Im Schilf hing die Nacht
an grünen Fäden.
Dort lebten sie,
zwei Atemzüge
im Mund des Wassers.
Er ließ ihr morgens
den ersten Sonnenfleck.
Sie rückte abends so nah,
dass zwischen ihren Häuten
kein Dunkel blieb.
Das war ihre Liebe:
ein geteilter Stein,
ein wenig Wärme,
ein Erwachen zu zweit.
Über ihnen der Mond.
Unter ihnen
sein ertrunkener Bruder.
„Welcher ist der echte?“,
fragte sie.
„Der, den man verlieren kann.“
Sie lachte.
Eine Libelle nähte
blaues Licht
in die Luft.
Dann kam der Regen.
Die Erde öffnete sich.
Hinter der Hecke
glänzte die Straße.
In einer Pfütze
war dem Himmel
ein Mond entfallen.
Sie sprang ins Licht.
Da wuchsen
aus der Dunkelheit
zwei weiße Augen.
Hinter Glas
sprachen Menschen
von morgen.
Ein Blick zur Seite.
Ein Rad
fuhr durch den Mond.
Wasser zerbrach.
Danach fehlte
der Nacht ein Laut.
Sie lag
auf der schwarzen Straße.
Er stupste ihre Flanke.
Einmal.
Noch einmal.
Als könnte Liebe
den Tod
an seinen Irrtum erinnern.
Am Morgen
kam eine Hand.
„Nur ein Frosch.“
Dann war sie fort.
Er kehrte zum Teich zurück
und ließ auf dem Stein
ihre Hälfte frei.
Der Sommer verging.
Nachts standen
die Sterne im Teich.
Er rückte zur Seite.
Immer noch.
Bis der erste Frost
das Wasser schloss.
Unter dem Eis
lag der zweite Mond.
Er rückte
noch einmal zur Seite.
©Sigrun Al-Badri/ 2026
Bild mit Hilfe von AI kreiert