1. Akt – 3. Szene
Caesar vor seinem Zelt, umringt von mehreren Tribunen, im Hintergrund das Feldlager
Caesar: Ein letzter Marsch, der uns noch von der Heimat trennt.
Ihr braven, braven Legionäre.
Ihr habt gekämpft und nur durch euch
ist Caesars Wille wahr geworden.
Tribun: Und jeder meiner Männer spürt die Ehre
mit dir, oh Caesar, heimzuziehen.
Noch uns're Kindeskinder werden
mit Ehrfurcht von den Alten sprechen,
die diesem großen Imperator,
der Arm für seine Taten waren.
Caesar: Ihr habt mir alle treu gedient.
Das werde ich euch nicht vergessen.
Und morgen wird euch Rom aus tausend Mündern,
den Jubel spenden, den ihr euch verdient.
Die Tribune verschwinden.
(zum Knecht) Man bringe mir den Gekreuzigten.
Der Gekreuzigte wird von zwei Legionären gebracht. Er ist an den Armen gefesselt.
Caesar: Die Fesseln braucht es hier wohl nicht.
Er ist so schwach, er kann ja nicht mal stehen.
Legionär: Auch eine schwache Hand vermag es wohl,
den Dolch gegen ein Ziel zu führen.
Caesar: Was fällt dir ein, du Legionär, mein Urteil so frech anzuzweifeln?
Wär' der Antonius zugegen, er hätte dich ja längst gepeitscht.
Es scheint hier eine neue Sitte, das Wort so frei an mich zu richten.
Legionär: Verzeih mir Caesar, bitte meine Dummheit.
Es war die Sorge nur um dich,
die mich so unvernünftig sprechen ließ.
Und hätte ich den kleinsten Zweifel
an meines Caesars Urteilskraft,
Dann würde ich mich selber peitschen.
Caesar: Die Hiebe seien dir erlassen,
doch bind ihn los,
vergeud nicht meine Zeit.
Der Legionär bindet den Gekreuzigten los, der sich Caesar gegenüber schwerfällig
auf den Boden sinken lässt.
Caesar: Du sprachst von Ungerechtigkeit,
wohl an, ich neige dir mein Ohr,
jetzt kannst du dich erklär'n.
Gekreuzigter: Oh Caesar, so sehr dank ich dir,
für diese Gunst zu sprechen.
Ich denke aber, dass es wichtig ist.
Caesar: Und daran zweifle ich doch sehr,
doch immerhin ist es gelungen,
mein Interesse zu erwecken.
Doch fahre fort, der Tag war lang
und auch Caesaren müssen schlafen.
Gekreuzigter: Im Dorf, da tauchten Männer auf
und streuten dabei das Gerücht,
dass Caesar nicht nur die Barbaren
sondern auch Rom sich unterwerfe,
dass uns're heil'ge Republik
für ihn nichts als ein Spielfeld sei,
auf dem er für sich selbst die Macht
und nichts als diese Macht erstreite.
Caesar: Was fällt dir Kreatur nur ein,
mir so etwas zu sagen?
Gekreuzigter: Als ich das hörte, wusste ich,
dass da Verrat im Spiele war,
und ohne lange nachzudenken
bin ich den Männern dann gefolgt.
Caesar: Bislang ist dein Verhalten nicht zu tadeln,
doch wie gelangtest du an dieses Kreuz?
Gekreuzigter: Ich traf sie, noch bevor sie Rom erreichten.
Nicht weit von hier, an einem kleinen Fluss,
ich fragte sie, warum sie dich verhöhnen,
wo doch mit Caesars weiser Führung
das Reich zu neuem Glanz erwuchs.
Sie spotteten, dann zogen sie die Messer.
Caesar: So kämpftest du in meinem Namen?
Gekreuzigter: Oh ja, ich kämpfte, kämpfte tapfer,
vielleicht nicht wie ein Legionär,
doch ohne Angst vor diesen üblen Schergen.
Caesar: Und sprich, wie ging es aus?
Gekreuzigter: Den ersten konnte ich mit etwas Glück
und mit dem Schwert am Bauch verletzen.
