Ich wünschte

Sonett zum Thema Alles und Nichts...

von  Moppel


 

Ich wünschte mir, ich hätte einen Namen

für alles, was nach deinem Tod mit mir geschieht.

Für die Gedanken, die spontan mir kamen,

die in mir schlummern, die doch niemand sieht.

 

Ich könnt sie Elsa nennen oder Lene,

dann könnte ich vielleicht sie besser fassen.

Die Türe ihnen weisen, allen jenen,

die lähmen wollen und mich nicht in Ruhe lassen.

 

Die mich behindern, will ich Zukunft schauen,

mich wirbeln, schaukeln wie ein Fischerboot im Meer.

Das Weite sucht. Doch hängt es an den Tauen,

 

die diesen Hafen an Vergangnes ketten,

Geborgenheit in Illusionen betten.

Ach, dieser Hafen ist mir keine Heimat mehr.



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Kommentare zu diesem Text


 altezeit (28.05.26, 11:21)
Hallo Moppel, das ist eine sehr schöne und kreative Idee, den Gedanken einen Namen zu geben und sie so zu Personen zu machen oder Stimmen! Und welche Form würde sich zum Ausdruck von etwas, das nicht greifbar ist, besser eignen als die Lyrik? Ich bin gespannt, ob wir Lene und Elsa schon bald hier treffen!  LG altezeit

 S4SCH4 (28.05.26, 12:20)
Hallo Moppel,

wer will nicht zu Lebzeiten den Tod besiegen oder ihn zumindest ohne weiteres ins Auge blicken können? Das war mein erster Gedanken zur Superstrophe eins.

Ich lese das Sonett als äußerst selbstbestimmtes Zeugnis davon, die Zeit in die eigene Hand zu nehmen, dabei nicht wehleidig o.ä. aus Pflicht zu sein, sondern aus Pflicht gefühlvoll zu bleiben, mit alten und neuen Teilen der Lebensjahre.

Sehr schön, wie die menschliche Seite dabei durchblickt, sei es durch die eben beschriebene Weise im Umgang mit Tod und Pflicht oder den Personennamen für das was „lähmt“. Die Metapher mit den Türen passt hier auch wunderbar (im Sinne des Unterbewussten).

Es ist ein mutiges und ehrliches Gedicht, das einen sehr schönen Lebenswillen durchscheinen lässt. Man möchte dem Boot schon fast wünschen, dass ein Sturm käme, doch diese arge Weise bringt meist nur aufpolierte Perspektiven mit. Was meine ich genau?: Der Hafen soll nicht wieder etwas werden, das man sich wieder zurückwünscht, sondern etwas, das die Welt eben an den Ort gesetzt hat und etwas, das sowohl Boot als auch Zeit ehrt. Man darf glücklich darüber sein, aber nicht ohne auch zu wissen, woher es kommt.

Sehr schön, sehr stimmig, sehr sehr ... ach mir fehlen ein paar Worte, aber es ist okay.

Liebe Grüße
Sascha
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