern Douadic und Nexon wird er im September 1942 in das Lager Rivesaltes verlegt. Von dort soll er direkt in das Sammellager Drancy überstellt werden - die letzte Station vor den von den Nazis in Polen errichteten Vernichtungslagern.

Zehntausende Männer, Frauen und Kinder werden von der französischen Regierung an die Nationalsozialisten ausgeliefert. Léon gelingt die Flucht. Er erreicht das franquistische Spanien, wird dort mehrere Monate inhaftiert und gelangt schließlich nach Barcelona. Dort verschaffen ihm jüdische Organisationen einen Platz auf einem Schiff, das nach Palästina steuert, damals unter britischem Mandat. 1950 kehrte er aus Israel nach Antwerpen zurück. Dort verstarb er 2017 im Alter von 96 Jahren.

Außer Spuren in den Archiven der Verwaltungs- und Polizeibehörden und einigen Fotos ist fast nichts von ihm geblieben. Einige der Orte seines Leidens dienen heute als Gedenkstätten, die an die französische Kollaboration mit Nazi-Deutschland erinnern.

[https://tv.de/sendung/der-fall-leon-k-ein-schicksal-im-zweiten-weltkrieg/der-fall-leon-k-ein-schicksal-im-zweiten-weltkrieg,2077395172/]



Nicht minder interessant fand ich allerdings von Anfang an seinen merkwürdigen Famliennamen, der mir sofort die rheinland-pfälzische Stadt Katzenelnbogen in Erinnerung rief und mich auf die Spur ihres berühmten Sohnes

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Meir ben Isaak Katzenellenbogen (hebräisch מאיר בן יצחק קצנלנבויגן Me'ir ben Jitzchaq Katznelnboign; * um 1482 in Katzenelnbogen, Ebertshausen; † 12. Januar 1565 in Padua, auch genannt Meir von Padua, Maharam Padua)“ setzte, der „ein venezianischer jüdischer Gelehrter, Rabbi von Padua und Venedig“ war.



Meir ben Isaak Katzenellenbogen ist der Begründer der rabbinischen Familiendynastie Katzenellenbogen. Es galt der Brauch, eine rabbinische Dynastie mit einem – meist vom Herkunftsort des Gründers abgeleiteten – Familiennamen zu bezeichnen – was ansonsten vor dem 19. Jahrhundert unüblich war, dass jüdische Familien feste Nachnamen führten. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde in den verschiedenen Staaten Mitteleuropas damit begonnen für jüdische Bewohner feste Familiennamen verpflichtend einzuführen.

[https://de.wikipedia.org/wiki/Meir_Katzenellenbogen]


Und dieser rabbinischen Familiendynastie, die einst ihren Ursprung im deutschen Katzenelnbogen hatte, entstammten allem Anschein nach auch die Vorfahren von Léon Kacenelenbogen, was in der genannten Doku nicht mal ansatzweise thematisiert wurde. Obwohl allein schon dieser Nachname als Wort merkwürdig genug ist und zur aufklärenden Recherche geradezu herausfordert. So wie mich schon vor einiger Zeit:


KATZENELLENBOGEN

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Katzenelnbogen

Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian (1655)



ja es haben ungelogen

sogar katzen ellenbogen *
doch an' haar'n herbeigezogen

und aus fingern schier gesogen
wäre wenn jetzt eine/r meint
obwohl es vom wort so scheint
die alte burg im hessenland
hätte man danach einst benannt
nebst der grafschaft und ihr'n grafen
wie nach landgraf karl karlshafen
beispielsweise

weil sie vielleicht auf katzen standen
und deren bogen passend fanden
sprich ihr geschleich um' heißen brei
doch das ist pure spinnerei
wiewohl die elle einst als maß
geltung weithin bereits besaß
denn katzenel(le)nbogen besagt
wenn man nach dem wortsinn fragt
„berg der chatten“

sogleich fragt wer: bitte wessen?
nun, des volksstamms heut'ger hessen
der dort weil sich das halt lohnte
auch unterhalb des berges wohnte:
„cattimelibocus“ heißt das ursprungswort
lateinisch für den alten burgenort
draus ward 'katzenel(le)nbogen'
und das ist kein stück gelogen -
einen „kattenberg“, was gleichfalls wahr,
gibt es selbst am harz hier in goslar...

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* ein löwe ist der grafen wappentier
und hat ellenbogen so wie die und wir
https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Katzenelnbogen


(7.3.21 + 12.9.23)


https://keinverlag.de/446119.text

https://keinverlag.de/477259.text



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Kommentare zu diesem Text


 Moppel (02.04.25, 12:30)
echt interessant, Harzer. Sprache macht doch immer neugierig und verrät viel...lG von M.

 harzgebirgler meinte dazu am 02.04.25 um 12:39:
:) :) 
...ihren spuren zu folgen macht sinn
denn es steckt oftmals viel von drin.

lg mit bestem dank vom harzer

 FrankReich (03.04.25, 10:32)
Im Inhaltsverzeichnis des Buches "700 Jahre Katzenelnbogen" (S. 201) von Bernhard Meyer steht, dass der Großvater des polnischen Königs aus Katzenelnbogen stammt. Das dürfte den Nachnamen Kacenelenbogen erklären.

Ciao, Frank

 harzgebirgler antwortete darauf am 03.04.25 um 11:13:
:) :) 
interessanter hinweis, der den familiendynastischen zusammenhang mit dem rabbi von padua und venedig allerdings keineswegs ausschließt.

beste dankesgrüße, henning
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