Es geht in die Endphase: meine Miese Laune, mein Schweinehund nimmt mir die Lust am Schreiben, stutzt mir die Flügel, schickt seine Schergen.
Ich hätte viel zu sagen, eine Nacht im Schlafsaal, die okay verlief. Nicht gut, aber auch nicht schlecht. Ein Morgen der mich zeitig aus dem Bett barchte und nun am Frühstücksbuffet warten lässt. Hoffentlich gibt es Orangensaft. Darauf habe ich es schon seit Tagen abgesehen, er müsse nicht einmal frisch gepresst sein, aber gekühlt, mindestens mittels Eis.
Nichtsdestoweniger, ich muss mir attestieren: Die Luft ist ein wenig raus, der Motor läuft, ohne Fahrer, Leerlauf, Standgas. Solcherart, dass sie die Umgebung aufschrecken ließe, die alle ach-so-friedfertig sind. Aber ich will keinen Streit vom Zaun brechen. Er wird mich finden, wenn er will; wie immer eigentlich.
Das Frühstück bietet keinen Orangensaft, aber ein wässrigen Multivitaminsaft. Es kostet insgesamt ein Zehner und ist - verglichen mit dem Frühstück in Österreich gestern (zu gleichem Preis) - eher mager. Aber dafür ist der Kaffee hier besser.
Mit dem Laptop komme ich mir auch ein wenig vor wie ein Businesstiger. Es ist ein gemischtes Publikum, viele in ihren Zwanzigern, vermute ich mal, einige älter als Vierzig. Sicherlich haben auch andere einen Laptop dabei, es ist allerdings, so wie ich es bisher beobachten konnte, dann eher ein MacBook, nicht wie bei mir ein mittlerweile abgewracktes ausgemustertes Businessnotebook von HP. Aber bevor ich dazu komme, meinen diesbezüglichen Gedanken zu formulieren, hat sich die Szene gewechselt. Die Idee ist nicht mehr gegenwärtig. Tapetenwechsel.
Egal, man muss die Feste feiern wie sie fallen: Mir Gegenüber sitzt nun jemand, der es versteht Essensgeräusche zu machen. Tief in sich gekehrt sitz die Person da, ich werde fast von der meditativen langsam und doch sehr prägnanten Bewegung ihrer Hände in Traumwelten „gesendet“, ich weiß nicht mehr was und wie ich schreibe und werde darüber ein wenig wütend. Auf Zauberscheiß und Hexenwerk habe ich gar keinen Bock gerade. Ich werde wohl den Platz wechseln. Irgendwas soll mich an dieser Person interessieren, ich soll sie mustern, ich soll sie beobachten. Ich soll … ? Psychose, schönen guten Morgen auch!
Oh je! … Ich erkläre mir die ganze Sache damit, dass ich die letzten Tage ausgesprochene feine Sinne für mein ganzes Gepäck und das Rad erhielt. Immerzu schaute ich: ist alles noch da, ist alles gesichert, kann was passieren. Das Resultat: Stress. Nun geht es mir mit meiner Beobachtungsfähigkeit ebenso, sie ist trainiert auf ein „Aufpassen“, vielleicht erinnert mich jene Person – mittlerweile fort - an meine Schwester. Auf die sollte ich früher auch immer aufpassen.
Ich werde noch einen Kaffee trinken, einen Multisaft und dann sehen wie es weiter geht. Vielleicht fahre ich nach Ravenna, hier ist es mir zu regnerisch.