Trauer hat viele Gesichter

Gedicht zum Thema Allzu Menschliches

von  AnneSeltmann


manche

stellen die tasse

an denselben platz

wie gestern


wischen

den tisch ab


gießen die blumen

als wäre nichts geschehen


andere

lassen die tage

offen stehen

wie fenster

im regen


sie vergessen

zu essen

oder die schuhe

zuzubinden


einer spricht

ununterbrochen

von dem, was war


als könne die stimme

eine brücke bauen

über etwas

das längst

kein ufer mehr hat


eine andere

schweigt

so sorgfältig

als müsse sie

jedes wort

erst durch die hände

gleiten lassen


und manche

lachen plötzlich


zu laut


über eine kleinigkeit


erschrecken dann selbst

über das licht

in ihrem gesicht


die trauer

kennt viele stimmen


und manchmal

gar keine


sie sitzt

in ordentlichen schubladen

oder verstreut

sich über den ganzen boden


wir erkennen einander

nicht immer daran

wie wir weinen


sondern daran

wie wir versuchen

weiterzugehen




Anmerkung von AnneSeltmann:

Durch Moppel und Aaron angeregt!

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