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Geschichte zum Thema Trauer/Traurigkeit

von  Lala

Ich hatte eine gute Zeit mit Karlotta. Eine sehr gute Zeit. Karlottas Begeisterung steigerte sich noch, als ich auch in der Öffentlichkeit begann, meine Arme zu bewegen. Manch Mütterlein verschreckte ich zwar damit, aber die Meisten begannen, als sie begriffen hatten, dass ich keine fixe Idee meiner Tochter war, sich für mich, oder meine Rolle, zu interessieren. Während die Kinder im Park spielten, nutzten sie die Gelegenheit, setzten sich beiläufig neben mich und erzählten mir aus ihrem Leben, von ihren Sehnsüchten, Zielen und ihrem Spaß, aber nicht selten auch von ihren Enttäuschungen.
Leider kompensierten sie ihren Seelenschmerz nur selten mit einer Prise gesundem Sarkasmus, den ich bei Karen so schätze. Sie erzählten mir stattdessen von einem Leben voller verpasster Chancen, Tränen, Herzeleid und dankten mir am Ende, weil ich so toll zugehört hätte. Das hatte ich zwar auch, aber nur, weil ich mich nicht wehren konnte und windmühlenartige Bewegungen meiner Arme nicht als heftiger Widerspruch oder Ignoranz, sondern als innige Anteilnahme gedeutet wurden.
Spielplatzväter hingegen waren widerspenstiger. Wenn sie allein mit mir waren oder sich unbeobachtet fühlten, schwiegen sie, fluchten und fummelten verbissen an mir rum. Sie suchten fast ausnahmslos alle den Trick, den Lithium-Ion Akku, die Antenne, den Sender die Fernbedienung, die an oder in mir versteckt sein mussten und schüttelten den Kopf, wenn Karlotta mich am späten Nachmittag schulterte, in den Bollerwagen setzte und wir zwei gut gelaunt wieder nach Hause zogen.
Ach, wie gerne hätte ich diesen kopfschüttelnden XY-Primaten zum Abschied die Zunge rausgestreckt. Aber ich war ein Playmobilmann und Karlotta hatte mir schon so oft den Skalp abgenommen und diverse Flüssigkeiten in meinen hohlen Kopf geschüttet, dass ich längst wusste, dass hinter meinem ewig lächelndem Mund keine Zunge mehr lauerte.

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