Lebenswillen

Dokumentation zum Thema Mensch (-sein, -heit)

von  denkfrei

Sehe ich mich ans Kollektiv geknüpft und Teil davon, kann man mir leicht ein schlechtes Gewissen einreden, warum ich von 100 % für Arbeit zu 100 % zu mir zurückkehre. Es fühlt sich dann an, als würde ich einen Teil von mir selbst vernachlässigen. Weil bei der Aufopferung ein Abhängigkeitsverhältnis zum Außen aufgebaut wird. 

Das liegt daran, dass das Arbeitssystem nicht für einen natürlichen Rhythmus zwischen eigener Lebensenergie und dem Dienst für das Kollektiv gemacht ist. Für 14 € die Stunde darf ich mich 40h  Stunden die Woche verkaufen, um 2-3 Tage die Woche überleben zu dürfen. Egal, wie viel Sinn die Arbeit macht und vielleicht sogar Spaß. Wenn man seinen eigenen Willen unter den eines anderen stellt, wird man früher oder später krank oder arbeitsunwillig. Kein Wunder, denn das Ungleichgewicht braucht wieder einen Ausgleich. Die eigene Lebensenergie muss gefördert werden, um dienen zu wollen. 

Es muss schwingen und schwingt die Kugel mit aller Wucht in eine Richtung, muss zu erwarten sein, dass sie das ebenso genauso heftig in die andere Richtung tut. 



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 J.B.W (07.09.25, 20:51)
Wenn man eine Zugehörigkeit zu einem Kollektiv empfindet und dieses Kollektiv als die Gesellschaft bzw. die arbeitende Bevölkerung identifiziert sowie diesem Kollektiv gegegenüber eine Schuld empfindet und die Tilgung dieser Schuld die Hauptmotivation ist - neben dem eigenen Lebensunterhalt -, dann ist die Herleitung eines Leidens, auf Grund eines Ungleichgewichtes, sehr treffend.
Die "Krankheit" ließe sich jedoch durch andere Grundannahmen und eine andere Herangehensweise angehen, wenn auch teilweise wohl mit den selben praktischen Maßnahmen.

LG
Janosch
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