Schnauze voll – Kopf leer – Magen brummt

Tagebuch zum Thema Reisen

von  S4SCH4

Sehr wohl, ich bin im Hotel. In Innsbruck. Das letzte freie Zimmer, IBIS, drei andere Hotels hatten abgesagt, keine Plätze mehr frei …

 

Im IBIS fragte ich zuerst nach einem Zimmer, dann erst erwähnte ich den Hotelgutschein der DB / ÖBB, irgendwie ist der nicht gern gesehen, dünkt mir, aber hey, keine Verschwörungstheorie bitte.

 

Der Hunger kommt, aber die Stadt ist absolut irre, ich setzte keinen Schritt vor die Tür, vielleicht lasse ich was kommen; oder bleibe beim Wasser, ja, ich bleibe beim Wasser.

 

Wie ich nach Innsbruck kam? Absolute Tortur. Zug ist irre über weite Strecken, wissen alle, Zug mit Fahrrad: der absolute Wahnsinn!

 

Vorher steckte ich fest in Kufstein, der Zug fuhr direkt vor meiner Nase ab, die Türbetätigung hatte ich gedrückt, dass was wohl Zugführers Signal zum loszufahren.

 

Davor München, mit Verspätung und Ausfallinformation, des abgesagten Anschlusses nach Bologna, strandete ich dort. Neue Fahrscheine besorgen, insbesondere die Fahrradreservierung ist enorm wichtig, warten im DB Reisebüro: heute fährt kein Zug mehr, aber morgen … hier die Fahrscheine ... Bitteschön. Dankeschön. Ach ja, … wegen der Übernachtung, vor Ort, hier in München, bitte im DB Infocenter melden.  

 

DB Infocenter liegt direkt um die Ecke, Rad gesichert, rein in die Stube… stundenlanges telefonieren, Bildschirmgucken, Fahrkartenvergleich. Die Chefin kommt, telefoniert auch … ich, wackelig auf den Beinen, lächle freundlich. Es ist, wie es ist. Schließlich kommt das Resultat mit gebrochenem Deutsch: Keine Hotels mehr in München, nicht für Fahrrad, is Wiesn! Aha, neue Dokumente entgegengenommen, sie werden mich nach Kufstein bringen. Ich sprach davon.

 

Bevor ich in München ankam, überhaupt als diese ganze Misere anfing, hatte ich meine Abfahrtstation in Göttingen. Bei Ankommen im Göttinger Bahnhof sah es bereits räudig aus, Verspätungen, Ausfälle, mein Zug sollte aber pünktlich sein … naja, man darf auch mal Glück haben. Oder? Das der Fahrradplatz belegt war, war das geringste Problem, mein Bike also irgendwo reingeschoben und gut war; bis der Schaffner es irgendwann wissen wollte.

 

Das eigentliche Unheil wartete aber eigentlich gleich nach Abfahrt aus Göttingen, in Kassel: Die Bundespolizei hat die Strecke nach Fulda gesperrt – bis auf weiteres. Keine Gründe, kein Plan. Nur Frust.

 

An der Stelle der Reise überlegt ich noch, ob ich nicht zurück nach Göttingen fahren möchte, es gut sein lassen solle , und ich wollte gerade aufstehen, um das einmal im Stehen zu überdenken, raus zu schauen, ein Urteil abholen halt, als der Zug nun weiter rollte …

 

Letztlich hatte alles begonnen mit der Radfahrt um halbfünfuhrmorgens. Etwa 30 Kilometer. Vom Land in die Stadt. Zum nächsten Fernreisebahnhof. Ich fühlte mich gutgerüstet, dachte mich vorausschauend, aber der dicke Nebel belehrte mich eines Besseren. Nichts sei ich und von nichts hätte ich Ahnung, rief er mir zu. Selbst die bekanntesten Wege waren fremd. Nebel bei Nacht und alles erlebt sich zum ersten Mal. Ich hoffte mit zitternden Knien, dass es nicht das letzte Mal sei, auf der Kreuzung über die Bundesstraße, in der Walachei zum ersten Ort, auf den vom Herbstlaub und spitzen Zeug bedeckten Wegen und den steilen Gefälle, das nach Göttingen vom Harz her hineinführt.

 

Diese Reise hat mich bisher enttäuscht, in allen Belangen, ich würde gerne nach Hause, aber wo ist das? Morgen geht’s also weiter … nach Verona und schließlich nach Bologna. Ob es dort besser wird?  



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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (06.10.26, 23:43)
Hallo Sascha,
da wird es mir allein schon beim Lesen ganz übel im Kopf.
Das ist wie eine Pilgerreise, nur extremer. Ich sage ja: "Alle Achtung", dass du diesen Irrsinn auf dich nimmst und niemanden hast, mit dem du dich austauschen kannst. Den Frust musst du alleine tragen. Absteigen in München? Nie, nie, nie !
In München umsteigen, aber flott, am besten in eine schweizer Bahn, die fahren pünktlich.

Lieber Gruß!
Hartmut

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