bevor der mensch zur sprache kam
die ihm doch viel an tierheit nahm
da sprach er nicht nein grunzte nur
entsprechend seiner tiernatur
und fühlte sich dabei kaum schlecht --
den göttern war das wenig recht
sie brachten ihm das sprechen bei
damit er schön ihr zeugnis sei
dass es sie gibt als seinen herrn
und fortan tat der mensch das gern
und redet heut oft wie ein buch -
das ist der sprache eitler fluch...
"Seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander“
(Hölderlin, Friedensfeier.
Dieser Hymne stellte der Dichter übrigens die nachstehenden
Worte voran:
„Ich bitte, dieses Blatt nur gutmütig zu lesen. So wird es sicher nicht unfaßlich, noch weniger anstößig sein. Sollten aber dennoch einige solche Sprache zu wenig konventionell finden, so muß ich ihnen gestehen: ich kann nicht anders. An einem schönen Tage läßt sich ja fast jede Sangart hören, und die Natur, wovon es her ist, nimmts auch wieder.“)
**
„die sonne tönt nach alter weise
in brudersphären wettgesang“ *
dies allerdings seit je so leise
dass bislang kein laut zu uns drang
das klärchen hat echt selten töne
zumindest solche die man hört
vielleicht sind auch wir erdensöhne
voll diesbezüglich hörgestört
farbtöne sind indes der sonne eigen
von rosig über 'gülden' bis blutrot
so lässt sie sich von anbeginn eräugen
und steht ihr ton durchaus voll zu gebot --
es macht aus solchem ton kein töpfer krüge
die, tönern, leicht zerbrechen und sind hin
metall und holz haben da echt vorzüge
nebst plastik [war zu kleist's zeit noch nicht drin] -
es tönt die sonne zwar nicht monochrom
doch keineswegs wie orgelspiel im dom...
...sie ruft aber hervor erst alles leben
und „ziehet alles auf“ ** von anfang an
es würde ohne sie auch uns nicht geben
durch die dann ihre wahrnehmung begann...
*Goethe, Faust; Prolog
**Hölderlin, In lieblicher Bläue...
