Bodenlos

Text zum Thema Vergeblichkeit

von  S4SCH4

Die Systeme spielen sich selbst aus

und hinterlassen einen schreibenden Charakter

in ausgepresster Tinte würde ich gerne sagen

doch es sind schwarze Löcher

aus denen Wurmgedanken kommen

vor weißen Bettlaken

in denen niemand mehr schläft

sie spuken umher und flehen nach Kräften

 

die Eltern gaben dir die Kirche

und die Kirche gab dir Eltern

und sie nahmen sie wieder

und hängten dich an einen Faden

mit dem du allmorgendlich

die Zwischenräume säubern sollst

damit das weiß deines Lächelns

vor und von ihnen bleibe

und nun stehen sie wieder da

im reingewaschenen Shirt

mit dem deine Madonna, so dachtest du

letzte Nacht noch einschlafen wollte

 

aus dem Dorf wird die namenlose Stadt

aus dem Leid wird seelenlose Genugtuung

aus zwanzig Schülern wird ein Lehrer

aus dem einen Gesicht wird ein anderes Gesicht

 

die Freiheit versprochen in Büchern aus dem Blütenland

während der Krieg in einem Paradies tobt

dass du nie gesehen hast

dir aber einverleibt um den Bauch hängt

wie eine Gürteltasche von Welt und ohne Inhalt

auch damit und von dort solltest du verschwinden

 

zurück und vorwärts

in eine Welt die niemanden will

die sich aber zum gewollt werden herausputzt

und ihren Platz unter einem Himmel einnimmt

der die schwarzen Meere so schön blau macht



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Kommentare zu diesem Text


 Saira (09.04.26, 17:55)
Moin Sascha,

dein Text hat eine starke, durchgehend kühle Grundstimmung. Besonders die Passage mit Eltern und Kirche bleibt hängen ... irgendwie beklemmend und ausweglos.

Deine Bildsprache ist interessant, stellenweise empfinde ich sie etwas überladen. Manchmal würde weniger mehr wirken, damit einzelne Bilder stärker stehen bleiben.

Die Entwicklung vom Dorf zur Stadt und vom einen Gesicht zum anderen passt gut zum Thema. 

Der Schluss sitzt: schön gefärbt, was eigentlich dunkel ist.


LG
Saira

 S4SCH4 meinte dazu am 12.04.26 um 11:43:
Hallo Saira,
ausweglos … genau das ist es. Die Taufe als großes Bekenntnis für alle, und die „Mitgliedschaft“ in der Kirche unausweichlich. Aber was wollen die Eltern auch machen? Nichts? Gerade auf Dörfern ist da doch sonst das Gerede groß. Es kann durchaus Freude mit sich bringen, diese Weihen usw. … doch wie endet es bzw. verhälts sich mittel- und langfristig, dieses Heilsversprechen und die ewige Schwertbringerei?

Überladen ja, tonnenschwer an den Beinen mit eisernen Fesseln.
Hier sinkt etwas … bodenlos.

Danke für deine Gedanken zum Text, sie bedeuten mir viel.

Beste Grüße
Sascha

Antwort geändert am 12.04.2026 um 11:49 Uhr

 Moppel (12.04.26, 11:04)
starke Bilder, Sascha. 
Veränderung, die doch keinen Raum für Selbstentfaltung schafft. keinen Raum lässt durch einen scheinbar endlosen Kreislauf. Und endloser Täuschung.
Und dennoch sollte jeder Mensch sich seinen Raum suchen... 
lG von M.

 S4SCH4 antwortete darauf am 12.04.26 um 11:43:
Hallo Moppel,
du sagst es. Es verändert sich alles und man bleibt doch daherum gleich (gefangen), wie ein Atomkern um den die + und – Teilchen kreisen. Neutralität und Gleichberechtigung alle gegenüber mit den Neutronen und Neuronen. Und genau, jeder Mensch selbst einen Raum, nicht das atomare Rückzugsgebiet in den Grundfesten. Doch wer bietet diesen Raum? Muss der Mensch ihn beanspruchen? Von wem? Wer verbirgt sich, dass niemand die Büchse dieser Pandora öffnet?

Danke beste Moppel für deinen Gedanken hierzu.

Beste Grüße
Sascha

 Moppel schrieb daraufhin am 12.04.26 um 14:35:
die Erkenntnis ist der erste Schritt, Sascha. Den Raum, muss man sich selbst schaffen. Nehmen wir mal einen unglücklichen Studenten. Studium svhmeißen, Bäcker werden. Beziehungen machen einen unglücklich. Sich trennen davon, eigene Wege gehen- ect.
Niemand ist dafür da, uns diesen rasum zu eröffnen. Wir müssen es selbst tun... lG von M.
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