JUNI 1812 : BEETHOVEN & GOETHE IM BÖHMISCHEN KURBAD TEPLITZ – Drabble zum Genre des Tages:
Anekdote zum Thema Erinnerung
von harzgebirgler
Anmerkung von harzgebirgler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_van_Beethoven:
Zur lange angebahnten Zusammenkunft zwischen Beethoven und Goethe kam es im Juli 1812 (19., 20., 21. und 23.), als sich beide im böhmischen Kurbad Teplitz aufhielten, wo zufällig gerade der österreichische Hofstaat in Anwesenheit von Kaiserin Maria Ludovika promenierte. Im Gegensatz zu Beethoven, der offenbar grußlos seiner Wege ging, verbeugte sich Goethe galant vor der Kaiserin, was unter anderem vom Historienmaler Carl Röchling sowie im Auftrag des Industriellen Georg Schicht bildlich festgehalten wurde. Das Ereignis wurde von beiden Beteiligten unterschiedlich bewertet. Am 19. Juli schrieb Goethe an seine Frau: „Zusammengefaßter, energischer, inniger habe ich noch keinen Künstler gesehen. Ich begreife recht gut, wie er gegen die Welt wunderlich stehen muß.“ Und am 12. September 1812 schrieb Goethe aus Karlsbad an seinen Freund Carl Friedrich Zelter, den Leiter der Berliner Sing-Akademie: „Beethoven habe ich in Teplitz kennengelernt. Sein Talent hat mich in Erstaunen gesetzt; allein er ist leider eine ganz ungebändigte Persönlichkeit, die zwar gar nicht unrecht hat, wenn sie die Welt detestabel findet, aber sie freilich dadurch weder für sich noch für andre genußreicher macht. Sehr zu entschuldigen ist er hingegen und sehr zu bedauern, da ihn sein Gehör verläßt, was vielleicht dem musikalischen Teil seines Wesens weniger als dem geselligen schadet. Er, der ohnehin lakonischer Natur ist, wird es nun doppelt durch diesen Mangel.“ Dagegen schrieb Beethoven am 9. August von Franzensbad an seinen Verleger Härtel lakonisch: „Göthe behagt die Hofluft sehr, mehr als einem Dichter ziemt. Es ist nicht vielmehr über die Lächerlichkeiten der Virtuosen hier zu reden, wenn Dichter, die als die ersten Lehrer der Nation angesehen sein sollten, über diesem Schimmer alles andere vergessen können.“