Alles hängt mit allem zusammen

Satire zum Thema Abhängigkeit

von  Moppel


 

Wie gut, dass wir keine Osterhasen sind, denn die haben’s schwer in diesen Zeiten. Früher waren die Verhältnisse klar auf dem Oster-Eier-Hof, doch heute weiß kein Mensch mehr, was läuft.

Der Bauer bekommt am frühen Morgen eine Mail aus den USA, die die Erdnüsse für den Milla-Osterhasen liefern. Man würde keine Nüsse mehr liefern, wenn der Osterhase nicht beim Ausliefern eine amerikanische Flagge trüge. Der Bauer könnte jetzt sagen; OK, dann hat der Schokohase eben keine Nüsse. Aber USA setzen noch einen drauf: Auch Santa Claus und das Rednose-Rentier würden dann in dieses Land nicht mehr kommen.  Keine deutsche Weihnacht also mehr ohne Santa Claus? Eine große Verantwortung für den jungen Bauern.

Früher kam das Christkind, denkt der Bauer ein wenig zornig, scheiß doch auf Santa Claus. Aber der große Discounter-Konzern, an den er seine Bio-Eier verkauft und all seine Eier verkauft, ist leider amerikanisch. Fieberhaft sucht der junge Bauer nach einem Ausweg, einem Kompromiss. Eigentlich wollte er nämlich mal Diplomat werden.

Da, wie gerufen, hüpft der Osterhase fröhlich auf den Hof : Ich bring schon mal die Farbkästen. Samma, Kumpel, schmeichelt der Bauer, könntest du dir vorstellen, bei der Auslieferung zu Ostern einen Pulli mit den Farben der amerikanischen Flagge zu tragen?

Der Osterhase schaut den Bauern an, als wäre der geisteskrank. Empört sich: Wie komm ich dazu? Heiß ich Fritz? Nee, Paul, hüstelt der Bauer und senkt den Kopf. Die Lage ist kompliziert. Paul scheint nicht viel von Globalisierung zu halten. Dass die Alten aber auch immer so an den Traditionen kleben müssen, denkt er.

Wie eine karmische Erscheinung springt just in dem Moment ein Osterhase hinter dem Busch hervor, der das Gespräch scheinbar belauscht hat. Er ist völlig grün! Theatralisch schwingt er die Arme und skandiert: Panta Rhei. Alles ist im Fluss. Alles ändert sich…Paul und der Bauer hüsteln. Ein Mars-Osterhase,  spottet Paul. Doch der Grüne schwafelt weiter: Grün ist die Natur. Die Farbe der Energie, der Wende. Neutral und unverfänglich. Du hast deine Zeit gehabt, Paul! Paul klopft wütend.

Und überhaupt ist Ostern kulturelle Übergriffigkeit. Hm! betont der Grüne und winkt zum Busch. Paul und der Bauer stehen wie versteinert, als ein Osterhase mit Burka auf sie zuhüpft und strahlend kichert: A-slama. Paul und der Bauer reiben sich die Augen - Äh, ja, auch slämma.

Mee too, ! kreischt sie, es wird Zeit, dass es auch weibliche und muslimische Osterhasen gibt. Denn der Islam gehört zu diesem Land, Inch-Allah.

Hand in Hand stehen der Grüne und die Fata Morgana da. Grinsen selbstbewusst und fordernd.

Mittlerweile haben sich hunderte von Hühner im Hof versammelt, aufgeschreckt und neugierig. Was ist das? fragen sie und Paul sagt: Die neuen Osterhasen! Hä? gackern die Hühner. Nee, dann legen wir ab heute keine Eier mehr! Rassisten, brüllen der Grüne und die Fata Morgana. Und der Bauer rauft sich die Haare.

 

So ein Theater war noch nie aufm Hof. Wie konnte das eigentlich so weit kommen? klagt der Bauer. Sowas kommt von so was, antwortet Paul lakonisch und schmunzelt nicht.

Paul bleibt stur, die Hühner auch. Ostern fällt aus und der Bauer geht pleite. Nur eine von zahlreichen ungenannten Insolvenzen in diesen Zeiten. Panta Rei…

 

 

 

 

 

 

 

 



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Kommentare zu diesem Text


 Citronella (26.03.26, 13:44)

Ostern fällt aus und der Bauer geht pleite.

Ja, Moppel, warum nicht auch Ostern - nach den Weihnachtsmärkten, Karneval, Public Viewing und vielen anderen Veranstaltungen, deren Sicherheit mittlerweile zu teuer geworden ist.
Und wo Geschäfte pleite gehen, gibt es immer sehr schnell Nachfolger aus anderen Kulturen - gerade wieder hier im Städtchen mit Erstaunen festgestellt.

Also bleiben wir doch in Zukunft lieber ganz zu Hause und schreiben bissige Satiren! 

LG Citronella

 Saira (26.03.26, 14:13)
Moppel, ich finde deine Satire witzig und clever. Auf eine humorvolle, fast märchenhafte Weise zeigst du, wie eng Wirtschaft, Kultur und gesellschaftliche Erwartungen miteinander verknüpft sind. Die vielen Osterhasen mit ihren unterschiedlichen Forderungen spiegeln perfekt, wie verwirrend und widersprüchlich unsere Welt manchmal wirkt und wie hilflos der Einzelne dastehen kann. Panta Rhei – alles fließt, und wir sind mittendrin, mal überfordert, mal amüsiert.
 
LG
Saira

 AchterZwerg (26.03.26, 16:47)
Hätten die sich beizeiten impfen lassen (Astraseneca), wären sie nicht an der Hasenpest verstorben! Nichtvegetarier hätten einen Braten und Kinder das goldverpackte Schokoladentierchen.
Die Bauern wären nicht pleite - sie konsumierten, genau wie Du und Ich.

Aber auf mich hört ja wieder keiner ...
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