Bei Oma gibt's nix mehr zu essen

Satire zum Thema Allzu Menschliches

von  Moppel

Wenn’s bei Oma nix mehr zu essen gibt, dann kommt man nicht mehr gerne.

Seitdem Opa gestorben ist, hat Oma sich verändert. Sie ist körperlich ausgelastet mit Hundespaziergang, Einkaufen, Putzen und ihr Leben zu organisieren. Trotz extremer Rückenschmerzen, die sie seit der Beerdigung quälen und zu denen der Orthopäde gleichgültig sagt: „Bis zu acht Novalgin können Sie nehmen.“ Und der Osteopat: „Sie müssen loslassen. Ihren Mann loslassen“.

Ja, nichts einfacher als das.  Wie bei der Werbung von Slipeinlagen für alte Weiber, einfach loslassen, laufen lassen. Klar!

Es gab Tage, da hat Oma die acht Pillen genommen und jetzt sagt sie strikt: Ich muss mir meine Kraft einteilen. Kann nicht vier Kilo Kartoffeln und 2 Kg Hack  schleppen, damit ihr alle satt werdet. Dann noch stundenlang Hackbraten und Bratkartoffeln machen, womöglich und gerne noch frischen Gurkensalat. Die Kinder schauen irritiert. Indigniert, beinah ein bisschen beleidigt.

Offensichtlich denkt man, dass Oma etwas übertreibt. Andere sind auch alleine und glücklich, hört sie. Andere. Was interessieren Oma andere? Und wenn die Kinder mal zwei Stündchen da sind, reißt sie sich zusammen. Sie wissen doch gar nicht, wie’s ihr geht. Nicht wirklich. Sie haben ihre Arbeit, ihr Leben, ihren Stress.

Oma backt auch keinen Kuchen mehr. Die Oma, die in ihren Kuchenkreationen aufging wie eine Tulpe im Frühling. Sie ist froh, wenn sie ihr Mittagessen frisch jeden Tag auf den Tisch bekommt und anschließend die Küche wieder blitzsauber. Bei Oma gibt’s für Gäste nix mehr zu essen und das ist nicht schön. Echt nicht schön.

Sie müssen loslassen, andere sind auch alleine glücklich, dann musst du eben den Hund abgeben… Dazwischen pendelt Oma  gedanklich hin und her. Denn sie hat viel Zeit zum Denken. Täglich wird sie angerufen. Von ihren Kindern. Doch, sie kümmern sich.

Und Oma kümmert sich zwischenzeitlich um eine Haushaltshilfe fürs Putzen. Dekoriert die Wohnung schön, heimelig für die Seele. Kümmert sich um jemanden, der 2 Mal die Woche die große Runde mit dem Hund geht. Und hofft, dass die Schmerzen verschwinden. Irgendwann. Irgendwie.

Zum Karnevalszug wird sie nicht mitgenommen. Sie kann ja nicht gut stehen. „Sie müssen loslassen“ und Oma denkt an die Nächte, die sie mit Opa auf Karnevalsbällen durchgetanzt hat. Zwanzig Jahre lang.

Im TV redet ein Pastor säuselig über ein Trauergespräch, das er geführt hat. Oma hatte kein Trauergespräch. Sie kennt keinen Pastor und der Medizinische Dienst gibt ihr nicht mal eine Pflegestufe, solange sie sich noch allein duschen und kacken kann.

Ihre Hilfskräfte muss sie selbst bezahlen. Die Kinder sehen das mit Schrecken. Oma spendiert keine neuen Sommerreifen mehr, keine neuen Möbel wie bisher. Schießt nix mehr zum Urlaub dazu und tut wie taub, als man erwähnt, dass man sich ein Reihenhaus angesehen habe, aber die Finanzierung…

 Oma hat sich verändert. Und das ist nicht schön, wirklich nicht schön!

Sie müssen loslassen, sagt sie sich. Eben.



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Kommentare zu diesem Text


 niemand (11.03.26, 12:11)
@ Moppel
In diesem Texr, welchen Du Satire nennst, stecke eine Menge Lebensrealität.
Der Oma könnte man nur einen Rat geben und zwar: Lass Dich nicht gänzlich auffressen. Wenn Du erstmal "abgenagt wie ein Hühnerknochen" bist, kommt erst recht keiner um nach Dir zu sehen. Die Menschen sind so und die Jungen kümmern sich zuerst um ihr eigenen Leben, was ja auch verständlich ist. Anders ginge es auch nicht. Und wenn sie einen neuen Partner haben, dann ist Oma/Mutti etc. nicht nur unwichtig, sondern oft auch lästig, besonders wenn sie kritisch daherkommt und nicht mehr so mit den Scheinchen winkt. Wenn ein junger Partner einen guten Charakter hat, dann kann man froh sein, wenn nicht, dann steht er immer an erster Stelle, mag er noch so blöd daher kommen. usw.
Omas und Muttis werden gerne als Melkkühe gebraucht, auch von den Enkeln,
das meine ich jetzt allgemein betrachtet und gegen keinen [weil unwissend] gerichtet. Oma, würde ich da sagen, vergiss nicht an Dich zuerst zu denken,
die anderen denken auch nur zuerst an sich. Ansonsten sind Kompromisse gefragt und die Oma sollte nicht der Part sein, der immer nachgibt, sonst ist sie letztlich nur der Verlierer. LG Irene
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