Caesar - Akt III
Tragödie
von autoralexanderschwarz
Dritter Akt
3. Akt – 1. Szene
Caesar in seinen Privatgemächern, bei ihm: Octavian
Caesar: Und also sprach ich ohne Furcht,
mit Ernst zu den Piraten:
Ich finde euch, kein Meer ist mir zu groß.
Octavian: Da hast du wahrlich sehr viel Mut bewiesen,
schon immer war das wohl ein Teil von dir,
mir selbst jedoch
wird angst und bang bei dem Gedanken.
Caesar: Du hast noch deine Zeit vor dir,
du bist noch jung,
du darfst dich fürchten.
Octavian: Auch du warst damals nicht gerade alt.
So viel ist ja danach passiert.
Caesar: Da hast du Recht
und manchmal denke ich sogar:
(sinnend) Das war ein ganz anderes Leben.
Octavian: Niemand hat so viel erreicht wie du.
Caesar: Und doch ging dabei was verloren.
Octavian: Du ja hast alle immer nur besiegt,
du hast ja Rom geeint
und Gallien unterworfen.
Wie kann dir da was fehlen?
Caesar: Ich sage dir, Octavian,
von außen mag das alles stimmen
doch innen hat ja jeder Mensch ein Herz.
Von mir da gibt es ja so manche Büste,
die keine meiner Falten zeigt,
doch geh' ich durch die Straßen Roms,
dann seh' ich, dass selbst Stein zerbröckelt.
Das aber ist das Los der Menschen:
Dass diese eine letzte Schwelle
nicht überschritten werden kann.
Ein Gott, der kann ganz anders planen.
Mir aber fehlt als Mensch die Zeit,
so groß der Caesar auch den Massen scheint:
Er hat nur einen Menschenkörper.
Octavian: Vielleicht dann,
solltest du die Last mehr teilen?
Caesar: Das mein' ich mit den jungen Jahren.
So hab ich auch einmal gedacht:
Zusammen sei man stärker als allein.
Pompeius hat das oft gesagt.
Jetzt weiß ich aber: Das Gegenteil ist wahr.
Du kennst den Hergang meiner großen Schlachten,
doch sag ich dir:
Es ist die Taktik nicht allein, die da am Ende triumphierte,
es ist die Disziplin, die klare Hierarchie.
Wenn ich dem Heer sag' „rechts“,
marschiert mein Heer rechts,
und sag' ich „links“,
marschiert es links,
sage ich „voraus“,
so stürzen sie sich wie ein Mann
in unsr'er Feinde Speere.
Ein Heer, das so marschiert,
ist niemals aufzuhalten.
So trieb ich die Barbaren vor mir her,
denn die Legionen wussten:
Vor uns liegt der Feind
und hinter uns liegt Rom.
Hinter uns reitet der Caesar,
es gab nur eine Richtung.
Nicht einen Fußbreit wichen sie zurück.
Octavian: Es ehrt mich, dass du mir davon erzählst,
ich werde es mir merken.
Caesar: Doch was im Kriege immer gilt,
gilt nicht für den Senat,
das merke dir, Oktavian.
Schon morgen muss ich wieder alle Kunst
in eine Rede legen,
und sage ich dem Senat „links“,
geht er rechts,
sag ich ihnen „rechts“,
sie geh'n in die andere Richtung
und langsam gehen sie,
Octavian.
Die Legionäre nennen den Senat
den Ort der dicken Männer.
Octavian lacht
Caesar: Doch gibt es dort auch gute Seelen
und mancher dort, der weiß wovon er spricht,
doch wahr ist auch,
dass die Rhetorik
hier den Verstand oft überstimmt.
Zusammen ist man hier nicht stark,
zusammen ist man schwächer.
Und Rom braucht eine starke Hand,
die führt,
und nicht das Zerren von so Vielen.
Octavian: Dann meinst du, dass der Staat im Grunde
so wie ein Heer geführt sein soll?
