Hochadler

Ode zum Thema Leben/Tod

von  Terminator

Dieser Text ist Teil der Serie  Lyrik

Ein Edeladler schwingt die Flügel

durchs Wolkenweiß ins schwarze Nichts,

von dort zurück, in schönsten Kronen

der höchsten Bäume, Herr des Lichts,

begeht die Nacht. Am Tage gleitet

durch Lüfte, reinste Lebenslust

im Flug und Kindlichkeit im Blicke;


doch neiden Maulwurf, Huhn und Schwein

es dem vortrefflichen Geschicke

so hoch über der Welt zu sein:

abstürzen soll er, Scheiße fressen,

nicht mal der Tod wird ihm gegönnt;

satanisch trällern sie die Messen,

alles, was göttlich, wird verhöhnt.


Sein Blick wird kalt, sein Flug wird schneller,

dem Schwein der Spatz verächtlich ruft:

Hochadler leben nicht im Keller,

sie sterben lieber in der Luft.


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Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (21.02.24, 07:41)
Das würde dem "ängstlichen Adler" Nietzsche gefallen!
Die Rheinische Post schreibt über dieses Buch von Werner Ross (dtv 1984):
"Der Mensch Friedrich Nietzsche in der Vielfalt seines intellektuellen Empörertums, in seiner tragischen Vollendung und selbstischen Verklärung - dies wird von der ersten bis zur etzten Seite mit kühnen, die Faszination nicht aussparendem Zugriff geschildert."
Absolut lesenswert.
Man entschuldige mein Abschweifen, aber mir ist diese Biografie sofort in den Sinn gestürzt, weil ja auch das vorgestellte Gedicht, facettenreich, einige Eigenschaften des Meisters anspricht - wenn der denn gemeint sein sollte ...

 Terminator meinte dazu am 21.02.24 um 07:59:
Nietzsches Lebensphilosophie ist natürlich die Basis für diese Betrachtung; der solare Adler, der frei und gefährlich lebt, der abstürzen kann, und dem der chthonische Maulwurf, das tellurische Huhn und das grob-lunare Schwein nicht einmal den Tod gönnen, weil dieser mit höchster Freiheit einhergeht, ist der Übermensch Nietzsches, und mein (postmoralisch-ästhetisches) Ideal.

Der Adler ist nicht bloß ängstlich, er hat Mut zur Angst. Wer keine Angst kennt, hat nie in den Abgrund gesehen; er kennt nur eine diffuse Furcht, wie die Kuh, wenn sie am elektrischen Zaun vorbeigeht. Der Adler kennt keine Zäune, überall ist für ihn Abgrund, und überall Freiheit.

 Quoth antwortete darauf am 21.02.24 um 11:21:
Ein wahrhaft "fabelhaftes" Gedicht, denn trotz all der erwähnten Tiere kommt allein der Mensch darin vor. Und so gern ich das im Sinne Nietzsches zu verstehen versuche, es fällt mir schwar, mich vom Gedärme aus seinen Opfern reißenden Raubvogel in diese symbolischen Höhen zu erheben.
@AchterZwerg: Habe mir das Buch von Werner Ross bestellt. Danke für den Tipp!

 Hamlet (21.02.24, 10:37)
Unterschiedliche Menschen lassen sich ganz fabelhaft an Tieren unterscheiden, insofern sie völlig verschiedene Fähigkeiten und Bedürfnisse haben - wenngleich das abstrakteste Bedürfnis wieder bei allen gleich ist, was aber so abstrakt ist, dass damit nicht gearbeitet werden kann, wie etwa: dass alle glücklich sein wollen. Missverständnisse kommen sehr stark durch physiologische Grundstimmungen zustande, woraus der Maulwurf anders als der Adler fühlt.
Farn (40)
(21.02.24, 11:26)
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Paul Gauguin (176)
(21.02.24, 13:01)
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 Terminator schrieb daraufhin am 21.02.24 um 22:43:
enger beim Thema
Du liest ein Gedicht und bestimmst arbiträr, was sein Thema ist?
Paul Gauguin (176)
(21.02.24, 23:48)
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