Das Ankommen fühlt sich an wie das Treten in eine andere Zeit.
Du ziehst deine Strickmütze ab, schüttelst die Haare aus und legst die Mütze auf einen kleinen Tisch neben der Tür. Dann ziehst du dir die Handschuhe von den Fingern und legst sie auf die Mütze. Noch brennt keine Lampe.
Einen Augenblick bleiben wir einfach stehen.
Dann drückst du den Schalter.
Ein leises Klicken.
Einen Herzschlag später füllt warmes Licht den Gang. Gerade genug, damit die Rücken der Bücher aus dem Dunkel treten. Leder, Leinen, verblichene Goldprägungen. Manche Bände tragen eine feine Staubschicht. Ich möchte sie berühren – und lasse es doch bleiben.
Wir gehen langsam weiter. Unsere Schritte klingen gedämpft auf den alten Holzdielen. Das Holz antwortet mit einem leisen Knacken.
Vor uns steht eine hohe Leiter. Sie lehnt an einem Regal. Fast verschwindet sie zwischen den oberen Fächern.
Ich folge ihr mit den Augen bis nach oben.
„Soll ich nachsehen?“, fragst du.
„Nicht heute“, sage ich.
Der nächste Gang liegt fast im Dunkeln. Wieder ein leises Klicken. Für einen Augenblick summt die Lampe, dann wird es heller. Sehr viel heller. Das Licht strahlt kühl.
„Sachbücher“, sage ich.
„Komm, lass uns wieder dorthin gehen, wo das Licht wärmer ist.“
Der Rest der Abendsonne fällt durch die hohen Fenster. In ihrem Lichtstrahl tanzen Staubkörner.
Es raschelt irgendwo.
„Vielleicht Papier.“
Nach einer kleinen Pause flüsterst du:
„Oder ein Bücherwurm.“
Ich muss lachen und halte mir die Hand vor den Mund. Es wäre schade, die Ruhe zu stören.
Ein Stuhl steht ein wenig schief. Ich stoße leicht dagegen und rücke ihn wieder unter den Lesetisch.
Dann ist dir die Tischkante im Weg. Du stößt dir das Schienbein. Die Lampe auf dem Tisch klirrt leise.
„Der Tisch hat gewonnen“, sage ich.
„Diesmal“, antwortest du lächelnd und reibst dir das Schienenbein.
Wir gehen weiter, ohne Eile.
Nach einer Weile bleibe ich stehen.
„Sieh mal …“
Zwischen zwei Reihen alter Bücher scheint etwas auf uns zu warten.
„Lass uns dort bein nächsten mal näher hinsehen.“
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Es ist spät geworden.
„Gut, dass es hier keine Schließzeiten gibt.“
„Ja.“
Nach einer kleinen Pause ergänzt du:
„Und keinen Bücherausweis.“
Wir lachen leise.
Du setzt deine Strickmütze auf und steckst die Handschuhe in die Tasche.
Bevor wir gehen, drehe ich mich noch einmal um.
Die Regale stehen still im warmen Licht.
Es sieht nicht so aus, als hätten sie es eilig.
„Morgen wieder?“
„Natürlich.“
Die Bibliothek läuft uns nicht davon.
Sie wartet.
Die Lampe bleibt an.
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