Ach Gunther,
der Wald tut noch so,
er sei unberührt.
Aber die Wege
erzählen etwas anderes.
Sie liegen offen da,
aufgerissen
von schweren Maschinen,
und der Boden wirkt müde,
ihm wurde
zu viel genommen.
Die Rückemaschinen
rühren die Erde
zu braunem Brei,
während irgendwo
in Festmetern gerechnet wird.
Vielleicht wird ein Wald
nicht auf einmal still,
sondern Baum für Baum.
Kaum noch Wild.
Und manchmal liegt
eine solche Stille
zwischen den Bäumen,
dass sie wehtut.
Und trotzdem
singen die Vögel.
Anfangs zaghaft,
dann wieder mutiger,
als wollten sie
die Stille
nicht gewinnen lassen.
Zwischen den Zweigen
bewegen sich ihre Stimmen
wie kleine Lichtstreifen.
Und ein Specht
arbeitet meist unermüdlich,
wie der Letzte,
der den Betrieb
noch aufrechterhält.
Letztes Jahr lag ein Adler
am Weg.
Groß.
Still.
Der Wind
hatte ihn vergessen.
Ich zog ihn
an den Wegrand
und deckte ihn
mit Blättern zu.
Ein kleiner,
hilfloser Respekt
für etwas,
das größer war
als ich.
Ein Rotmilan zog heute vorbei
und sein Ruf hing lange
zwischen den Bäumen:
wiiiuu.
wiiiuu.
Hiähh.
Es klang so,
als würde der Himmel
trauriger werden.
Am Bach wollte ich
Wilma ein Stöckchen werfen.
Dann rutschte ich aus.
Wusch.
Da saß ich im Matsch,
und für einen Moment
musste ich lachen.
Wilma stand neben mir,
Stock im Maul,
ruhig,
geduldig,
als sei Fallen
etwas ganz Natürliches.
Vielleicht hatte sie recht.
Wer Wälder liebt,
nimmt immer etwas mit nach Hause.
Manchmal Erde.
Manchmal Traurigkeit.
Deine matschgeprüfte
Brunhilde
©Sigrun Al-Badri/ 2026