Drogenhandel in Lateinamerika

Essay zum Thema Drogen/ Alkohol

von  Regina

Kokain beschleunigt den Stoffwechsel und intensiviert die sinnliche Wahrnehmung, sodass sich der Anwender hellwach und über die Maßen bewusst fühlt, eventuell sogar gottgleich. Meist wird es als Pulver in die Nase eingesogen. Da es teuer ist, schnell süchtig macht und immer mehr Substanz gebraucht wird, um die erwünschte Wirkung hervorzurufen, geraten auch wohlhabende Abhängige relativ schnell in Drogenschulden. Zur Abschreckung anderer werden sie dann von den Drogenhändlern unter Umständen umgebracht, oft auf grausame Art und Weise unter Durchtrennung der Stimmbänder und der Halsschlagader, so dass das Mordopfer nicht schreien kann und die Zunge dann unter dem Kinn hervorhängt, was "Kolumbianische Krawatte" genannt wird.

Auch die Beteiligten des sogenannten Jahrhundert-Prozesses um den Spitzensportler O.J.Simpson waren aller Wahrscheinlichkeit nach in Kokainaktivitäten verstrickt, wobei O.J. selbst sich vermutlich als Empfehlungsgeber betätigte, seine Ex-Frau und deren Freundin auf seine Kosten ihrer hoffnungslosen Sucht frönten, während ihr ebenfalls ermordeter Bekannter mit Kokain handelte und in die Eröffnung einer diesbezüglichen Bar investieren wollte. Nicht abgerissen ist auch nach dem Tod des damals Angeklagten die Streitfrage, inwieweit diese Morde von 1994 mit dem Kokainhandel verbunden gewesen sein könnten.

Nayib Bukele, der El Salvador seit 2022 regiert, hat sich den Kampf gegen die Drogenbanden seines Landes auf die Fahnen geschrieben. Seither gab es dort etwa 82 000 Verhaftungen. Bilder von gefesselten, knienden Männern gingen um die Welt und die Verhaftung Unschuldiger sowie Menschenrechtsverletzungen wurden angeprangert. Dennoch ist die Bevölkerung mit ihrem Präsidenten weitgehend zufrieden. Man nennt ihn den "coolen Diktator", weil er es mit den schwerkriminellen Banden aufgenommen hat. Seit seiner Amtszeit wagen es die El Salvadorianer wieder, sich auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten. Marktstände und die Eröffnung kleinerer Geschäfte sind erstmals wieder möglich, ohne in Konflikt mit der Drogenmafia zu geraten.

Lateinamerika blickt auf ca. 184 000 Kokaintote. Nur ein Teil dieser Leute starb am Konsum der Droge. Die anderen fielen dem Konkurrenzkampf der Drogenkartelle durch gegenseitige Morde zum Opfer. Die hauptsächlichen Produktionsländer des Kokains sind Kolumbien, Peru und Bolivien, wo der genügsame Kokastrauch auf gerodeten Hängen angebaut werden kann. Brasilien, Mexiko und Kuba bieten sich als Transitländer, von wo aus die Distribution nach Europa, Südafrika und vor allem in die USA organisiert wird. Ein kleinerer Marktanteil fällt auf Nigeria.

In diesen Gegenden führt bittere Armut oft zu jenen Schwerverbrechen, die Bukele bekämpft. Häufig allerdings stecken Polizisten, Anwälte und Politiker mit unter der Decke der Drogenkartelle. Der von der Polizei tonnenweise beschlagnahmte Stoff wird dem Handel durch Korruption wieder zugeführt. Wo in Brasilien etwa ein großer Hafen streng kontrolliert wird, weicht der Drogenexport auf andere Transportwege aus. Selbst militärische Aktionen unter Beteiligung der Armee der USA hatten bisher kaum Erfolg zu verzeichnen, weil das Warnsystem durch Spionage zu gut funktionierte.

Drogenbarone investieren in diesen Ländern oft auch in andere Branchen und steigen so zu einflussreichen Bürgern auf. Aber auch ihren Helfershelfern bringt dieses Geschäft einen bescheidenen Wohlstand und rettet sie so aus der bittersten Armut. Die Haupteinfallstore in Europa bilden der Hamburger und der Amsterdamer Hafen, wo freilich auch hier nicht jedes Schiff genauestens überprüft werden kann.

Lateinamerikanische Politiker argumentieren unter anderem, dass die Drogengeschäfte mit der hohen Nachfrage in den USA und Europa verbunden sind. Die Modedroge der Neunziger Jahre wird auch heute noch vor allem von begüterten Bürgern der USA konsumiert, mit steigender Tendenz in Europa und an dritter Stelle Südafrika. Ärmere Süchtige müssen mit billigeren Drogen vorlieb nehmen.

El Salvador ist durch seine Null-Toleranz-Politik auf dem Weg, sich von seiner nationalen Drogenmafia zu befreien, die hier Mara genannt wird, kann sich aber auf diesem Erfolg nicht ausruhen, weil die Gefahr besteht, dass internationale Kartelle auf diese Strukturen zugreifen und sie ersetzen werden.

Auch die deutsche Innenministerin Nancy Faeser bereiste zum Ende ihrer Amtszeit diese Regionen, um sich vor Ort ein Bild zu machen, weil mit den lateinamerikanischen Sicherheitsbehörden zusammengearbeitet werden soll. Wie genau Frau Faeser sich das vorstellt und was ihr Nachfolger in dieser Hinsicht unternimmt, wurde bisher nicht öffentlich erklärt.


Mexiko ist jetzt nach dem Tod des führenden Drogenbosses "el Mencho" dem Kampf der verschiedenen Kartelle gegeneinander ausgesetzt.



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Kommentare zu diesem Text


 WinterzeitFachkraft (25.02.26, 20:02)
Ich habe noch nie Kokain genommen, hatte mit Alkohol – meist nur Bier – schon genug Rausch.

Für mich erstaunlich ist, daß es selbst in der Kreisstadt (rund 50 km entfernt, rund 3.000 Einwohner), Kokain gibt, auch Kokain-Abhängige.

Ich würde bei der Frage ansetzen: Warum braucht jemand Rauschzustände?
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