Waschtag 1961

Gedicht zum Thema Leben

von  Teo

Weiße Laken, Ärmel wehen

Hemden flattern froh im Wind

Unterwäsche, Sonntagsblusen

Auf den Hosen ein paar Flecken

Und der Kinder Schmusedecken

 

Bis zum Gartenzaun die Leine

Hell und strahlend der Behang

Selbst die alte Arbeitsjacke

Hat nach Mutters Würgegriffen

Fast das Weiß von Ausflugschiffen

 

Auch die Sonne gibt sich Mühe

Und mit warmem hellen Schein

Streichelt sie die Garnituren

Wie mit weichen zarten Pfoten

Spielt sie lautlos ihre Noten

 

Fast zum Ende der Sonate

Ziehen dunkle Wolken auf

Die durchwirkt von schwarzem Husten

Abbruchreifer Kokereien

Die nach Neubeschickung schreien

 

Diese Welt, man muss sie lieben

Und so kommt dann Omas Bluse

Nochmals in den Schleudergang

Mutter schafft auch diese Reste

Und der Papa drückt sie feste…

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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Kommentare zu diesem Text


 Tula (01.06.26, 23:07)
Ja, lieber Teo
Das waren noch Zeiten selbst zehn Jahre später, als ich mir noch praktisch die Rotze in den Ärmel schmierte, war ja eh verdreckt nach dem Fußball-Spiel nach der Schule. Was mich am Waschtag damals am meisten imponierte, war auch bei mir die Schleuder. Die Mutprobe, mich da mal raufzusetzen, habe ich ehrfürchtig ausgeschlagen. Ich wollte Seemann werden und kein Rodeo-Cowboy.

LG Tula

Kommentar geändert am 01.06.2026 um 23:09 Uhr

 Teo meinte dazu am 02.06.26 um 14:33:
Jau Dirk,
ich habe die Bilder noch vor mir, wie Mutter sich mit der Wäsche abmühte. Waschmaschine....ein Holzbottich und Handantrieb. Und tatsächlich...wenn die Kokerei abgeblasen hatte, war viel Mühe umsonst. Genau so war dat.
Dank und Gruß an die Küste
Teo

 tueichler (02.06.26, 00:00)
Ich bin zwar Bio-Sachse, kenne jedoch das Samstags-Große-Wäsche-Gefühl. Die Industrie war bei uns nicht die Kokerei sondern Färbereien, Appreturen, Spinnereien und Webereien. Und Fahrzeugbau nicht zu vergessen. Alle Energie aus Braunkohle und entsprechend dreckig mit Ruß auf den Fensterschenkeln und der weißen Wäsche im Garten. Trotzdem hatte es etwas, das ich heute fast als Heimatgefühl beschreiben würde.

 Teo antwortete darauf am 02.06.26 um 14:37:
Grüß dich Tom,
ja natürlich...das war Heimat!
Ich hatte in Sachen Verschmutzung viel von Bitterfeld gelesen.
Tja....heute haben wir andere Sorgen.
Es dankt und grüßt 
Teo

Antwort geändert am 02.06.2026 um 14:37 Uhr

 Didi.Costaire (02.06.26, 07:55)
Moin Teo,

eine Strophe fehlt eigentlich noch...

In der dicksten Matschepampe
spielt Klein-Teo mit dem Ball
zwischen all den Wäscheständern,
macht 'nen eleganten Haken
und dann zielt er auf die Laken.

Schöne Grüße, 
Dirk

Kommentar geändert am 02.06.2026 um 07:56 Uhr

 Teo schrieb daraufhin am 02.06.26 um 14:40:
Tach Dirk,
wenn ich mir das erlaubt hätte....ich hätte es nicht überlebt.
Ansonsten hatte ich schon mit dem Gedanken gespielt.
Lieben Dank und Gruß nach Celle.
Teo

 plotzn (02.06.26, 08:51)
Servus Teo,

1961 schwamm ich noch in Abrahams Wurstkessel und nicht im Wäschezuber. Nicht jeder hat die Gnade der frühen Geburt...

Besonders schön und anschaulich finde ich die Würgegriffe und den schwarzen Husten!

