Nichts ist unendlich

Gedicht zum Thema Allzu Menschliches

von  AnneSeltmann


nichts bleibt

wo es war.

 

der morgen

zieht seine schuhe an

und geht.

 

selbst das licht

hat eine abfahrtszeit,

nur die sonne

sagt sie uns nicht.

 

wir zählen

die tage nicht,

wir legen sie

nebeneinander

wie steine

und wundern uns,

wenn einer fehlt.

 

ein baum verliert

sein grün

nicht auf einmal.

 

erst ein blatt,

dann noch eines,

bis der himmel

wieder sichtbar wird.

 

auch erinnerung

kennt diese kunst:

 

sie lässt etwas los

und behält

den abdruck.

 

nichts ist unendlich.

 

aber vielleicht

ist das nicht

das traurige daran.

 

vielleicht bedeutet endlich

nur,

 

dass wir

genauer hinsehen müssen,

 

solange

es noch da ist.



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