Billerbeck

Gedicht

von  Redux

Generationen von Urmüttern und Urvätern

stille stumme unbekannte Komparsen

die hinter Friedrich dem Großen und Napoleon

kaum erkennbar durch die Weltgeschichte huschten

indem sie eine Kuh molken 

oder das Feuer in einer dunklen kalten Diele entfachten

sie kamen vorzeiten aus den Nacbargemeinden

in mein Billerbeck, arbeiteten von früh bis spät

hüteten Vieh, gingen sonntags zur heiligen Messe

und schenkten im Schnitt in jedem zweiten Jahr 

einem neuen Menschen das Leben. Und jeder zweite Mensch blieb Kind,

Im Winter webten sie abends  in den düsteren Stuben

und tags brachen sie in den Brüchen den Sandstein,

im Sommer mähten sie schon in frühester Frühe das Gras

und im Herbst füllten sie die Scheunen mit Rüben,

so lebten sie Jahre umd Jahrzehnte und eine Generation

gab der anderen die Hand, die Fackel des Lebens,

von dem nichts in den Büchern steht, neben den Palästen, 

den Königen, den Erfindungen, den Orkanen, den großen Kriegen,

in dem manch einer jung in sein Vergessen fiel.

Ich bin der, der Billerbeck verließ, die Generation,

die die rastende Karawane wandern machte, einige Jahre schon ist es her,

Was hätte Freidrich, was Bonaparte ohne uns gemacht?

Wer hätte den Film ihres Lebens drehen können?

Durch unsere Unsichtbarkeit wurden sie sichtbar in ihrer Größe,

wir Frauen und Männer, die gen Billerbeck zogen,

um es irgendwann ins Unsichtbare zu verlassen.




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Kommentare zu diesem Text


 Aber (08.05.26, 18:20)
Du bist das schwarze Schaf der Familie, lieber Herbert, aber gleichzeitig auch ein hervorragender Dichter.

 Quoth (08.05.26, 20:13)
[size=+1][color=000000][font=Times][/font][/color][/size]
Wer baute das siebentorige Theben? In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Undsoweiter - Du weißt schon - das sind die Fragen eines lesenden Arbeiters von BB. Ich habe auch lauter einfache und bescheidene Menschen als Vorfahren und bin in einer Kleinstadt aufgewachsen. Deshalb habe ich mich mal über Billerbeck informiert: Da gibt es sogar einen Baron Degenhard von Twickel zu Hameren ... Mir scheint, dass Du tiefstapelst, wenn Du Billerbeck zum Ort der dunklen kalten Dielen und düsteren Stuben, der stillen und stummen Komparsen machst, zwischen dem "einfachen Volk" und den berühmten Monarchen und Feldherrn gibt es noch vieles Erwähnenswerte, z.B. habt ihr einen Unternehmer dort, der heißt Suwelack, der kannte sich mit Gefriertrockung aus (inzwischen verkauft an Oetker), und wer sich schlimm verbrennt, der wird in ein von Suwelack entwickeltes Kollagen gelegt, das seine Haut wieder herstellt ... Unter kleinstädtischer Herkunft kann man leiden - Thomas Wolfe hat Altamont daraus geformt und Marquez Macondo ...
Kommentar geändert am 08.05.2026 um 20:15 Uhr


Kommentar geändert am 08.05.2026 um 20:16 Uhr

Kommentar geändert am 08.05.2026 um 20:18 Uhr

 Aber meinte dazu am 08.05.26 um 20:20:
Soll das ein Kommentar sein, lieber Quoth?

 Quoth antwortete darauf am 08.05.26 um 20:59:
Es sind Gedanken, die mir kamen beim Lesen von Redux' Text, sie sind mir versehentlich in die Zitatrubrik verrutscht.

 Aber schrieb daraufhin am 08.05.26 um 21:04:
Da hat unser Redux aber lange dran zum Lesen.
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