Kein Empfang

Alltagsgedicht zum Thema Gesellschaft/ Soziales

von  Maroon

Ich hörte jüngst den Pfarrer klagen
niemand käm zur Messe mehr
selbst an hohen Feiertagen
blieb die Kirche völlig leer

Er wüsste gern, woran das läge
glaubt denn keiner mehr an Gott?
Unergründlich seine Wege
doch ein Licht im Alltagstrott

Der Grund ist der, um's kurz zu fassen:
weil die Welt sich weiterdreht
und die Kirche ganz verlassen
mittendrin im Funkloch steht

Der gute Draht zum Chef ganz oben
ist hienieden längst passé
beten, preisen, gottesloben
will man heut per LTE

So sind sie halt, die neuen Zeiten
Hi-Tec zieht das Schwein zum Trog
willst du Gottes Wort verbreiten
geht das nicht mehr analog


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Kommentare zu diesem Text


 niemand (21.10.25, 11:28)
Die Kirchenmänner/und Männinen sind inzwischen schon derart verzweifelt,
bezüglich des Schwundes der Kirchgänger, dass sie sich  bereits durch Rock- und Popmusik anbiedern müssen/wollen. Erinnert mich ein wenig an die Idee
eines Schusters, der mangels Kunden bereits Wiener Würstchen anbieten muss, damit jemand seinen Laden überhaupt betritt und das verlangt, wofür ein Schuster letztendlich da ist.          :D
LG niemand

 Maroon meinte dazu am 22.10.25 um 06:32:
Ist halt eine Gratwanderung. Wie gehe ich mit der Zeit ohne das Profil zu verlieren? Beispiele findet man sicher zuhauf: spontan fallen mir Buchhandlungen ein, bei denen man gefühlt mehr Tee, Schokolade und Nippes kaufen kann als Bücher.

lg
Maroon

 Saira (21.10.25, 12:17)
Moin Maroon,

der göttliche Empfang ist gestört, der menschliche Empfang schwach. Zwischen WLAN und Weihwasser findet kaum noch einer die richtige Frequenz.


Bitterkomisch und leider allzu wahr.

 
Liebe Grüße
Saira

 Maroon antwortete darauf am 22.10.25 um 06:34:
Vielen Dank für diese wundervolle Alliteration "zwischen WLAN und Weihwasser".  :D

lg
Maroon

 Mikael (21.10.25, 18:11)
https://konfessionskundliches-institut.de/allgemein/the-quiet-revival-dramatisches-wachstum-des-kirchgangs-in-england-und-wales/

 Maroon schrieb daraufhin am 22.10.25 um 06:34:
Sehr interessant, danke für den Link.

lg
Maroon

 florrath (21.10.25, 22:37)
Wenn man nur noch Larifari anbietet, muss man sich über mangelnde Kundschaft nicht wundern.
In der letzten Strophe stört mich ein bisschen  "modernen", vielleicht "neuen"?
Gruß, F

 Maroon äußerte darauf am 22.10.25 um 06:38:
Danke für den Vorschlag. Ich habe ihn gerne "eingearbeitet". So gefällt mir auch das Versmaß besser.  :)

lg
Maroon
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