WAS WEISS DER STEIN VON UNS

Gedicht

von  Drita

I. DER KRIEG

Am Morgen hatte der Himmel
seinen eigenen Namen vergessen.

Durch die Straßen gingen Stiefel
ohne Menschen.

Ein Fenster hielt noch
den Atem einer Mutter.

Der Staub fraß die Gesichter,
eines nach dem anderen.

Irgendwo zählte ein Kind
die Schüsse wie Sterne.

Und die Nacht kam spät,
mit schwarzen Händen.

II. DIE ASCHE

Die Asche fragt nicht,
wem das Haus gehört hat.

Sie dringt in Taschen,
in Haare, in Erinnerungen.

Auf einem Stein
blieb die Hälfte eines Namens.

Der Wind nahm sie mit,
doch er konnte sie nicht lesen.

In meiner Handfläche
bewahrte ich ein wenig Schwarz,

als Beweis,
dass das Feuer einmal Licht gewesen war.

III. DER FRIEDEN

Der Frieden kam
ohne Glocken.

Er setzte sich neben uns
und schwieg.

Auf dem Tisch lag Brot
für alle,

doch niemand wusste mehr,
wie man es teilt.

Aus der Ferne
versuchte ein Vogel seine Stimme.

Wir nannten es
ein Wunder.

IV. DIE FLAMME

Die Flamme ist nicht immer
eine Feindin.

Manchmal entzündet sie sich
in einem einsamen Zimmer,

damit ein Gesicht
nicht ganz verschwindet.

Sie zittert
wie ein Wort,
das sich nicht hinauswagt.

Dann wird sie kleiner,
doch sie bittet nicht um Vergebung.

Ihr Licht
weiß mehr als wir.

V. DAS LEBEN

Das Leben geht weiter
mit einer kleinen Sturheit:

Wasser kocht,
Brot bricht,
ein Schuh wartet an der Tür.

Im Garten
vergisst ein Zweig den Winter.

Eine Frau lacht,
ohne zu wissen, warum.

Wir sammeln die Tage
wie altes Geld

und geben sie aus,
ohne es zu merken.



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