"Tiere haben keine Seele", sagte der Mann unaufgefordert und oft. Er hielt meinem Vater und mir immer eine Art Laienpredigt, denn normal zu kommunizieren war er kaum fähig. Er bezog diese unverrückbare Gewißheit aus alten, vermutlich heiligen religiösen Büchern, die den Menschen zum höchsten Gut der Schöpfung charakterisieren und Tiere und Pflanzen nur als Diener und Mittel zum Zweck ansehen. Mein Vater und ich glaubten natürlich kaum ein Wort, doch aus Höflichkeit und um uns dem Streß des Widerspruchs nicht auszusetzen, schwiegen wir dazu.
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"Ich kippe noch schnell das Fenster", sagte der Tierarzt, bevor er der sterbenden Katze die erlösende und tödliche Spritze ansetzte. "Damit ihre Seele nach draußen entweichen kann".
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