Hitlerike

Text zum Thema Andere Kulturen

von  Mikael

Was war das für ein Schock, als mir meine weiblich gelesene Mitperson Sonja nach der (selbstverständlich Zuhause erfolgten) Geburt unser Kind präsentierte.

Es brüllte unablässig, immer gleich, es klang wie "jodn, jodn" oder so ähnlich. Das war aber nicht das Wesentliche, auch nicht die erstaunlich vielen Haare, die ihm wie gescheitelt über die Stirn fielen. Nein, das eigenartige war der fast quadratische dunkle Leberfleck auf seiner Oberlippe.

"Er sieht fast ein bisschen aus wie..." " Sprich es nicht aus", fiel mir Sonja ins Wort und wir trafen in diesem Moment stillschweigend die Vereinbarung das Thema nicht mehr zu erwähnen. Ein operativer Eingriff kam für uns als der Naturheilkunde nahestehenden Menschen sowieso nicht in Frage.


Jahre später, wir hatten alles getan um den kleinen Che friedensfördernd, feministisch und antifaschistisch zu erziehen (die Person von der Stiftung, die uns vom Jugendamt empfohlen worden war, verließ allerdings fluchtartig die Wohnung; sie käme zwar grade aus dem Sabbatical, bräuchte jetzt aber ganz dringend ein weiteres), gab es dennoch einige Merkwürdigkeiten. Die Puppen mit denen er spielen sollte, um möglichst früh seine weiblichen Anteile zu erfassen und zu integrieren, trugen permanent Zöpfe und standen in der Puppenküche. Zudem ließ er keine andere Frisur als den Scheitel zu und würde äußerst ungehalten, wenn wir Leuten mit Zigarette begegneten. Die anderen Kinder in der Kita bezeichnete er als "Kameraden" und obwohl der kleine Junge aus Nordafrika Mustafa hieß, nannte er ihn beharrlich "Rommel". Einzig in den Familienurlauben, die wir im nahen europäischen Ausland verbrachten, war Che total entspannt.

In der Schule schließlich zeigte sich, daß wir es nicht geschafft hatten, Che gruppenfähig zu erziehen, er dominierte die anderen Kinder und errichtete sich einen Kreis von Vertrauten, die je nach Verhalten in seiner Gunst stiegen oder sanken. Besonders die Kinder der Familien Martin, Hermann und Rudolf schwirrten ständig um ihn herum und bemühten sich, ihm zu gefallen. Ein eigenartiges Verhältnis hatte Che zu dem armen Joe, der nach einem Unfall ein gelähmtes Bein hatte. Obwohl er Schwäche verabscheute, nahm Che ihn unter seine Fittiche, was uns Eltern als glühende Verteidiger der Inklusion natürlich freute.

So kam Che gut durch die Grundschule und wegen seiner guten Noten (manchmal hatten wir den Verdacht, daß Joe ihm ein bisschen geholfen hatte) schließlich aufs Gymnasium. Auch dort lief es sehr gut, nur die 8. Klasse musste er aus unerklärlichen Gründen wiederholen. Es ging also alles seinen gewohnten Gang, nur als er mir heute morgen eröffnete, er würde nach der Schule zu einem Treffen der grünen Jugend gehen, war ich doch etwas erstaunt.


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Kommentare zu diesem Text


 harzgebirgler (18.06.26, 12:08)
:) :) ...das wäre höchstwahrscheinlich auch ich
doch nicht nur das klima wandelt sich. :D :D
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