Blume im Exil

Text

von  Alex



Er trägt die Zärtlichkeit in sich

wie andere ein Messer;


tief in der Tasche,

damit niemand sie sieht.


Jahrelang hat er

jede Regung

gegen Wut und Lärm eingetauscht,


hat den Schmerz

so lange zugedeckt,

bis selbst die Freude

nicht mehr wusste,

wie sie ihn erreichen soll.


Wenn Liebe an seine Tür klopft,

öffnet er erst

mit einem Witz,

dann mit einem Schulterzucken,


erst viel später

mit einem Blick,

der mehr sagt

als seine Sprache 

je konnte.


Dabei ist er

nur eine Blume im Exil,

gewachsen auf Asphalt,

die viel zu lange vergessen hat,

dass ihre Wurzeln

nicht aus Beton sind.


Er lernt,

dass Weinen

keine Schwäche ist.

Dass Zärtlichkeit

nicht gefährlich sein muss,

wenn man stark genug ist,

sich selbst zu halten.


Dass ein Herz

nicht laut sein muss,

um von den richtigen Menschen

gehört und geachtet zu werden.


Und eines Tages

merkt er,

dass er längst begonnen hat,

seine Hände

nicht mehr zu Fäusten zu ballen,


sondern sie zu öffnen,

um sie den Menschen entgegenzustrecken,

die er liebt,


und dem kleinen Jungen

in sich selbst.


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