Käthe und ihre Schwestern

Bericht zum Thema Familie

von  Gabyi

Kürzlich sah ich mal wieder den italienischen Spielfilm “Rocco und seine Brüder” von Luchino Visconti aus dem Jahr 1960. Ein sehr langer und turbulenter Film und auch ein Mord an einer Prostituierten durfte darin nicht fehlen. Es war eine Geschichte einer Mutter mit ihren vier Söhnen, die vom Süden Italiens nach Mailand gezogen war mit dem Wunsch nach einem besseren Leben. Da fiel mir sofort meine eigene Abstammungsgeschichte ein. Die Geschichte meiner Großmutter mit ihren sieben Töchtern, von denen eine früh gestorben und eine andere behindert war.

Käthes jüngste Schwester Marianne starb 2006, die älteste namens Betty wurde im Jahr 1900 geboren. Dazwischen lag mehr als ein ganzes Jahrhundert. Käthe selber starb im Jahr 1955 durch einen Suizid. Wie genau der verübt wurde, blieb im Dunkeln, Es hieß nur in der Familie: Lungenentzündung.
Käthe hatte den höchsten Bildungsgrad der Geschwister, von denen nur eines ein Junge war namens Otto. Sein Zwillingsbruder, der Helmuth hieß, war schon als Säugling gestorben. Ein Mädchen namens Gertraud starb ebenfalls - als Kleinkind. Ansonsten betrug die Gesamtzahl der Mädchen sechs. Betty, Käthe, Inge, Else, Luise und Marianne. Marianne, die Jüngste, war im 2.Weltktieg ein Blitzmädel gewesen. Inge wurde an einen Malermeister in Westerland verheiratet nachden sie zwei uneheliche Kinder geboren hatte und sie bekam dann noch weitere fünf Kinder. Else heiratete einen Bauunternehmer und Luise einen Ostpreußen. Käthe war Beamtin bei der Post und ging in die Volkshochschule. Ihr Vater Heinrich kämpfte im ersten Weltkrieg in der Schlacht bei Ypern. Ihre ältere Schwester Betty erkrankte im Alter von zwei Jahren an Kinderlähmung, was eine bleibende Behinderung zur Folge hatte. Ihre Beine waren gelähmt und sie konnte nur mit Krücken laufen. Auch ihre Sprache war etwas schwerfällig. Ansonsten hatte sie ein sonniges Gemüt und war sehr beliebt in der Nachbarschaft. Im Nazideutschland war ihr Leben bedroht und sie wurde von ihren Eltern zeitweise nach Westerland zu ihrer Schwester Inge geschickt.
Käthe arbeitete bei der Post als Beamtin und hatte keinen Mann. Als sie sich das Leben nahm, geschah das vermutlich wegen ihres gebrochenen Herzens.
Die Mutter all dieser Kinder war ein Findelkind. Genauer gesagt das Produkt einer Messalliance aus einer Liäson zwischen einem adeligen Junker mit einer Magd. Das erzeugte Kind wurde einem Geistlichen übergeben, der es mithilfe des Grafen zu Reventlow zur Adoption weitergeleitet hatte. Die Adoptiveltern waren rechtschaffene Mitglieder der örtlichen Gemeinde. Das Kind wurde Bertha getauft. Sie verliebte sich in einen Malermeister, dem von seinem Vater ein Malerbetrieb übergeben worden war mitsamt einem stattlichesn Haus in der Altstadt. Der Vater von Heinrich Jr. hieß ebenfalls Heinrich und war auch Malermeister. Sein bescheidener Wohlstand rührte von dem Umstand, der Hofmaler von Prinz Heinrich von Hemmelmarck (der Kaiserbruder) gewesen zu sein. Der hatte ihn mit allerlei Vergütungen entlohnt, die er später seinen Kindern vererbte.
Käthe und ihre Schwestern konnten nicht mehr von diesem Wohlstand profitieren, da die beiden Weltkriege der Gesellschaft finanziell zugesetzt hatten.

 

 



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