Menschen, die sich in Brunnen werfen, und andere Phänomene

Text zum Thema Beziehung

von  S4SCH4

Der Mensch, der sich zuallererst anbiedert, der freundlich ist, charmant und gefällig; jemanden gar einlädt, einer Clique beizutreten, nur um dann urplötzlich, mit einem Ruck, eine andere Seite zu zeigen, taktlos zu werden und Unmut hervorzurufen, ist eine seltene, aber doch vorhandene Art.

 

Zugegeben, letzterer Unmut kommt relativ oft in der Welt vor, also gesondert und ohne die vorher noch gefällige Seite. Und nun, es fällt dort um Einiges leichter, die Angelegenheit zu übergehen, für nicht relevant zu erachten: Spinner halt!

 

Wie allerdings damit umgehen, wenn ein gewisser Vorrat von Worten bereits gewechselt ist, Sympathien erprobt und Emotionen geweckt sind, der betreffende Mensch in einer gewissen Beziehung zu mir steht? Ein einfaches „Spinner“ wäre dem eher unangemessen, man fühlte sich nicht wohl mit einem schnellen Abtun einer Beziehung, in die man „investiert“ hätte, nämlich kostbare Zeit und echte Gefühle. Und fast niemanden lässt es kalt, einen solch hohen Einsatz einfach zu verlieren, schlimmer noch: ins Gegenteil umschlagen zu sehen.

 

Das Mindeste, was also passiert, sind Vorwürfe, Vorurteile im Folgenden, Fragen danach, was man demnächst besser machen könnte, und vor allem: Wie jetzt ganz konkret damit umgehen? Ist es nun angemessen, noch mehr echte Gefühle zu offenbaren und der Person offen von einer Enttäuschung zu sprechen? Sollte man die Person beleidigen? Oder selber Psychotherapiestunden nehmen?

 

Dieser Text will keine universelle Antwort geben, kann er nicht. Er lässt im Grunde ebenso sprachlos zurück, wie eine Beziehung zu ebenso einem Menschen oder einer Menschengruppe es machte, und sagt:

Reingefallen.

 

Wer sich allerdings einen letzten Gefallen in der Sache tun mag, schaut nicht noch lange hinterher, in den Abgrund, nämlich wo und wie die ganze Beziehung im Brunnen gelandet ist, oder versucht gar noch etwas zu retten und dort selbst sitzen zu bleiben, sondern überlässt den Platz der wildernden Natur, die in gleichem Maße etwas zurückholt, wie man es für sich vielleicht auch irgendwann tut.
Es wäre nämlich schade, wenn es, wie so oft schon, irgendwie hieße: „Ich habe meine Lektion gelernt und traue keinem Menschen mehr“, und der besagte Brunnen so zu einem weiteren Mahnmal werden würde, statt zu einem Ort der Begegnung und der Reinheit. 



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Kommentare zu diesem Text


 EVdR (30.09.26, 10:49)
Hallo Sascha, 
ist diese Interpretation treffend?
Der Text beschreibt einen Menschen, der Nähe anbietet und sie dann zerstört.
Er zeigt die Falle, die Verletzung und die Verwirrung.
Er gibt keine Lösung, sondern eine Haltung: Loslassen, nicht verbittern, weitergehen.
Er will den Brunnen der Begegnung rein halten — nicht zum Mahnmal mac
hen.

 S4SCH4 meinte dazu am 30.09.26 um 11:03:
Hallo EVdR, 

danke fürs Interesse, ja, ausgehend von einer Beziehung (die erst gut ist, dann böses Erwachen), initiiert sich eine innere Auseinandersetzung. 

Du triffst den Kern ansonsten ganz genau: Loslassen ist die Devise, dabei der "Natur" auch des Menschen ihr Recht einräumen und offen bleiben für neue Begegnungen.
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