Caesar: Ich wünschte wohl, dass so wie du
auch all die weisen Senatoren
so einfach und so schnell verstünden,
was doch so offensichtlich ist.
Ich hatte da so manchen guten Freund,
doch jetzt, da hab' ich das Gefühl,
blickt man mich da mit and'ren Augen an
und manchmal bin ich mir nicht sicher...
Diener öffnet Seitentür, verneigt sich und tritt ein
Caesar: Nun sprich schon, wo du ohnehin,
den Caesar unterbrochen.
Diener: Ich schäme mich dafür, oh Caesar,
doch bringe ich euch eine Nachricht:
Man bat mich Caesar rasch zu melden:
Kleopatra ist eingetroffen,
Sie lädt euch ein, für diesen Abend,
ein Bote wartet eure Antwort ab.
Caesar: Das wird Calpurnia missfallen.
(denkt kurz nach)
(zum Diener) Doch sage ihr, ich werde kommen.
Ich brauche nur noch etwas Zeit.
Diener verlässt den Saal
Octavian: Ich werde euch nicht länger eurer Zeit berauben,
ich danke euch für das Gespräch.
Viel habe ich dabei gelernt,
doch eine Frage, lieber Caesar,
die möchte ich noch stellen.
Caesar: Ich ahne deine letzte Frage.
Octavian: Was wurde denn aus dem Versprechen,
das du damals in Pharmakussa
dem Führer der Piraten gabst?
Caesar: Ich fand sie und ließ ihren Tod
recht lang und qualvoll werden.
Ein Caesar, mein lieber Octavian,
ein Caesar hält sein Versprechen.
Octavian erhebt sich, verneigt sich und geht.
3. Akt – 2. Szene
Caesar in seinen Privatgemächern, bei ihm: Calpurnia
Calpurnia: Ich hörte es, du gehst an diesem Abend aus.
Mir ist nicht wohl dabei.
Caesar: Es ist ein wichtiges Geschäft, das keinen Aufschub duldet.
Ich bleibe nur für diese eine Nacht
und komme dann, nach dem Senat,
recht schnell zu dir zurück.
Calpurnia: Du gehst doch zur Kleopatra?
Ich hörte, sie ist wieder in der Stadt.
Caesar: Sie bleibt nicht lang
und es gibt Dinge,
die ich mit ihr besprechen muss.
Es dient ja nur dem Wohle Roms.
Calpurnia: Dem Wohle Roms
und Rom ist Caesar.
Ich hörte, wie sie diese Worte riefen.
Caesar: Wie immer hast du eine allzu spitze Zunge.
Calpurnia: Es ist mir ernst,
ich habe nämlich
ein ziemlich ungutes Gefühl.
Ich träumte in der letzten Nacht
von wirklich schlimmen Dingen.
Caesar: Du hast mir nichts davon erzählt,
was zeigten dir die Träume?
Calpurnia: Ich weiß es leider nicht mehr ganz genau,
denn manches Bild ging mir am Tag verloren
und nur das Allerschrecklichste,
das konnte ich mir merken.
Caesar: Was war es denn,
was war so schrecklich?
Calpurnia: Ich weiß nicht mehr, wie ich genau
an diesen Ort gelangte,
doch vor mir lag ein kleines Ufer
und darauf stand ein weißer Hirsch
mit einem prächtigen Geweih.
Er trug es, ja das dachte ich,
trug es wie eine Krone.
So stand er dort und sah mich an.
Caesar: Und was passierte dann?
Calpurnia: Ich schaute tief in seine großen guten Augen,
er kam ganz nah an mich heran
und dann,
dann flogen auch schon all die spitzen Pfeile
von überall und ohne Gnade,
so streckten sie ihn nieder.
Noch immer seh' ich vor mir,
wie er stürzt
und alles, alles ist dann voll mit seinem Blut.
Caesar: Das sind ja wahrlich keine guten Bilder.
So manches davon ließe sich als böses Zeichen deuten.
Calpurnia: So bitt' ich dich, bleib diese eine Nacht,
nur diese Nacht bei mir.
