Ungewöhnliche Gäste

Text

von  Wastl


Ich sitze zwischen eigenartigen Gestalten. Bevor ich sie beschreibe, möchte ich jedoch erst einmal die anderen ungewöhnlich aussehenden Gestalten beschreiben, oder, der Fairness halber, auch Gäste genannt, die an den anderen Tischen um uns herum sitzen. Wir befinden uns am Fenster, nur einen halben Meter vom Schneesturm entfernt, der uns alle in dieses sonderbare Gasthaus hineingetrieben hat.

Von unserem Tisch aus kann ich alles bestens überblicken. Ein Tisch weiter sitzt ein Mann mit einem dünnen Kopf und einer seltsamen Nase, die etwa einen halben Meter herunterhängt und fast seinen Schoß berührt. Das Fräulein, das neben mir sitzt, mutmaßt scherzhaft, dass dieser Mann genetisch womöglich mit einem Nasenbär gekreuzt wurde. Das verblüffte mich, denn ich hatte den gleichen Gedanken wie sie.

Das Fräulein sieht für meinen Geschmack übrigens ganz hübsch aus, bis auf den kugelrunden Bauch. Der erinnert mich eher an einen aufgeblasenen Medizinball als an einen menschlichen Bauch oder Schwangerschaftsbauch. Ich wollte es aber auch nicht genau wissen, denn das hübsche Fräulein kann, wie ich früher einmal erfahren habe, kaum etwas hören, da sie ihre Hörgeräte angeblich meistens ausschaltet und lieber selber redet, als anderen zuzuhören. Das empfinde ich als ein wenig ungerecht, da die Ärmste ja die meiste Zeit reden muss, während die anderen sich von ihren Worten berieseln lassen, ohne dafür auch nur den geringsten Lohn für ihre Anstrengungen zu zahlen.

Ein paar Tische weiter setzt sich gerade eine Drohne mit vier Propellern auf den Flachkopf. Wir nennen ihn alle Flachkopf, weil er eine riesige Fläche auf seinem Kopf hat. Auf diese scheint es der Enkel mit seiner Drohne abgesehen zu haben. Immer wieder startet die Drohne, hebt ab und landet im nächsten Moment wieder auf dem flachen Schädel des Großvaters. Das macht mich ein wenig wütend. Der Enkel missbraucht die flache Stelle auf dem Kopf seines Großvaters schließlich für seine blöde Drohne. In einem Café hat so etwas absolut überhaupt gar nichts zu suchen. Rechts daneben sitzt jemand, dessen Augen eine gefühlte Weltreise unter seiner Nase liegen. Das sieht ziemlich komisch aus, denke ich.

Mit seinem komischen Gesicht könnte er glatt in einer Freakshow auf einer Kirmes ein Vermögen verdienen. Noch ulkiger finde ich den Mann mit den Elefantenohren. Für den muss der Wirt immer extra die Eingangstür zum Café weiter aufmachen, damit er überhaupt durchkommt. So etwas mögen die Gäste aber nicht, und zwar ausgerechnet in dem Moment, in dem der Schneesturm draußen am heftigsten wütet, muss der „Elefantenmensch” ins Café. Der Wirt sieht sich genötigt, die Eingangstür weiter zu öffnen, und der Schneesturm hat andere Pläne als vor der geöffneten Eingangstür haltzumachen – er stürmt hinein und bedeckt teilweise den Boden des Cafés mit seinem weißen Ejakulat aus Eiskristallen.

Bevor ich etwas über die anderen Gäste schreibe, gehe ich zum Tisch ganz hinten in der Ecke. Dort sitzt eine außerordentlich schöne Frau, der ich mich gerne vorstellen möchte – hoffentlich ist sie ungebunden. Die ganze Zeit hat sie mich zuvor angestarrt - also ich meine, zumindest konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie mich meinte und nicht das Fräulein neben mir oder den Pinguin auf der anderen Seite, der so komisch aussieht, dass man meinen könnte, er sei genetisch mit einem Schäferhund gekreuzt worden.


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Kommentare zu diesem Text


 Fridolin (27.07.26, 01:48)
Ein vielersprechender Anfang. Entspringt der Text einem Traum?
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