Auf was für putzige Artikel man doch beim Lesen der Zeitung hin und wieder mal trifft. Oder, besser vielleicht, auf was für putzige Themen. Der Artikel kann ja nix dafür und wurde aus einem bestimmten Grund geschrieben (wenn man jetzt mal von den Königshaus-Reportagen der Friseur- und Wartezimmerzeitungen absieht).
Also da habe ich doch folgende Überschrift gelesen und bin hängengeblieben.
„Ein Wachstumsmotor - nicht nur für die Muskeln, auch für Deutschland“ (Welt, 24.03.2026).
Im Wesentlichen geht es hier darum, dass die Fitnesnnbranche super läuft und noch viel Potenzial nach oben hat, was der deutschen Wirtschaft angeblich gut tut. Es soll, nach Angaben der Branche, mittlerweile jeder sechste über 15 Jahre in der Muckibude trainieren. 12,4 Millionen Menschen waren es, die 2025 in der Hantelhölle schwitzten - eine Steigerung von 5,6 Prozent seit dem Jahr 2022. Also wenn das mal keine gute Nachricht ist!
Wenn ich so durch die Straßen gehe, dann wird mir das auch klar. Lauter junge Männer mit schwarzem (mögerlein gefärbtem) Haar im Undercut, kurzem schwarzen (mögerlein gefärbten) Bart, schwarzen Augenbrauen (ganz sicher gefärbt) und Oberarmen, gegen die Meister Propper ein Spargel war.
Jedenfalls sehe ich die Muckibudenklientel und denke mir, die Zahlen müssen stimmen. Was mich allerdings sehr nachdenklich stimmt ist eine andere Tatsache. Mittlerweile ist der Körperkult eine tragende Säule unserer Wirtschaft geworden. Ja haben wir denn nicht mehr zu bieten? Früher hat man Zahlen erhoben, die besagten, wieviele Abiturienten mit Summa cum Laude oder wenigstens Sehr Gut maturiert hatten. Da wurde die Anzahl der Patente hervorgehoben, die ein Land, eine Firma oder eine Branche erfolgreich eingereicht hatte. Es hatte einen Stellenwert, wieviele gut ausgebildete Ingenieure und Wissenschaftler die Universitäten und Hochschulen im Jahrgang verließen, da diese ja die Stützen der Wirtschaft, ja der Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft werden würden oder schon waren.
Das scheint alles Geschichte. Mittlerweile haben wir 175 Lehrstühle für Gender-Studies, jedoch nur 8 für Kernphysik, gut ausgebildete Ingenieure und Wissenschaftler kommen aus Indien oder dem osteuropäischen Ausland, damit die Wirtschaft sich so-so über Wasser halten kann. Und dann diese Schlagzeile.
„Ein Wachstumsmotor - nicht nur für die Muskeln, auch für Deutschland“
Da wird mir ganz schwummrig zumute. Aber das Bildungssystem im Land ist ja nicht gerade für die Ausprägung von Wettbewerb und Leistung bekannt - wie man an den Richtlinien für die Bundesjugendspiele leicht erkennen kann. So wundert es mich auch nicht, dass Josef Kraus, der ehemalige Präsident des Lehrerverbandes gesagt hat: „Die Gymnasien sind die neuen Hauptschulen.“
Gute Nacht. Vielleicht gibt es ja doch noch jemanden, der clever genug ist, das Licht am Schalter zu löschen, statt die Glühbirne in der Hand auszudrücken.