Sie hielt ihre Seele im leiblichen Kerker,
[ein unscheinbar sinnloses Ding,
wie sie es gern nannte] Ein Drang war viel stärker,
in dem sie sich täglich verfing.
Der Drang ihren Korpus auf Hochglanz polieren.
Die äußere Schönheit hielt stand
gar ein paar Jahrzehnte, dann kam jenes Spüren
des Wandels. Bald lag auf der Hand
die bittre Erkenntnis, es lässt sich nichts halten,
weil Schönheit, samt Frische verfliegt.
Egal was man tut, man gehört zu den Alten,
von Zeit und den Falten besiegt.
Sie schlug alle Spiegel im Hause in Scherben -
ihr Anblick verursachte Pein.
Zuweilen befiel sie der Wille zu sterben,
da rief ihr das Innere: Nein!
Es gab, nach so vielen verborgenen Jahren,
zum weiter Verleugnen kaum Grund.
So ist ihr die Seele ins Antlitz gefahren,
ins Auge, die Wangen, den Mund.
Und wer sie erblickte, der sprach: Kaum zu glauben,
was ich grad erfahre und seh -
die Zeit hat geschafft ihr die Schönheit zu rauben
und doch ist sie schöner denn je.