Ein Gelöbnis auf Besserung (m)eines Lebens als Schuldner, dies im Hintergrund einer gesellschaftlichen Eiszeit und eines Schneeballeffektes, wobei der Teufel der einzige ist, der noch Briketts verkauft

Brief zum Thema Verantwortung

von  S4SCH4

Morgenmann,


solltest du diesen Brief lesen, habe ich, hier des Nachts im Dunklen und einsam sitzend, meinen Zweck erfüllt und kann wieder beruhigt Teil deines Unterbewusstseins werden, denn mein einziger Zweck besteht darin, dir eine erkleckliche Warnung über eine Katastrophe zukommen zu lassen.


Bitte bewahre diesen Brief sorgsam auf und zeige ihn, wenn es soweit ist, der soundso alten Person, eine die im Stande sei, jenes Unheil Kraft deiner Vorbereitungen abzuwenden. Auf dein Gefühl und deine Weisheit vertrauend, diese „Person“, die bestehend aus dem richtigen Moment am richtigen Tag, sowie die passende Verfassung jenes unseres „ichs“ ist, abzupassen, weihe ich dich im Folgenden ein:


Die Zukunft wird uns und sich entzweien, ja sogar dreiteilen! Es wird horrenden Machtmissbrauch und monetäres Mantra geben. Jene Leute, die bloß vorgeben nichts zu wissen, die darüber hinaus lügen und betrügen, sich und andere, werden sich mehren und die Rückendeckung und das fleischliche Schild für gewaltige Schänder am Leben sein.
Sollten dies für dich weniger Neuigkeiten sein, als eher ein alter Hut, so hat der eiskalte Ball, auf den ich im Folgenden noch komme, auch dich bereits einmal überrollt.
Ein Klassensysteme ohne menschliche Klasse wird auf künstlichen Supermarktländergelände wachsen und eine geistige Ebene, die Wege in eine Sackgasse aus Paranoia und Lethargie ebnet, wird sich selbst in Ketten gelegt haben und nur noch reglos, mit dem Abhandenkommen und Herbeisehnen von Nullen und Einsen, vegetieren.
Das gefüllte Horn der Gewalt wird leere und lieb-lose Herzen durchbohren, sich dort satteln und an Folter fetter und fetter reifen.


Und bei alledem: schleichend, vorangeweht und getrieben wächst die Toleranz von derlei Dingen als ein kalter Ball aus Eis und Schnee, und die Welt, sie sagt: „Ich warf ihn nicht, diesen ersten Schneeball!“, was im Übrigen kein Wunder sei, da dieser sich ja dicker und dicker rollt, ungesehen, um Opferrollen, und mit Handschuhen vollkommen unschuldiger Moralität und Ethik, die über Hände mit Blutspuren gezogen sind, Blut, welches bereits aus den Wasserhähnen zur Wäsche läuft. 


Es wird jene geben, die den Druck solch eines gesellschaftlichen Winters, der mit dem lodernden und züngelnden Höllenfeuer geheizt wird, aushalten; jene, die ihn weitergeben, ihn schultern und welche, die daran wachsen oder zu Grunde gehen. Das allein stünde vielleicht noch unter dem Stern einer gesellschaftlichen Diversifizierung, eines bunten Treibens im schwarzweißen Winter vor Ragnarök, doch: dieses gestreute Risiko auf spiegelglatten Straßen wird zu einem Risiko für Dich, also für uns. Genauer: Du, also wir, sind einer, zwei, oder auch drei, von denen, die zu Grunde gingen. Woher ich das weiß? Ich habe es beobachtet. 


Über diese „Beobachtung“ ließe sich streiten, daher schweige ich, aber du bist ohne Zweifel ein Schuldiger in einem System und keiner der Gläubiger.
So lass es dir also gesagt sein, oder breche vor der Zeit, aus demütigender Demut und Unmündigkeit aus, ändere dein Leben, so wird vielleicht noch einmal der Tag kommen, der diesen Brief umschreibt, ihn vielleicht sogar in ein Gedicht verwandelt über die Möglichkeit des Unmöglichen, des Schicksals, welches herausgefordert wird, oder Ähnliches.


Für den Augenblick beschränken wir uns lieber auf die Einschränkung des Übels, denn es sei schwer genug. Dieses und jenes als meine vorgegebene Bestimmung ließ ich dich hiermit wissen und komme zum Schluss meines Briefes.


Du fragst dich vielleicht, warum ich den Brief nicht aufbewahre und ihn beizeiten vorzeige, sondern es dir überlasse? Das tust du zu Recht! Meine Ausrede an dieser Stelle lautet schlicht und ergreifend (und in Teilen wiederhole ich mich):
Die Schuld für die Misere liegt bei Dir, du bist Schuldner im System, das sah ich. Du musst also im Folgenden und im Gleichgewicht zu jener Rolle im System, Sorge dafür tragen, dass die Unschädlichmachung geschieht.
Größeres Übel muss durch die Überbringung dieser Benachrichtigung abgewendet werden … durch deinen andauernden Glauben und schließlich durch folgerichtige Taten.


Das Gestern


Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren

Kommentare zu diesem Text


 Saira (31.10.25, 15:21)
Hallo Sascha,

dieser erste Brief wirkt auf mich wie der Auftakt eines inneren Prozesses – ein Schuldbekenntnis im Fieber, das in Bildern spricht, weil die Wirklichkeit zu eng geworden ist.
Deine Sprache schneidet scharf und schmilzt zugleich – der „Schneeball“ ist ein starkes Sinnbild, das sich in Bewegung setzt und alles mitreißt: Schuld, System, Selbstbild.
Was hier beginnt, ist kein Appell, sondern eine Selbstbefragung mit existentiellem Gewicht.
Ich bin gespannt, wie dein Morgenmann dem Sturm dieser Kälte begegnen wird.


Ich lese weiter …

 S4SCH4 meinte dazu am 31.10.25 um 17:12:
Hallo Saira,
es freut mich ungemein, dass du Zugang zu diesem Text gefunden hast und vor allem so präzise in der Analyse operierst.
Die „Kälte“, wie Du richtig sagst, mit der dieser Gestern konfrontiert, ist paradoxerweise ein Platz mit versprochener Wärme für den schlafenden Morgenmann, ein Zuhause und nicht zuletzt eine narzisstische „Zweisamkeit“, wobei darin schon wieder das Zerwürfnis mit dem einheitlichen, ungebrochenem selbst liegt.
 Danke für deine Gedanken, die mir noch einmal klarer machen, was zu Papier kommt und kommen könnte.
Liebe Grüße
Sascha
Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren
Zur Zeit online: