BERÜHRUNG

Gedicht

von  Drita



Ich fürchte
die erste Berührung.

Nicht,
weil du verschwinden könntest.

Sondern,
weil danach
nichts mehr sein wird
wie zuvor.
Wenn du mich ansiehst,
verändert selbst das Licht
seine Richtung.

Sieben Vögel
steigen aus dem Morgen.

Sieben Flüsse
erinnern sich
an ihre Klarheit.

Ich lege
meine Hände
nicht um deinen Hals,
sondern
um das Schweigen
zwischen uns.

Und ich begreife:
Liebe
ist nicht das,
was wir sagen.

Sie ist das,
was bleibt,
wenn jedes Wort

verstummt.   


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Kommentare zu diesem Text


 AnneSeltmann (04.07.26, 14:26)
Hallo Drita!

Für mich beschreibt dieser Text etwas sehr Schönes: Wirkliche Liebe verändert nicht nur unser Leben, sondern auch unseren Blick auf die Welt. Und oft sind es nicht die Worte, die ihre Tiefe zeigen, sondern die Stille, in der sich zwei Menschen wirklich begegnen.

Liebe Grüße

Anne

 Drita meinte dazu am 04.07.26 um 15:04:
Es ist ein Geschenk, wenn ein Leser zwischen den Zeilen das entdeckt, was unausgesprochen bleiben wollte. Danke von Herzen.

Herzlichen Dank liebe Anne.

 Drita antwortete darauf am 04.07.26 um 15:04:
Die ursprüngliche Antwort wurde am 04.07.2026 um 17:23 Uhr wieder zurückgezogen.

 Vaga (04.07.26, 17:46)
Erneut lege ich, liebe Drita, mein Augenmerk auf ein, wie ich finde, wieder einmal virtuos komponiertes Gedicht von dir, zu dem ich auch gern ein paar Worte schreiben möchte. 

Besonders der Eingangssatz
Ich fürchte
die erste Berührung.
stieß in mir spontan eine Warum-Frage an, deren Beantwortung mir durch die starke Wirkung der drei letzten Strophen gelang. 


Ich stoppte dann zunächst bei
Ich lege
meine Hände
nicht um deinen Hals,
worin ich im Umkehrschluss die Möglichkeit einer grenzüberschreitenden Berührung anklingen sah. Umso genialer und 'erlösender' dann jedoch die Wendung in den folgenden Zeilen
sondern
um das Schweigen
zwischen uns.
Damit nimmst du die potenzielle Berührungs-Übergriffigkeit komplett heraus aus dem Gedanken und verwandelst Berührung in eine Geste des Schutzes. 


Mit der darauf folgenden, überleitenden Zeile
Und ich begreife:
kommt es zum Erkenntnisgewinn des LyrIchs
Liebe
ist nicht das,
was wir sagen.

Sie ist das,
was bleibt,
wenn jedes Wort
verstummt.
und für mich zur Beantwortung meiner Eingangsfrage. 
'Berührt' hat mich dieses Gedicht wieder auf ganz besondere Weise.

Liebe Grüße - Vaga
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