Den Andr'en stieß ich vorwärts in dem Fluss,
wo er im Sturz an einem Stein
den Kopf sich angeschlagen hat.
Der Dritte nur, der konnte fliehen.
Caesar: Und was ist dann mit dir passiert?
Gekreuzigter: Ich musste rasten, denn sie hatten mich verletzt,
die Wunden musste ich verbinden;
so schlug ich dort mein Lager auf,
um auszuruh'n, nur für die Nacht
und Kraft zu sammeln um am Morgen,
in Rom von all dem zu berichten.
Caesar: Das Ziel hast du wohl leider nicht erreicht.
Doch was ist dann darauf passiert?
Gekreuzigter: Am nächsten Morgen fand ich mich umstellt,
umkreist von römischen Soldaten,
denn auch der Dritte, der entfloh,
schien mir ein Legionär zu sein,
denn er bewegte sich in ihrem Kreise,
wie's Gleiche unter Gleichen tun.
Caesar: Nun wird die Sache int'ressant,
Verrat, sahst du, in meinem treuen Heer?
Vor gar nicht langer Zeit da sagte,
ein Seher mir so was voraus.
Doch Legionäre gibt es nahe Roms so viele.
Verrieten sie denn, wer sie schickte?
Gekreuzigter: Sie sagten es mir nicht direkt,
doch als ich schon am Kreuze hing,
da hörte ich den einen sagen,
dass ihm ein ganzer Jahressold
für diese Tat versprochen war
und dann sagte er diesen Namen,
den ich bis jetzt verborgen hielt.
Caesar: Du kennst den Namen eines der Verräter?
So sprich ihn aus. Ich werde diese Sache prüfen.
Gekreuzigter: Der Name, Caesar, ja, der Name...
Caesar: Sprich ihn schon aus, lass mich nicht länger warten.
Gekreuzigter: Der Name, den ich dort am Kreuz
von einem der Verräter hörte,
der Name, ja der Name ist...
Caesar: Sprich's aus.
Gekreuzigter: … ist Brutus.
Caesar weicht einen Schritt zurück.
Caesar (wütend): Du widerliche Kreatur, wie konnte ich dir Glauben schenken?
Schon dass das Wort aus deinem Munde,
mich zweifeln ließ an meinen Legionären,
das war schon falsch, doch dass du dann
die Frechheit hast, den treusten meiner Unterstützer,
den Nächsten, der mir wie ein Sohn,
der sich bewährt, wo immer er es konnte,
mit solchen Lügen zu besudeln,
das ist an Schande nicht zu überbieten.
Gekreuzigter: Und doch, mein Caesar, ist es nur die Wahrheit.
Caesar: Und jedes weit're Wort von dir
ist für mich ohne Wert.
Wer einmal weiß, wie eine Schlange klingt,
der hört sie nur noch zischen.
(zu den Legionären) Bindet ihn wieder ans Kreuz!
(zu den Knechten) Und prügelt ihn langsam zu Tode!
Die Legionäre führen den Gekreuzigten weg. Die Knechte folgen.
Von der Seite nähert sich Antonius mit einem Schlauch Wein.
Antonius: Und war die Ungerechtigkeit,
die diesem Mann am Kreuze widerfuhr,
es wirklich wert, ein Heer dafür zu stoppen?
Caesar: Er war ein Lügner ohnegleichen,
ich möchte nicht mehr daran denken.
Antonius: So sei es, wie du es befiehlst,
auch wenn ich gerne wissen würde,
wie so ein niedriges Subjekt,
die Stirne meines stolzen Führers,
mit Zornesfalten füllen kann.
Doch du hast Recht, denn wahrlich ist
jetzt keine gute Zeit für Zorn:
Der Ruhm, der mit uns heimkehrt
ist so groß,
schon morgen rufen alle uns're Namen.
Und dies ist ja die letzte Nacht im Feld,
den Wein, den bracht' ich zum Trinken,
mein Caesar, du weißt, ich schau auf zu dir,
doch im Rausche, da sind wir wie Brüder.
Caesar: Nur einen Kelch, dann muss ich schlafen,
doch diese Ehre gönn' ich dir,
dem großen Caesar Bruder sein,
und auf den Sieg das Glas zu heben.