Du bist gerade erst in Rom zurück,
so vieles haben wir noch nicht besprochen.
Caesar: Ich wünschte, dass ich bleiben könnte,
doch längst entsandt ist doch der Bote,
der Nachricht von dem Treffen bringt.
Calpurnia: So schicke einen zweiten Boten hinterher.
Caesar: Ein Caesar ändert nicht einfach so sein Wort.
Calpurnia: Und bleibt ein Caesar einem Treffen fern,
so muss er sich nicht erklären.
Bleib einfach diese Nacht bei mir.
Vertraue auf die Zeichen.
Caesar: Die Götter mögen zwar den Menschen
durch ihre Träume Zeichen schicken,
doch ist mein Haar noch nicht so weiß
dass ich dem Hirsche gleiche.
Und all die Pfeile flogen ja
im Traum im Tageslicht.
Du siehst, dass dieser Traum im Grunde sagt,
dass Caesars Leben nicht in dieser Nacht
durch Pfeile zu gefährden ist.
Und dennoch werde ich den Wachen sagen,
dass sie die Augen offen halten
Der Diener betritt den Saal
Diener: Es ist alles bereit.
Calpurnia: Ich bitte dich, geh' nicht.
Caesar: Doch Caesar hat entschieden.
Und sorg' dich nicht, Calpurnia,
denn bald schon komm' ich
zurück zu dir.
3. Akt – 3. Szene
Theater des Pompeius, Caesar betritt den Senatssaal
Longinus: Da ist er, also ist es wahr.
So wird es bald gescheh'n.
Noch immer scheint das alles mir
wie ein normaler Tag
und dabei spüre ich an meinem Bein,
den kalten Stahl der Klinge.
Und schau,
er kommt vorbei,
gerade jetzt blickt er zu uns.
So freundlich hat er mir noch nie
aus der Entfernung zugelächelt.
Und all die tiefe Überzeugung,
die Not, die keine andere Entscheidung ließ,
all das verhindert für mich nicht,
dass ich mich wie ein Heuchler fühle.
Casca: Ich weiß um diesen Kampf in deinem Innern,
auch ich kann diese Marter spüren:
Doch grade jetzt darf nicht der Zweifel,
den lang und wohl bedachten Plan
in seiner Umsetzung behindern.
Wir haben einen guten Grund,
wir haben längst und nicht allein entschieden.
Brutus: Man gab mir eben das versteckte Zeichen.
Die Eingeweihten sind bereit,
noch warten wir,
doch nach der Rede,
da rücken wir an ihn heran.
Ruga: Wo ist Trebonius geblieben?
Mir scheint, er bleibt der Sitzung heute fern.
Ich hätte mehr von ihm erwartet.
Brutus: Ich sah ihn draußen sprechen mit Antonius.
Ich hoffe nur, er hält ihn lang genug zurück.
Noch könnte der alles verderben.
Longinus: Hört zu, hört zu,
der Caesar spricht
und weiß dabei doch nicht,
dass dies die letzte seiner Reden,
ja seine Sterberede ist.
Nie wieder wird die Stimme Caesars
in diesem Raum erklingen.
Ich aber will ihn gerne hören
und will ihn damit ehren.
Caesar: Ich grüße euch, ich grüße den Senat.
Man höre meine Rede.
Es wird sehr still.
Cicero: Man hört.
Caesar: Ich habe einen neuen Plan,
den Ruhm von Rom zu mehren.
Wohl weiß ich, dass ich durch das Amt,
dass der Senat mir anvertraut,
nicht wirklich fragen muss.
Doch wie ihr wisst, schätz ich den Rat
und auch die freien Worte.
So sprecht mir, wenn ihr wollt, dagegen.
Dolabella: Erzähl ihn, Caesar, deinen neuen Plan.
Caesar: Das Heer steht mir schon wieder viel zu lange still,
Das Reich braucht einen neuen Krieg
und mehr Provinzen für den Ackerbau.
