Von ganzen Fragen zu halbvollen Gläsern und sowas halt

Tagebuch zum Thema Reisen

von  S4SCH4

Ich weiß nicht, was mit mir los ist, aber ich befürchte es.

 

Noch ist nicht die Zeit sich damit auseinanderzusetzen, glaube ich, aber die Zeit wird kommen und dann pack ich den Sauhund und schleudere ihn weit weg.

 

Klar wird er wiederkommen, klar werde ich das ein oder andere akzeptieren und klar wird es wieder irgendwie ungut ausgehen.

 

Vorsichtig sollte ich die Fährte zu ihm aufnehmen, vorschnell keine Steine werfen, auch wenn ich es sowieso tue, einen an seine Stirn, einen an meine Stirn.
Warum ich zwei Male davon trage, weiß ich nicht, vielleicht ist meine Stirn die Bank für beide, der Geldautomat, ein Quittungsblock.

 

Vielleicht wird mir Alkohol helfen? Wie den Omas im Zug nach Verona heute. Schön Sektchen aus Pappbechern, es sah nach sehr gutem Tropfen aus. Habe ich nicht … aber ich habe die Bar im Hostel.

 

Also bestelle ich dort einen Mojito, leider ist der nicht servierbar. Es fehlen Ingredienzien und auf eine Schützenfestvariante mit abgespeckten Zutaten habe ich keine Lust, also trinke ich weiter Softdrinks.

 

Die Musik ist nahe Neil Young, kann aber auch irgendein Indie-Folk Gedudel sein, ich will mich aber auch damit jetzt nicht näher auseinandersetzen, ich höre es mir an. Gut ist. Alles immer zu durchdringen ist nur allzu eitel und irgendwie schamlos. Man muss wissen, wann, was, wie oder wenn man es nicht weiß, sollte man bereit sein sich Fehler einzugestehen. Immerhin ist man ja immer noch Mensch … und will es bleiben.

 

Oder? Bisweilen bin ich mir darin nicht ganz sicher, die Businesstiger, die in den letzten Tagen in Zug und Hotel um mich waren, sprechen oft eine gemeinsame Sprache und etwas daran scheint mir manchmal extrem außerirdisch. Es ist dieser rationale Rationalisierungssprech, eine nachäffende Effizienssprache, die von Dingen träumt, wie sie fort sind. Etwas will Platz schaffen für Träume, dabei vergessen jene, dass auch das Gegebene Träume von Menschen sind und waren.

 

Aber der Sinn will modern sein und aktuell. Er geht über Leichen und seine Leichen gehen mit ihm.

 

Apropos: Bald ist doch Sankt Martin. Jener Mann teilte seinen Mantel und gab die Hälfte einem Frierenden im Schnee. Er gab nicht etwa alles, er war ja nicht irre und sowas wie ein Märtyrer, sondern er teilte.

 

Das würde ich mir im heutigen Business auch öfter wünschen. Sehr wohl, es wird geteilt … aber eher unter „Freunden“. Die Träume mit anderen teilen kostet Erfahrung, Fingerspitzengefühl, Empathie und vieles mehr. Ja, das haben viele, aber eher auf dem Papier und mit dem Alphabet des erwähnten Rationalisierungssprechs.

 

Ich möchte zum Ende dieses Textes kommen, bin müde und mein Rücken tut weh. Die Hocker hier sind auf Dauer nicht das Gelbe vom Ei. Aber ich will den Text nicht mit dem Businesskram enden lassen, also denke ich mal scharf nach, vielleicht haben sie Bier an der Bar …

 

Und Tatsache: Birra Moretti. Italienische Brauerei. Geschmack wurde mir als ein wenig bitter angepriesen. Saluti! Und ja, das kann sich sehen lassen! Mal was ganz Neues … und ich sehe, mein Ansinnen ist nicht verschieden von jenen moderne Sinn, den ich gerade noch seine Leichengeherei ankreidete. Ich freue mich über diese neue Erfahrung.

 

Wie ist und bleibt man sparsam mit solchen Sachen und erfüllt und sich dennoch seine Sehnsüchte und Erwartungen? Vielleicht ist `sparsam´ nicht das richtige Wort, denn ich sah auch schon Sparsamkeit als Tugend und nannte es Geiz und Seelenlosigkeit. Oder auch einfach Glück. Doch wo das Glück ebenso fehlt wie eine solche Schwäche, muss man haushalten, wird von hier nach da geworfen und arbeitet mit sich.

 

Doch jeder will mitverdienen, arbeiten und Geld sehen. Immer mehr Mensch wird zur Marke, zum Traum von Träumern, vielleicht ist es eine höhere Berufung. Doch sie hat ihren Preis und irgendwer muss immer bezahlen, auch wenn es umsonst ist.

 

Ich frage mich, ob mein Birra Moretti halb voll oder halb leer ist.



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