Ein nächtliches Gedicht an meine Freundin:
Die Loarelei wurde von Menschen gefangen genommen
sie wurde eingesperrt und eingeschüchtert.
Vielleicht weil sie Vögel beobachtete, im Freien
oder weil sie ihre Familie, die ihr nicht guttat,
endlich verlassen wollte
mit einem gedanklichen Flügelschlag.
Loarelei wurde vergesslich und gefügig gemacht,
so dass sie vergaß und gefügig war.
Bald saß sie lachend vor einem Bild aus sich
mit einer Gebärde die ihr selbst fremd schien,
ihr Gesicht lachte - mehr lachte nicht.
Anderer Menschen Mitleid war der Lorelei gewiss
das Mitleid der Gefangennehmer selbst vielleicht
und so ist also der Lohn einer gerechten Welt:
Mit gesalzener Gewalt stillt sich der Hunger
und mit dem Mitleid der aufkommende Durst.
Alles im Namen der Liebe.
Wenn alles zu spät ist
kommen sie zu Loarelei und wollen Anteil nehmen,
bieten Wiedergutmachung an,
auch wenn und weil sie wissen, es geht nicht mehr.
Vergangenheit ist der einst geflochtene goldblonde Zopf,
den man ihr öffnete, um zu sehen, wie sie ohne diesen aussähe,
nur um zu sagen, sie sähe besser aus mit -.
Da mögen sie es vielleicht gerne sehen,
dass sie abgewiesen werden,
damit sie ihr Gewissen,
das vom ganzen Mitleid nehmen schon ganz traurig ist,
entlastet sehen; und sie mögen sagen:
Du willst ja nicht …
Alles im Namen der Liebe
Mit gebrochenen Flügeln sitzt Loarelei im Käfig,
die Gitterstäbe fein gebogen, als wären es Arabesken.
Schönheit ist überall, selbst in vermeintlicher Wahrheit.
Morgens Pille, abends Pille.
Und Loarelei singt von einem Leben,
eines, dass ihr nicht länger gehört.
Nie gehörte.
Sie erinnert das Lied, als wäre es eine Mutter.
Um Freiheit zu erreichen, nahmen sie die Freiheit gefangen.
Alles im Namen der Liebe