Denn Rom muss wachsen, wachsen,
immer weiter:
Erst wenn wir sagen:
Rom, das ist die ganze Welt,
dann können uns're Heere steh'n.
Beschlossen ist, dass Caesar selbst das Heer
zum Krieg gegen die Parther führt.
Einige Senatoren applaudieren, aber die Mehrheit schweigt.
Caesar: Ihr seid ja alle wahrlich still geworden.
Wo ist der Mut, mit dem ihr sonst die Gegenrede führt?
Verdächtig ist es allemal,
wenn Senatoren schweigen.
Casca: Es denkt wohl mancher unter uns,
dass er ja nichts mehr sagen muss,
wenn doch am Ende Caesar selbst
es ganz allein entscheidet.
Caesar: Das also ist hier das Problem,
ich spürte so was schon.
Als ich in diesen Saale kam
und dann entlang der altvertrauten
Gesichter bis zu meinem Platze schritt,
da saht ihr mir nicht alle in die Augen.
Manch einer blickte nur zum Boden,
doch eure Blicke spürte ich,
danach in meinem Rücken.
Brutus (zu Casca): Mir scheint, dass er nun etwas ahnt.
Wir müssen uns beeilen.
Mehrere Senatoren bewegen sich aus allen Richtungen auf Caesar zu.
Caesar: Jetzt kommt Bewegung in die Sache.
Ich sehe mancher tritt nun vor.
Mein Casca, komm zu mir nach vorne.
Und du, mein Brutus,
ich erwarte deine Rede.
Sie erreichen Caesar von mehreren Seiten. Brutus aber bleibt direkt vor ihm stehen.
Caesar: Mein Brutus, es gefällt mir nicht,
wie mich die Männer umringen.
Brutus: Du hast das so gewollt,
wir warnten dich,
das Herz von Rom ist der Senat,
denn Rom,
ja, Rom ist eine Republik
und selbst ein Mann von deiner Größe,
kann diese Freiheit nicht bezwingen.
Caesar: Das sagst du mir so einfach ins Gesicht?
Ich wusste ja, dass manch einer,
es heimlich mit Pompei hielt,
gar hoffte noch auf seine Söhne.
Und doch habt ihr mir diese Rechte
zu Roms Verteidigung gegeben.
Brutus: Auf Lebenszeit.
Und diese muss jetzt enden.
(sticht Caesar mit dem Dolch in die Seite und tritt zurück)
Caesar: Das ist Verrat. Verrat an Rom.
Wie könnt ihr es nur wagen?
Casca tritt vor und sticht Caesar mit dem Dolch.
Casca: Und doch ist es auch Treue.
Lang lebe Rom, die Republik.
Longinus tritt vor und zieht den Dolch aus seinem Gewand.
Dann stellt er sich vor Caesar und legt ihm die Hand auf die Schulter.
Longinus: Wir werden deinen Namen immer ehren,
vergib uns Caesar, was wir tun,
wir können nicht anders handeln.
(sticht zu)
Caesar (taumelt zurück): So endet also meines Lebens Pfad?
So unerwartet reißt der Pfeil
den Adler aus dem Flug.
So vieles war bereits geplant,
so viel bleibt nun unvollendet.
Wie konntet ihr
das Schicksal dieser Welt
aus meinen Händen reißen?
Von allen Seiten erreichen nun die Senatoren Caesar, der unter ihren Stichen langsam zu Boden sinkt.
Dann weichen sie zurück und bilden einen Kreis um den Leichnam.
Brutus: Ich sehe manche Träne fließen
und fühle selbst den Schauder
und die Frage:
Wie kann das richtig sein,
wenn solch ein Stern
vom Himmel auf den Boden stürzt?
Doch grade jetzt, da müssen wir,
den Blick nach vorne richten.
Wir sehen eine neue Zeit.
Es ist vollbracht.
Wir sehen einen neuen Morgen.
Der Caesar ist nun tot.
Es lebe Rom, lebe
die Republik.
Senatoren: Es lebe die Republik.