Nereid

Lyrischer Prosatext zum Thema Ferne

von  LotharAtzert

Nereid
Einst traf in einem Traume ich die Nymphe.
Sie strahlte, hell, ein Mond, vollkommen rein.
Im Hinterland zog sie mich in die Sümpfe,
Sank selbst hinab und starb, um wahr zu sein.
°
Ach! - könnte doch das Sehnen sie umfassen,
So zärtlich zöge sie mein starker Arm
Zurück ins Leben, würd’ das meine lassen:
Ihr Herz, das kalte - schlüg’s nur einmal warm.
°
Muß wandeln mancher Geist durch solche Zeiten
Äonenlang! - nicht rastend, Liebstem fern:
Ein Fremdling hier, durch all die Einsamkeiten,
Umkreisend seinen losgelösten Stern.
°

1. Kapitel
Irgendwann, es war etwa kurz nach dem siebten Lebensjahr, fing etwas in mir an, sich erste Gedanken über das weibliche Geschlecht zu machen. Weil ich als Knabe nur wenig des Artikulierens mächtig war, dafür jedoch einiges Talent zum Zeichnen mitbrachte, kopierte ich aus einer Illustrierten ein das Empfinden ansprechendes Frauenbildnis mit dem Bleistift auf Papier ab. Den besorgten Eltern spielte ich vor, mich für Mode zu interessieren.
Die Formen der ersten Favoritin - und ich meine heute, es wäre Brigitte Bardot gewesen, deren körperliche Erscheinung damals nicht nur meine Fantasie beflügelten - die brachten mich zum Grübeln ...
Das Ergebnis war so leidlich befriedigend. Vor allem fand ich die Brüste zu klein. Nun kam mir die Idee, ein halbwegs durchsichtiges Papier, Pergament, Brotpapier oder was auch immer, über die Zeichnung zu legen und die durchschimmernden Rundungen leicht zu vergrößern.
Wieder war das Ergebnis unbefriedigend: die Proportionen des übrigen Körpers stimmten jetzt nicht mehr mit den Brüsten überein, so daß ich ein weiteres Blatt darüber legen mußte und die Beine verlängerte.
Aber ach, nun war der Kopf eine anatomische Monstrosität und beim Versuch, dieses Manko auszugleichen, mißrieten die Lippen. Mir kam nun vor, als würde die Gestalt von Zeichnung zu Zeichnung schlechter.
Zum Glück gab’s den Radiergummi. Zwar schmierte das Ganze erheblich, die graphitgeschwärzten Rubbelwürste trugen auch nicht gerade zur Ästhetik des weiblichen Körpers bei, aber allmählich wurden die gestalterischen Mängel behoben. Nur hatte es nicht mehr die geringste Ähnlichkeit mit Brigitte Bardot.
Doch egal - sowieso interessierte ich mich inzwischen mehr für Claudia Cardinale - der Name war Programm. Und von da ab zeichnete meine Fantasie ihren Körper gleich ohne Kleidung, vorsorglich im Verborgenen, damit Elternfragen schon im Vorhinein umgehend.

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Kommentare zu diesem Text

BabetteDalüge (67)
(11.12.15)
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 LotharAtzert meinte dazu am 11.12.15:
Danke.
Jetzt ist auch noch der Computer kaputt. Immer an Weihnachten ... Das war's erstmal. Sagen meine Träume!
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