Liebe Grüße
Stefan

 Teo äußerte darauf am 02.06.26 um 14:46:
Hi Stefan,
1961...da konnte ich schon fast 5 Wörter lesen. Obwohl ich erst acht war. Ach, ich war früher schon ein Überflieger!!!
Ich lese Lob aus deinen Zeilen.
Schon wieder. Schon das zweite Mal in zwei Jahren.
Ich glaub, ich hab dich ganz toll lieb!
Dein Teolein

 EkkehartMittelberg (02.06.26, 11:26)
hallo Teo,

wenn liebevolle Blicke eben solche Woorte locken. wird ein banaler Waschtag zum Fest.

Gruß
Ekki

 Teo ergänzte dazu am 02.06.26 um 14:48:
Grüß dich lieber Ekki,
liebevolle Worte....die sind auch angebracht im Angesicht dieser damaligen Schinderei.
Dankende Grüße nach Hessen
Teo

 Verlo (02.06.26, 11:40)
Selbst die alte Arbeitsjacke
Hat nach Mutters Würgegriffen
Fast das Weiß von Ausflugschiffen

Teo, weiße Arbeitsjacke: welche Arbeit wurde ausgeübt?

 Teo meinte dazu am 02.06.26 um 14:52:
Grüß dich Verlo,
weiße Jacke und weißer Helm, daran erkannte man im Bergbau die Steiger. Das waren die Verantwortlichen in verschiedenen Gewerkbereichen.
Habe mich über deinen Besuch gefreut.
Dank und liebe Grüße 
Teo

 Verlo meinte dazu am 02.06.26 um 15:11:
Danke, Teo.

Obwohl ich auch aus einer Bergbau-Gegend komme, habe ich das nicht gewußt.

 Nuna (02.06.26, 12:38)
Hi Teo, dies Gedicht erinnert mich spontan an die "weiße Riese" Werbung von damals mit Aufnahmen von Kilometer langen Wäscheleinen, und auch an daheim wenn die Mutti die Wäsche aufhängte durfte ich manchmal helfen und die Klammern reichen:)... Dein Gedicht erweckt aber auch düstere Gedanken an ein aufwachsen in einem ungesunden Ruhrpott ...und irgendwie stelle ich mir die Wäsche nach lesen Deines Gedichtes eher grau anstatt weiß vor. Damals wusste man so vieles noch nicht:(. Und dennoch kann ich mir Dein Leben fröhlich und sehr aufmerksam vorstellen.

Liebe Grüße Nuna

 Teo meinte dazu am 02.06.26 um 14:57:
Hi Nuna,
jawoll,  die Werbung kenne ich. So lang waren aber früher die Leinen nicht. Ja, ich bin im Ruhrpott aufgewachsen. Über die Umweltverschmutzung haben uns keine großen Gedanken gemacht.
Sauberer wurde die Luft erst Mitte bis Ende 80er Jahre.
Ich wohne im Herner Süden, ein Wald und Grüngürtel.
Kann wirklich nicht klagen .
Dir lieben Dank und Gruß in den hohen Norden.
Teo

 Moppel (02.06.26, 18:09)
ja, kenn ich auch noch, teo.
Herrlich von dir:Hat nach Mutters Würgegriffen

Fast das Weiß von Ausflugschiffen"...
Sehr gerne gegrinst von M.

 Teo meinte dazu am 02.06.26 um 18:39:
Grüß dich Moni,
da freue ich mich über deine anerkennenden Zeilen.
Gut, dass die Arbeitsjacke aus deutscher Produktion war.
Stell dir nur mal vor, die Jacke wär aus Syrien, was hier wieder los wäre? Unsere Moralhyänen würden mich zerreißen!
Ach...ich freue mich grundsätzlich über den großen positiven Zuspruch.
Nicht, daß unser ehemalige Fritz wieder Empfehlungsverbote verschickt.
Was solls....die geistige Elite lässt sich nicht ausrotten!!!
Dir Dank und lieben Gruß 
Teo

 harzgebirgler (04.06.26, 11:29)
:) :)
das waschen heute, wo maschinen
längst sogar dem trocknen dienen,
ist ein kinderspiel gemessen
an jener zeit, die unvergessen.

lg vom harzer
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