Die Stadt Dorsten liegt ja bekanntlich etwa auf der halben Strecke zwischen Duisburg und Münster und ist sozusagen das Tor zum Münsterland. Wie so oft bei Namen von Städten, Dörfern, Gemarkungen oder einfach Landmarken, stellt sich auch hier die Frage, wie es zu seinem Namen kam.
Geschichtlich ist Dorsten erstmals 1251, nach der Anerkennung der Stadtrechte der vestischen Siedlung durch den kurkölnischen Landesherrn erwähnt. Dennoch gibt es in der Zeit davor schon lange Besiedlungsspuren. Diese gehen in die Zeit der Sugambrer zurück, ein Volk, das anscheinend im 1. Jahrtausend vor Christus diese Gegend besiedelte und als erstes namentlich benannt wurde.
Um 693 begann der Druck der Sachsen auf das dort lebende Volk der Sugambrer, erhöht durch die Brukterer im Norden und unterstützt durch die westlichen Franken zu steigen. Nach offizieller Lesart ist im germanischen Sprachgebiet, zu dem auch die Sachsen gehörten und gehören der Name der Siedlung angeblich bekannt gewesen als Durstina bzw. Durstinon, aus dem sich der heutige Name Dorsten ableiten soll.
Ganz anders verhält es sich, wenn man sich weniger auf die oftmals ungenauen Darstellungen der verschiedenen germanischen und römischen Geschichtsschreiber verlässt, sondern auf das Offensichtliche. Und an genau dieser Stelle muss man deshalb zurückkommen auf den schon erwähnten Siedlungsdruck ab 693 durch die Sachsen. Deren Siedlungsgebiet dehnte sich ja in nordöstliche Richtung aus. Von da entstanden Wanderungsbewegungen sowohl nach Westen (siehe die Besiedlung der britischen Inseln) als auch nach Südosten ins Erzgebirge. Viel Wanderungsbewegung erfordert aber auch viel Logistik und entsprechend viele Führer.
Deshalb erstaunt es sehr, dass dieser Aspekt in der offiziellen Geschichtsschreibung nicht näher beleuchtet wurde. Die Siedlungsgebiete der Sachsen hatten an ihrem nördlichen Rand häufig und intensiv Kontakt mit den nordischen Stämmen, namentlich den Wikingern. Dadurch kam es natürlich nicht nur zum materiellen Austausch, sondern auch, wir erleben das heute mit Anglizismen und Namen in Sachsen erneut, zu sprachlichen Einflüssen auf das sächsische Siedlungsgebiet.
Bei näherer Betrachtung ist es nun offensichtlich, dass hier eine Ortsgründung erfolgte, die den Namen eines sächsischen Heerführers trug. Thorsten. Hier ist nun der Blick auf das offensichtliche gefragt. Wie spricht ein Sachse diesen Namen aus – natürlich: Dorsten.
Voila, das Rätsel ist gelöst und wir wissen jetzt, dass Dorsten eine sächsische Siedlung ist, benannt nach ihrem Heerführer, der damit aus dem Nebel der Geschichte in unser Leben tritt.