Ein Versager bekennt sich - Pamphlet

Kurzprosa zum Thema Selbstbild/Selbstbetrachtung

von  pentz

Es stimmt, ich bin ein Versager.

Ich habe jahrelang Hörspiele gemacht, die ich auf Youtube gestellt habe, und die kaum jemand anschaut. Ich habe drei vollständige Spielfilme mit bis zu 60minütiger Dauer gemacht, die zwar einige Freunde, Bekannte und Stadtbewohner angeschaut haben, aber ansonsten nicht weiter im wahrsten Sinne des Wortes gezeigt worden sind. Auch sie dümpeln auszugsweise auf Youtube vor sich hin.
WernerPentz – Siehe auf YouTube


Nachdem ich mein Erstling immerhin einen Achtungserfolg gewesen war, aber wahrscheinlich auf meine persönliches Engagement zurückzuführen, nämlich alle Menschen, die mir begegneten darauf anzusprechen und ihnen eine Exemplar anzubieten, wollte ich einen Megabesteller schreiben, wofür ich mich ganz schön finanzielle verausgabt hatte, den aber leider kaum jemand lesen wollte und so habe ich 1000 Exemplare, die im Keller lagerten und bald vermodert wären, überall verschenkt, in offene Regale gesteckt oder sonstwas mit ihnen gemacht. Zwar haben mir Bekannte abgeraten, gemeint, die Zeit sei wahrscheinlich noch nicht reif für diesen „extremen“ Roman, aber ich habe gedacht, daß es besser sei, er kommt unter die Leute, ohne daß ich einen Heller und Pfennig verdiene, anstatt er sich langsam in Luft auflöse. Das Motto der Rocken&Roller: „It's better to burn out than to fade away!“ habe ich dabei beherzt.

Ja, ich bin ein Versager. Ein richtiger Versager, denn ich habe alles auf meine Karriere als Schriftsteller gesetzt, Beruf, Anstellung, Position, und habe nichts erreicht. Ich bin nicht bekannt und berühmt geworden. Ich habe kaum einen Euro aus meiner künstlerischen Tätigkeit gezogen, wenn man die Investitionskosten abrechnet.

Ein wahrhafter Versager.

Aber leider kann ich nicht anders.

Ich muß immer noch schreiben. Ich kann nicht aufhören damit, leider vielleicht.

Ich werde stets zerrissen. Ich weiß aber nicht, warum.
Ein deutscher Soldat klagt an - Deutsches Schriftstellerforum (dsfo.de)

Trotzdem muß immer weiterschreiben, ich muß.
Werner Pentz – Siehe in einer Suchmaschine nach der Homepage

Einige Personen meinen, ich sei schwer persönlichkeitsgestört und schlagen vor, mich in die Hände eines Psychiaters zu begeben. Andere Personen würde mich am liebsten im nächsten Fluß ertränken, weil es sie ärgert, daß ich mit meinen erwiesenen Fähigkeiten, Diplomen und Examen nicht mehr aus mir mache. Wahrscheinlich konnte ich diesem sozialen Druck nur dadurch entkommen, daß ich mit meinen Büchern um den Rücken in meinem letzten Film „Der Hosenscheißer“ in einen Kanal springe. Es saßen Dutzende im Publikum, die bei dieser Szene klatschten.

Etliche Frauen, mir fallen drei ein, haben mich verlassen, weil sie reich werden wollten und in diesem ihrem Zukunftsprojekt für mich keinen Platz finden konnten. Die letzte Freundin hat es mir sogar direkt ins Gesicht gesagt: „Ich habe mein Leben lang schwer gearbeitet. Wenn ich Rente bekomme, habe ich hübsches Geld, Du aber nicht. Was sollen wir da gemeinsam machen? Ich werde dann mein Alter genießen, reisen, First-Class-Reisen buchen, All-in-One Urlaubsaufenthalte machen, Wellness über Wellness genießen, womit Du nicht mithalten kannst. Es stimmt schon, unsere Campingreisen nach Frankreich zum Beispiel, billig, aber supertoll. Deine Fremdsprachenkenntnisse haben dies ermöglicht. Aber ich will jetzt endlich Luxus, auch wenn ich nicht mehr so leicht ins Ausland reisen und fremde Menschen kennenlernen kann. Sorry, ich will jetzt endlich Leben!“

Wahrscheinlich hilft es mir, zu bekennen, ein Versager zu sein, denn manchmal schmerzt es schon, sich als Versager zu sehen.

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Kommentare zu diesem Text


 LotharAtzert (27.08.21)
Willkommen im Club. Sieh' es doch mal so: Es ist eine große Ehre, in einer verkommenen Welt nicht auch noch erfolgreich zu sein.

 pentz meinte dazu am 27.08.21:
ja, da ist etwas Wahres dran.
ich seh'es so, daß, wenn die Welt nicht so verkommen wäre, ich mit Sicherheit Erfolg hätte. Dieser Welt geschieht es Recht, daß sie mich verkennen muß.
helau, oder wie der Gruß der Versager lauten mag (Auwau, Auweh, Ohweh...)

 Regina (28.08.21)
In einer Medienwelt, wo nahezu jeder jeden Tag etwas veröffentlichen kann, ist es freilich schwer, herauszuragen. Da besteht aber auch kein Grund, sich als Versager zu fühlen, weil das Normalität sein dürfte. Was die Leute wirklich interessiert, das möchtest du nicht schreiben. Mein Tipp: Weiterschreiben und bescheiden dankbar sein für die 32 Leser, die dein Werk goutiert haben.

 pentz antwortete darauf am 28.08.21:
mercien bien,

wie Du auf die 32 Leser kommst, gerade auf diese Zahl, würde mich interessieren.

ansonsten

alles gute für Dich selbst

 Regina schrieb daraufhin am 28.08.21:
Die zahl ist willkürlich gewählt. Sie soll nur verdeutlichen, dass es wenige sind.

 LotharAtzert äußerte darauf am 28.08.21:
Einige Wenige oder wenige Einige? Ja das will alles ... geklärt sein.

 Teichhüpfer (28.08.21)
Das meine ich mit Rollentauschen von Mann und Freundin, dann bist Du eben der Versager, von denen Du die ganzen Jahre redest, na und ...?

 pentz ergänzte dazu am 28.08.21:
teichhüpfer hüpft quantensprungmäßig unvorhersehbar, denn was er mit rollentauschen meint, weiß man nicht, da er auf etwas referiert, was gar noch nicht da ist.

 Teichhüpfer meinte dazu am 28.08.21:
Aber ja doch, Du kannst das auf meinem Profil nachlesen, Dankeschön.
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