Erdfarben

Text zum Thema Leben

von  S4SCH4


Lange Wege wandert ein Sommer

mit dem Rötel der vollen Sonne,

bis die Erde trocken und rissig

ein Gesicht in Ocker und Umbra zeigt,

das sich im Spiegel einer

einzigen Lache aus Tränen

wiedererkennt.

 

Nur Traurigkeit erinnert mich,

welche Furchen mein Leben trugen,

und nur die Kreideblässe um meine Augen

zeigt mir, wie ich aus ihnen noch strahle.

 

Müde vom ganzen Zinnober,

das mir als Feuer nicht mehr leuchtet

und Gedanken und Ideen

abgetragen daliegen lässt

in Höhlen und Schächten,

die dunkler sind als Unkreide.

 

Wenn der späte Herbst kommt und

die Grünerde zum vorerst letzten Mal

ihr Bett hergibt,

erinnere ich mich der Nächte im Korn,

der Ernte, die nur satte Farben sahen,

und bleibe wartend

 

auf den Winter, der kalt und eisig

die Nase verstopft

und das Augenlicht schließlich dämmert.

Die dunkelste Stunde schlägt,

wem schließlich der Sand verrinnt

und alles an Farben

 

der Erde wieder überlässt.


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Kommentare zu diesem Text


 Nuna (21.07.26, 16:18)
Oh Sascha, ist das traurig schön geworden, nah einem Drama und doch noch Melancholie.


LG Nuna

 S4SCH4 meinte dazu am 21.07.26 um 17:56:
Na Nuna, 

danke, ja die Farben wollten alle wieder zurück. LG Sascha

 Moppel (22.07.26, 13:07)
wow, ein ganzes Leben balladig metaphorisiert. Klasse, Sascha...
lG von M. 
Gerne bin ich dieser Melancholie, die beiinahe weise anmutet, gefolgt...

 S4SCH4 antwortete darauf am 30.08.26 um 15:32:
danke, Moppel. Zum Glück nur "beinahe"... Ich bleib lieber bei Meisels Weise und Budweiser, naja, auch nicht ganz... aber was fällt mir sonst ein außer so schräger Witz, naja mal sehen, was aktuellere Texte machen... vg sascha

 Vaga (30.08.26, 15:15)
Hallo Sascha, ich habe dieses Gedicht heute erst per Zufall entdeckt - ein wunderbares Werk, das durch seine ehrlichen Erdfarben und die unaufgeregte Tiefe Wirkung zeigt. Obwohl du es bereits im Juli schriebst, fängt es für mich genau jetzt, in dieser Übergangszeit zum Herbst, die vergängliche Stimmung perfekt ein. Hier finde ich das wieder, was starke Lyrik im Kern transportieren will: echte, spürbare Authentizität - fernab von jedem künstlichen Zinnober. LG - Vaga

 S4SCH4 schrieb daraufhin am 30.08.26 um 15:29:
Danke Vaga, freut mich. Ja, stimmt, der Herbst und die Zeilen passen zueinander. Das mit der Authetzitöt kann ich nur schwer fassen, aber wie auch …  sobald man sich aus seiner Fassung, seinem Rahmen, Rolle, Maske oder was auch immer begibt, steht da nur ein ein Berg von Fragen. Zumindest geht es mir so, es mag Menschen geben, die blühen so auf… aber nun, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Also: easy does it….LG sascha

 Juli (30.08.26, 15:25)
Meine Mutter liebt diese Farben. Sie kauft ihre Wolle für Pullover und Jacken immer in erdfarben :)

 S4SCH4 äußerte darauf am 30.08.26 um 15:29:
Die sind auch schön. Und die Mütter natürlich auch (alle). 😊 Danke.

 Juli ergänzte dazu am 30.08.26 um 15:35:
Als Kind mochte ich die Erdfarben nicht. Ich fand sie fad. Für Kindersachen fand sie meine Mutter auch fad, ich bekam das gewünschte kräftig bunte. Heute sehe und schätze ich die Harmonie der Erdfarben.

 S4SCH4 meinte dazu am 30.08.26 um 15:41:
Keine Ahnung, aber in den 70ern sah es noch anders aus, da gab es doch mehr erdfarben an Menschen (Mode)... oder? 80er und 90er wurden dann bunter... ja obwohl: flower power, ach, kurz: ich habe keine Ahnung, oder doch eine Ahnung schon, aber keine Erkenntnis. Ich erinnere mich als Kind oft in Strumpfhosen gekleidet gewesen zu sein, knallbunte Baumwolle. lach... Die Harmonie ist in der Tat sehr natürlich und nicht so künstlich grün, leuchtend hell usw.

 Juli meinte dazu am 30.08.26 um 15:54:
Farbharmonie :)

 S4SCH4 meinte dazu am 30.08.26 um 15:57:
diese "Harmonie" muss sich aber auch behaupten können gegen Farbattacken aus Graun in Grau u.Ä. aber ja....
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