Diskriminierung wegen des Namens

Kommentar zum Thema Gesellschaft/ Soziales

von  Moppel


 

Wer möchte schon Krusczynsky heißen? Da gehen nicht viele Finger hoch. Namensdiskriminierung? Heute schon. Man schuf sogar ein Gesetz dafür, was zu abstrusen Situationen führen kann.

Ein privater Vermieter möchte an bestimmte Namensgruppen nicht vermieten, weil er  auf Grund deren Lebensgewohnheiten Unfrieden im Haus erwartet. Dann kann der Bewerber ihn verklagen wegen Namensdiskriminierung. Eine solche Anklage ist schnell gefasst, wenn man  mit ausländischem Namen Ansprüche durchsetzen möchte. Letztlich aber ist dies ein Übergriff auf die Entscheidungsfreiheit eines Vermieters über sein Eigentum.

Natürlich sind vier Kinder von Meiers nicht leiser als die von El Moodys oder Okavangos. Aber eben nicht täglich bis drei Uhr nachts…Und nicht mit täglichen Familienfeiern von zwanzig Leuten und sechs weiteren Kindern. Spielt keine Rolle. Man schreit „Mee too“ und der Vermieter hat die Rassistenkarte an der Stirn.

Namensdiskriminierung, ist das neu? Schauen wir einmal 50 Jahre zurück. Hunderttausende von Gastarbeitern kamen in dieses Land. Die schlechtesten „Namenskarten“ hatten Krusczynkys. Da packten erst mal die Nachbarn die Autos und Fahrräder in die Garage und nahmen die teure Damast-Tischdecke von der Außenleine. Bis man bemerkte, was für hilfsbereite und nette Nachbarn und Kollegen diese Menschen waren. Bis der Vater Vorarbeiter wurde und in drei Jahren nicht eine Spanplatte wegkam. Und natürlich als Kommissar Schimanski die Herzen aller TV-Zuschauerinnen brach.

Ein langer, schmerzvoller Weg, denn die Polen können nicht kochen. Also sie können schon, aber es schmeckt den Deutschen nicht. Zu fett, zu eintopfig. Viel besser hatten es da die charmanten Italiener. Von Domenicos bis Capuas machten sie Ristorantes auf, die die alte Dorfkneipe ersetzten und schnell zum Treffpunkt von Jung und Alt wurden. Pizza, Lasagne und Spaghetti sind heute eher deutsches Nationalgericht als Linsensuppe und Arme Ritter.

Die ganz Feinen, die Domenicos, die schon immer „Prego Signora“ sagten, machten eine Trattoria daraus. Wo sich bald jeder der Schickeria traf, der etwas auf sich hielt. Die Costatidis versuchten es mit griechischen Imbissen und machten den Schweine-Gyros und Tzaziki zum Verdränger von Mutters Frikadellen und Kartoffelsalat. Viel später erst zogen die Türken nach mit ihrem  Lamm-Döner.

Sie alle wollten mehr, strebten mehr an als am Hochofen stehen, am Fließband. Und das war gut so. Denn ihre Lokale brachten Gemeinschaft, Anerkennung und Einswachsen in die deutsche Gesellschaft.

Die Polen bauten auf ihr handwerkliches Geschick und machten nach und nach Autowerkstätten auf. Schnell sprach sie herum, dass sie auch die abgewrackteste Karre noch durch den TÜV brachten .Das Geschäft florierte. Auch bei denen, die als Haus-Allroundsanierer gute Preise anboten. Heute heißt es gar: Hey, kennste nicht ’nen guten Polen, der mir bisschen billiger das Haus streicht?

Alle sind sie heute Deutsche. Sind angekommen. Fühlen sich mit diesem Land verbunden.

Jaaa, damals gab es ja auch noch keine Namensdiskriminierung! Sehr lustig. „Polacke, Pimmocke, Spaghettifresser, Kümmeltürke“ – das waren noch die freundlichsten Bezeichnungen. Doch schrien sie nicht „Mee too“, sondern erarbeiteten sich fleißig und hartnäckig einen Status in Deutschland. Heirateten deutsche Frauen, gründeten Familien -  nicht wegen Bleibeberechtigung, sonder wegen Liebe. Belehrten alle Mobber eines Besseren.

Die Antwort auf die Frage, wie Integration geht, sodass Capua zu Toni und Krusczynky zu Kruschinski wird, die liegt auf der Hand. Und beantwortet die Frage gleich mit, weshalb das jetzt bei drei Millionen Asylanten nicht funktioniert.

Namen sind nicht Schall und Rauch. Sie sind Identität. Und wer heute nicht schafft, was zehntausende nicht muslimischer Gastarbeiter geschafft haben – nämlich, sich dazugehörig zu fühlen – der müsste dann nicht „Mee too“ schreien. Sondern sich einmal fragen, ob es vielleicht an ihm selbst liegt.

 

 



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Kommentare zu diesem Text


 EVdR (05.07.26, 13:52)
Hallo Moppel,

die Realität, die du beschreibst, war, für mich, eine andere, in zwei Größstätten, im Westen: private Cafés, Hinterhofmoscheen und Zentren, die als geschlossene Schutzräume für die eigene Community dienten, weil man in der „deutschen Dorfkneipe“ eben nicht willkommen war.

Werkseigenen Wohnheime: „Ich erinnere Arbeitgeber die Häuser. Wohnheime für Gastarbeiter hochzogen.“
Das System der Gastarbeiter war von Anfang an auf Trennung angelegt. Die Menschen wurden in Baracken und Wohnheimen kaserniert. Es gab von staatlicher Seite überhaupt kein Integrationskonzept, weil man dachte, die Leute gehen wieder. Die Isolation wurde vom deutschen System importiert.

Die Gettoisierung: „Ich erinnere freiwillige getoesierung der neuen Bürger, in den 80er bis 2000er Jahren.“
Wenn eine Mehrheitsgesellschaft dir mit „Kümmeltürke, Habak, Spaghettifresser, ...“ begegnet und dich auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert, zieht man sich dorthin zurück, wo man Schutz findet: unter Seinesgleichen. Die „Gettos“ entstanden nicht, weil die Menschen Deutschland hassten, sondern weil sie nirgends sonst eine Wohnung bekamen oder angenommen wurden.

Die Parallelstrukturen: „Italiener, Spanier, Türken, Griechen, Paktistaner, ..., und ihre privaten Cafestuben“
Nicht das „Ristorante“ als Ort der Begegnung. 

Es wurden Arbeiter für das Fließband und Müllabfuhr gebraucht ...

 Juni (05.07.26, 15:15)
geschlossene "Schutz"räume

sind leider nicht selten das Gegenteil von Integration. 
Die einen dürfen geschlossene Räume haben, die anderen nicht.

Hinterhofmoscheen entpuppten sich mehr als 1 mal als Orte von Radikalisierung durch Hasspredigten.


Die Ruhrpolen sind heute nur noch mit Namen polnisch. Sie integrierten sich komplett. Das hat seine Zeit gebraucht. Es war möglich, weil sie zwar viele aber nicht zu viele waren, ca. 500 000 von ca. 3 Mio Bevölkerung des Ruhrgebiets (ca. 1910) das sind ca. 17 %.

Heutige Migrantenanteile in Großstädten sind 2 bis 3 mal so hoch. Es funktioniert offensichtlich nicht mit der Integration. Die kritische Masse wurde irgendwo 17 und 50% gerissen. Es ist zu spät für maßvolle Migration mit Integration, wie sie damals noch funktionieren konnte.

Kommentar geändert am 05.07.2026 um 15:15 Uhr
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