Spiegelbild

Text

von  Alex



Früher hab ich in den Spiegel gestarrt,

als wär da ein Fremder, der mir etwas schuldet. Ich hab versucht, aus diesem Gesicht Informationen zu pressen.


„Wer bist du?

Warum behauptest du, ich zu sein?“


Ich hab verzweifelt versucht, dieses Gesicht zu lieben, weil ich wusste, wie es war, als ich es nicht getan hatte. Wie schmerzhaft das war. Wie gefährlich.


Ich hab mir eingeredet, Liebe sei eine Entscheidung. Also hab ich sie getroffen. Jeden Tag, für mich. Gegen die Zweifel, für die ich keine klaren Worte finden konnte. 


Zähne zusammen, Blick halten, durchziehen.


„Du bist schön.

Du bist liebenswert.

Du bist stark.

Du schaffst das.“


Manchmal hat es fast funktioniert. Aber nur fast. Ich hab nicht verstanden, warum. Ich dachte, ich sei kaputt. Oder undankbar. Oder einfach zu schwach, um mich selbst auszuhalten.


In letzter Zeit ist es anders.


Ich seh hin, und da bin ich. Einfach so.

Als wäre es leicht. Als wäre gar nichts dabei. Als wäre es selbstverständlich.


Das Seltsame ist:

Es fühlt sich normal an. Und nichts daran war je normal.


Also erinnere ich mich bewusst:

An die Distanz, an dieses kalte Fremdsein mir selbst gegenüber. Nicht um mir wehzutun, sondern um nicht zu vergessen:


Ein Zuhause borgt man sich nicht. 

Man wohnt darin.


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