. Als Orpheus in der Unterwelt .

Text

von  kirchheimrunner

. als Orpheus in der Unterwelt .

 

 

Es war plötzlich da

Das eigenartige Gefühl

Ich war mir auf einmal
selbst so seltsam fremd.

 

Die Welt,

fuhr nachts

mit vielen Monden und noch mehr Sternen

still und leise an mir vorbei.

 

Nun war ich aus der Zeit gefallen.

Nur ein kleiner,

unscheinbar gelber Punkt am Horizont

war mir geblieben um meiner Welt zu fliehen.

 

Fortzugehen, nicht mehr zurückzubleiben

nicht mehr jenen vielen Jahren,
Monaten und Stunden

Nachzulaufen, hinterherzujagen


Nur um mir gewiss zu werden,
dass alles was sich mein Leben

so für mich ausgedacht hat;

eine Wirklichkeit war 
und kein Traum ist.

 

Doch wer
wie ich
aus der Zeit gefallen ist

und nicht wie Orpheus so sangeskundig ist

um Götter zu betören,

und Steine mit seinen Liedern vor Verzückung
zum Weinen zu bringen

 

sondern dem nur verblendeter Stolz

gegeben war,
der muss ebenso ins Reich der Schatten,

hinabsteigen
und den Herrscher der Unterwelt bitten,

ihm die geliebte Gattin

die von einer tückischen Krankheit ins

Reich der grauen Nebel und des Vergessens

entführt wurde
wiederzugeben.

 

Nur wir wissen:
Von dort gibt es keine Wiederkehr.

Denn Krankheit und Tod spaßen nicht
und Götter werden nicht
mit Menschen wie mit ihresgleichen wandeln:

Das sterbliche Geschlecht ist viel zu schwach,
In ungewohnter Höhe nicht zu schwindeln.

 

Also bleibt mir nur der in der Ferne glimmernde

gelbe Punkt am Horizont.



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